Leopold Birstinger  †

1903 - 1983

Seine Wiege stand in Alberndorf im Pulkautal

geb. 30. Oktober 1903 in der Weinbaugemeinde Alberndorf im Pulkautal.

 

Leopold Birstinger lebte in Wien-Mauer und arbeitete als Maler und Grafiker. Zeit seines Lebens war er stets sehr stark mit seiner Heimat verbunden. Viele seiner Werke spiegeln diese Verbundenheit wieder. Stilistisch von den deutschen Expressionisten und den Pariser "Fauves" angeregt, war des Schaffen des sich abseits des Kulturbetriebs haltenden Künstlers vorwiegend der Natur und den Menschen des Wein- und Waldviertels gewidmet.

Leopold Birstinger arbeitete mit den unterschiedlichsten Techniken wie z.B. Öl, Aquarell, Zeichnung, Holzschnitte, Radierungen und Lithographien.

    

Auszug seiner erschienenen Werke:

   

Mutter, Öl auf Leinwand, Jahr 1940 Herbst, Öl auf Leinwand, Jahr 1946
Frau mit aufgestütztem Arm, Öl auf Leinwand, Jahr 1942 Mutter, Zeichnung, Jahr 1942
Landschaft, Aquarell, Jahr 1943 Alte Frau, Aquarell, Jahr 1943
Kreuzigung, Litho (übermalt), Jahr 1956 Kreuzigung, Öl auf Holz, Jahr 1953/1957
Bäume im Herbst, Öl auf Sperrholz, Jahr 1940 Trauernde Frauen, Öl auf Leinwand, Jahr 1940/1962
Bauernhaus, Öl auf Leinwand, Jahr 1961 Der Prozeß (Kafka), Öl auf Leinwand, Jahr 1964
Der Trommler, Öl auf Leinwand, Jahr 1968 NÖ Landschaft, Öl auf Leinwand, Jahr 1970
Bildnistafel, Öl auf Holz, Jahr 1972 Frühlingslandschaft, Öl auf Faserplatte, Jahr 1974
Menschengruppe, Öl auf Papier, Jahr 1975 Bauernhof N.Ö., Öl auf Leinwand, Jahr 1974
Trakl, Aquarell, Jahr 1975 Blick im Spitalgaten, Öl auf Leinwand, Jahr 1970
Weinviertel, Öl auf Leinwand, Jahr 1975 Selbstbildnis, Öl auf Papier, Jahr 1973
Galgenberg, Öl auf Leinwand, Jahr 1974 Sonnenblumen, Öl auf Leinwand, Jahr 1975
Kellergasse, Öl auf Leinwand, Jahr 1975 Frau mit grüner Vase, Öl auf Leinwand, Jahr 1976
Leben und Tod, Öl auf Leinwand, Jahr 1976 Pulkautaler Pfarrhof, Öl auf Leinwand, Jahr 1977
Blühender Baum, Öl auf Papier, Jahr 1977 Stationen der Leben, Öl auf Faserplatte, Jahr 1977
Dorfstraße, Öl auf Faserplatte, Jahr 1977 Sonnenuntergang, Öl auf Karton, Jahr 1977
Blumenvase, Öl auf Papier, Jahr 1976 Frauenkopf, Holzschnitt, Jahr 1942
Anna, Radierung, Jahr 1933 Sitzende Frau, Radierung, Jahr 1933
Wald, Mischtechnik, 1962 Blick in die Zukunft, Öl auf Papier, Jahr 1975
Schattenspiele, Aquarell, Jahr 1970 Dämmerung, Aquarell, 1973
Kleine Herbstlandschaft, Aquarell mit Öl übermalt, Jahr 1976 Toskana, Aquarell, Jahr 1934

Karl Stark, Kunstgalerist aus Wien und Freund, schrieb 1981, anlässlich einer Ausstellung, über Leopold Birstinger.

Sagen wir es gleich vorweg: Ich bin davon überzeugt, dass es in Österreich keine 5 in diesem Jahrhundert geborene Maler gibt, die in ihrem Werk einen solchen künstlerischen Reichtum aufweisen wie ihn Leopold Birstinger zu geben vermochte. Dem am 31. Oktober 1903 Geborenen konnte ich schon verhältnismäßig früh kennen lernen, etwa 1939, als ich noch als Jugendlicher in Graz bei Prof. Rudolf Szyszkowitz, seinem Kollegen an der Wiener Akademie, studierte. Etwas später, während des Krieges, versäumte ich keine Gelegenheit ihn in Wien zu besuchen, seine Persönlichkeit und seine Kunst zog mich immer wieder an und je älter und reifer ich selbst wurde wuchs die Überzeugung in mir, dass wir in diesem Menschen einem sehr seltenen und eigenwilligen Künstler begegnen, dem, so scheint es, wie in diesem Lande üblich, die Nachwelt erst die gebührende Anerkennung zu geben vermag. Sein Name ist kaum in einem der vielen Kunstbücher der Nachkriegszeit zu finden, seine Bilder in keinem Museum zu sehen und es erstaunt nicht, dass er weder Preise, Ehrungen noch entsprechende Anerkennung durch sein Werk gefunden hat. Aus solchen und vielen anderen Gründen habe ich mir Gedanken gemacht ob es nicht doch möglich sei für verdiente, verstorbene und noch lebende Künstler etwas zu tun. So fasste ich den Entschluss, aktiv in Wien mit einer Kunstgalerie die mir wichtig scheinenden Aufgaben für die Kultur nach Möglichkeit zu erfüllen. Im Maler Birstinger begegnen wir einem Menschen der durch sein starkes Gemüt und seiner tiefen Empfindung alle seine künstlerischen Aktivitäten, seien es Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen, Radierungen oder Holzschnitte mit dieser Natur durchtränkt. 

