Unsere CHRONIK

ALBERNDORF IM PULKAUTAL

ein Ort mit Geschichte-

- von der Urzeit bis zur Gegenwart

  

[ Ur- und Frühgeschichte ] [ Entstehung des Dorfes ] [ Inmitten der Schlachten ] [ Die Türkenbelagerungen ]

[ Von der Auflassung des Asylrechtes bis zur Aufklärung ] [ Aufbruch vom 19. ins 21. Jahrhundert ]

[ Kriminalstatistik ] [ Die Zeit der Vereine und Genossenschaften ] [ Der Erste Weltkrieg ]

[ Die Zwischenkriegszeit ] [ Die Nationalsozialisten und der Zweite Weltkrieg ]

[ Vom armen Grenzdorf zum modernen Vorbild der Region ] [ Der Pulkaubach

[ Straßen, Gassen, Feld- und Güterwege ] [ Die Pfarre ] [ Die Schule ]

   


  

Ur- und Frühgeschichte

   

Das Hügelland im Norden mit dem Schatzberg - 306m, dem Haidberg - 315m, dem Hutberg - 296m, und dem Fuchsenberg - 271m, bildet die Wasserscheide zwischen der Pulkau und der Thaya. Man könnte dieses Bergland als Weingebirge bezeichnen, da ein Großteil davon von Weingärten bedeckt ist. Der "Schatz" erinnert uns an ein altes Maß (1 Schatz = 30 Ruten Länge; 1 Rute = 10 Fuß; 1 Fuß = 31cm). Der Name Haide hingegen weist auf die Flurbezeichnung und Nutzen hin. Die südliche Wasserscheide zwischen der Pulkau und dem Göllersbach bildet der Steinberg - 361m, und der Blickenberg mit - 204m.

 

Hier, am Nordhang des Steinberges in der Riede Totenmann, wurde 1981 auf der Parzelle Nr. 765/1 Teile eines Mammutskeletts gefunden, welche dem Krahuletz -Museum in Eggenburg übergeben wurden. 1990 bis 1997 finden auf den Parzellen Nr. 916 - 921 weitere Ausgrabungen durch Prof. Trnka von der Univ. für Ur- und Frühgeschichte statt, wobei Hunderte steinzeitliche Fundstücke geborgen werden, darunter auch Kochsteine mit Feuerresten, so dass hier wohl ein langzeitlicher Lagerplatz vor 25.000 bis 20.000 Jahren jungpaläolithischer Menschen war. Unter den Fundstücken sind 1.128 Steingeräte erfasst und bezeichnet wie: Kratzer, Stichel, Klingen, Bohrer, gekerbte und gezähnte Stücke aus Silex, Feuerstein und Hornstein. Gelochte Steinplättchen, sowie fossile Dentalien und Schnecken lassen auf Schmuckstücke dieser Menschen schließen. An Tierarten lebten hier, wie aus Knochenfunden hervorgeht: Rentier, Wildpferd, Mammut, Riesenhirsch, Wollnashorn, Wolf, Rotfuchs und Schneehase. Die floristischen Funde deuten auf: Fichte, Zirbe, Lärche, Hängebirke, Holunder, Knöterich und Bitterkraut hin, so dass man das Tal als eine offene Steppenvegetation mit lokalen Bewaldungen in einem kalten und trockenem Klima, dem Lebensraum großer Herdentiere bezeichnen kann, wie Prof. Dr. Gerhard Trnka in seinen Ausgrabungsberichten ausführt.

 

 

Der Boden des Tales besteht aus Sand und Schotter, welche mit Löß und Ablagerungen des Eggenburger Meeres bedeckt sind. Funde aus der Zeit, als unser Gebiet noch Meeresgrund war, wie Einschlüsse von Muscheln, Schnecken, Seeigeln usw., fand man in Steinplatten, die man 1985 bei Fundamentsaushubarbeiten der neuen Siedlung freilegte. Durch diese Bodenstruktur bewiesen, war das Tal wenig bewaldet - wie vorher berichtet und bot sich von alters her ideal als Siedlungsgebiet an, wie Ausgrabungen aus dem Jahr 1933 bezeugen.

  

Beim Aushub einer Schottergrube auf dem Grundstück des Leopold Reisinger, zwischen Eisenbahn und Friedhof wird 1933 laut Schulchronik ein prähistorisches Grab mit Bronzeringen, Armreifen, Fibeln und Töpfen gefunden, die der Lehrmittelkammer der Schule als Schauobjekte für den Unterricht übergeben werden. Nicht weit davon entfernt, östlich des Friedhofes, in der Flur Lehmgstettenfeld, Parzelle Nr. 1018/2, werden 1961 wieder bei der Anlage einer Sandgrube zwei weitere Gräber gefunden. Diesmal wird das Bundesdenkmalamt verständigt, so dass die Gräber aus der Übergangszeit der Bronzezeit A2 zu B1 sachgemäß freigelegt werden. Besonders gut erhalten ist aus dem ersten Grab das 4.000 Jahre alte Skelett mit einem Schafthalsbeil, wogegen an der Scheibenkopfnadel und dem Dolch mit den 4 Nieten der Zahn der Zeit seine Wirkung zeigt. Da der Tote das Beil im Unterkiefer stecken hatte, muss er eines gewaltsamen Todes gestorben sein. Dem Toten im zweiten Grab hatte man nur ein Tongefäß mit auf seine Reise gegeben. Die Gegenstände befinden sich im NÖ Landesmuseum. Man kann wohl mit Sicherheit annehmen, dass Alberndorf bereits zu dieser Zeit zeitweise besiedelt war, nur eben wegen des weitverzweigten und sumpfigen Bachverlaufes an einem höheren Standort.

  

Eine ständige Besiedlung gibt es wahrscheinlich bereits im Reich der Rugier (Roggenbauern) von 455 bis 488 n.Chr. Um 490 siedeln hier die Langobarden, wie Bodenfunde aus der ersten Hälfte des 6 Jhdts. in der Region bezeugen. Um 570 wandern sie nach Italien ab und slawische Völkerscharen füllen das entstandene Vakuum im Gefolge der Awaren auf. Schon in prähistorischer Zeit gab es einen Weg (lt. Peter Csendes: Die Straßen Niederösterreichs im Früh- und Hochmittelalter), die sogenannte "Untere Hochstraße", die über das Waldviertel, das Pulkautal nach Mailberg und von dort nach Staatz führte. Auf diesem Weg kamen die Kolonisten während der ersten deutschen Besiedlung im 9. Jhdt., wie auch bei der zweiten deutschen Besiedlung im 11. Jhdt., aus dem Westen in unser Tal. Noch vor einigen Jahrzehnten war dieser Feldweg als "Mailbergerweg" durchgehend befahrbar. An allen Kreuzungen gab es rot angestrichene Holzkreuze, im Volksmund "Rotes Kreuz" benannt, wahrscheinlich von den Johannitern aus Mailberg errichtet, deren Besitzungen weit nach Westen reichten und die auf diesem Weg ihre Delinquenten nach Mailberg zur Richtstätte brachten. Bis noch vor zwei Jhdten. diente dieser Fuhrweg als Durchzugsstraße, von der man beim "Roten Kreuz" nach Alberndorf einbog. Die Straße von Alberndorf nach Haugsdorf führte nämlich über die sumpfigen Bachwiesen, wie noch aus der Karte von 1772 hervorgeht und war daher bei schlechtem Wetter nicht befahrbar.

  


   

  

  

Entstehung des Dorfes

   

In der ersten Hälfte des 11. Jhdts. reicht das Großböhmische Reich bis direkt an die Donau. Herzog Bretislav versucht, dieses Reich noch zu erweitern und kommt dadurch mit Heinrich III. in Konflikt, was 1041/42 zum Krieg führt. Markgraf Adalbert von Österreich, der an der Seite des Kaisers gegen Bretislav zieht, geht mit einem Teil seiner Reisigen im Pulkautal ins Winterquartier, was zu den Namensgebungen in der Region führt. Er selbst richtet einen wahrscheinlich bestehenden Adelssitz als militärische Basis mit dem Namen Adalberno-Villa ein. Im folgenden Jahr wird der Böhmenherzog besiegt und die Grenze nach Norden an die Thaya verlegt, womit die zweite deutsche Besiedlung beginnt, die für den Schutz gegen Böhmen von eminenter Wichtigkeit ist. Die fremdsprachige Bevölkerung wandert ab oder geht im Laufe der Zeit in den deutschen Siedlern auf. Heinrich III. gründet die Mark im Pulkautal, auch Böhmische Mark genannt, mit Markgraf Adalbert als Verwalter. Nach seinem Tod 1055 geht die Mark 1066 in den Besitz seines Sohnes, Markgraf Ernst, über und ist seither Bestandteil Österreichs. Die Flurverfassung ist von der straffen Organisation der Grenzmark diktiert. Durch die eng aneinander liegenden Dörfer finden sich durchgehend ganz schmale, riemenartige Parzellen, die das Pulkautal kennzeichnen.