Wenn wir versuchen, den Künstler in die Entwicklung neuerer österreichischer Malerei einzugliedern, so verkörpert er die erste nachfolgende Generation der wuchtigen Expressionisten, Egger- Lienz, Kokoschka, Schiele, Faistauer, Kolig, Boecki usw. Dieser elementare Aufbruch, der seinen Anstoß von Frankreich bekam, Vincent van Gogh, Paul Cezanne und Paul Gauguin vor allem, war so gewaltig, dass die nachfolgende Generation kaum gleichwertiges entgegenzusetzen hatte. Sie litten unter diesem Druck und es blieb ihnen nur die Begrenzung, diese Eruption in sich zu verarbeiten. Im Grunde ist es eine sehr unglückliche Generation und wenn man einen harten Maßstab anwenden wollte, muss man gestehen, dass diese Last kaum einer ertragen konnte und die meisten von ihnen gescheitert sind. 

Anders bei Leopold Birstinger. Diese starke Individualität war mir immer etwas rätselhaft, aus der bäuerlichen Herkunft stammend schien mir ein gotischer Mensch entgegenzutreten. Man fühlte in ihm, welche Verehrung er für diese Kulturepoche empfand. Gewiss sind es auch die vielen Schicksalsschläge, die Demütigungen als Künstler, die er in seinem langen Leben hinnehmen musste, um dahin zu reifen all dies ertragen zu können. Seiner Natur nach schwermütig hat der Maler eine besondere Beziehung zum Leid und aus dieser Veranlagung sind eine große Reihe der wohl schönsten Bilder entstanden, Bildnisse, Kompositionen und Landschaften. Einige Jahre nach Kriegsende besuchte Oskar Kokoschka eine Ausstellung zeitgenössischer Künstler in der Wiener Secession. Bei dem Ölbild „Mutter" von Leopold Birstinger blieb Kokoschka stehen und gratulierte dem anwesenden Künstler und gestand, dass dieses Bild neben seinen besten Werken bestehen würde. Ehrfurcht empfand auch Anton Kolig bei der Betrachtung dieses Werkes. Bei Birstingers Malerei erfolgt nach dem expressiven Aufbruch der Moderne eine Verinnerlichung im Formalen und Farbigen, eine ausgeglichene Harmonisierung von starkem seelischem Gehalt. In einer Zeit in der die krisenhafte Entwicklung in der Gesellschaft und in der Kunst deutlich sichtbar wurde, in den dreißiger und vierziger Jahren, vermag der Maler Birstinger durch seine geistige Vertiefung, völlig isoliert, eine künstlerische Vollkommenheit zu erreichen, die einzigartig dasteht. Vieles hat ihn damals sehr bedrückt, vor allem der Tod seiner geliebten Frau und der Tod seiner Mutter. Diese beiden Menschen inspirierten sein Hauptwerk. Die Liebe zu seiner Frau und die Liebe zu seiner Mutter verewigte er in vielen ausdrucksstarken Darstellungen. Diese tiefe menschliche Verbundenheit, die sich in ihm bis heute nicht gelöst hat, ist die Quelle seiner künstlerischen Aussage, und sein langjähriger Freund, Monsignore Otto Mauer, schreibt über sein Werk: „Es ist eine Welt des Kreatürlichen, erfüllt von Sorge, Tod und Einsamkeit, von schwermütigem Tiefsinn und grüblerischem Schicksalsernst." Der Maler Birstinger kann unserer Generation, die sich im Künstlerischen in Auflösung befindet, in seinen besten Werken Halt geben durch das Hinwenden in seelisch-geistige Vertiefung. Wir bewundern nicht nur die tröstliche Aussage im Menschlichen, sondern auch das Licht des Geistes, das uns in so vielen Bildern durch die Farbe entgegenstrahlt. Es ist an der Zeit, dass Österreich sich auf einen solchen Künstler besinnt. Diese Ausstellung kann nur eine Auslese von seinem Werk zeigen und ich möchte damit bewirken, dass das offizielle Österreich den herannahenden 80. Geburtstag des Meisters (1983) zum Anlass nehmen wird, sein Werk repräsentativ vorzustellen. 


  

Bäume im Herbst

Landschaft 

 

Kreuzigung

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