  

Kaum ist die Besiedlung abgeschlossen, fegt der erste todbringende Sturm über die Gegend. Die verlorene Schlacht bei Mailberg 1082 hat aber auch zur Folge, dass die Grenze an die heutige Stelle auf den Schatzbergen nach Süden verlegt wird.

Markgraf Leopold II., 1075 - 1095, der Enkel Markgraf Adalberts, im Besitz von Adalberno-Villa, heiratet Itha aus dem Pulkautal und gibt laut Göttweiger Saalbuch einem Adelolth den Gutshof Adalberno-Villa zum Lehen, der sich Adelberndorfer nennt. Vorstellbar ist auch, dass dieser Adelolth von Adelberndorfer ein Verwandter Ithas ist. Auch Huhn schreibt im Lexikon von Deutschland, dass Adalberndorf an der Pulkau einen eigenen Adel hatte. Durch den Krieg bei Mailberg 1082, ist das Land zum Teil entvölkert und Adelolth beginnt sofort neue Kolonisten durch günstige Angebote anzusiedeln, die dadurch ihre wirtschaftliche Lage verbessern wollen.

  

Fast jeder Bauer hat ein erbliches Nutzungsrecht am Hof und den dazugehörigen Grundstücken, was ihm nicht nur die Vererbung, sondern auch den Verkauf ermöglicht. Die Abgaben und Dienstleistungen an den Gutsherrn sind nach unseren heutigen Begriffen die Steuerleistungen. Diese sind fixiert und können nur bei Vorliegen besonderer Gründe geändert werden. Daneben gibt es den Adelshof der Alberdorfer Gutsherrn mit Unfreien als Hofarbeiter, die im Notfall als Kriegsleute, besonders hier im Grenzgebiet, dienen müssen. Adelolth aber findet es vorteilhaft, zur besseren Ausnutzung seiner Güter, einen Teil der Felder in kleineren Stücken den Dienstleuten gegen Zins und Robot zu überlassen. 

Diese schließen sich im Jahre 1100 mit den freien Bauern zum gemeinsamen Schutz auf einer Pulkauinsel zu einem Dorf zusammen, so dass man dieses Jahr als Gründungsjahr von Alberndorf betrachten kann.

Noch im selben Jahr 1100 ist dieser Adelolth von Adelberndorf in Kottes Zeuge bei einer Schenkung, lt. Geschichte des Stiftes Melk von Kaibling. Der Gutsherr hat über die Hofarbeiter das Hausrecht und behält auch bei der Dorfsiedlung noch eine große Macht über die Bewohner, da er immer Obereigentümer bleibt und sie jederzeit des Lehens entheben kann, wie auch das Gericht und die politische Verwaltung fast bis in unsere Zeit in seiner Hand bleiben. Da die Landnahme mit der kirchlichen Machtstellung Hand in Hand geht, wird Alberndorf 1108 der neugegründeten Pfarre Wullersdorf eingepfarrt und 1319, bei der Erstellung der Pfarre Haugsdorf, um den Menschen die Kirche näher zu bringen, dieser Pfarre zugeteilt. Beim Begräbnis Albrich von Adelberndorf zu Göttweig, im Jahre 1160, muss das Geschlecht bereits sehr begütert sein, da seine Witwe Petrissa der Abtei drei Lehen zu Norzendorf schenkt, wobei ihr Bruder Volchrat, Pilgrim von Grundorf, Hettilo von Adelberndorf, sowie Hugo und Pilgrim von Adelberndorf, Zeugen sind.

  

In der Zeit des Probstes Werner, um 1186, schenkt ein Albert von Horn, Ministerale und Dienstherr Herzog Leopold V. von Österreich, zwei Lehen zu Kreutzstetten an das Stift Klosterneuburg, wobei Wernhard de Alberndorf aus dem Dorfe bei Haugsdorf Zeuge ist. Eine neuerliche Besitzurkunde stammt vom 7. November 1257, wo Hugo von Sauerstetten zu Obernberg mit dem Passauer Bischof Otto von Lonsdorf (1254 - 1265) einen Vertrag über die Besitzungen zu Alberndorf abschließt, die der Bischof als ein durch den Tod des Rapoto von Schönborn, dem Schwiegervater des Hugo, dem Bistum Passau anheimgefallenes Lehen ansprach. Hugo behauptet dagegen, die Besitzungen würden ihm durch die Aufsendung Rapotos gehören. Dies anerkannte schließlich der Bischof auch und bewilligte, dass Hugo die Besitzungen behalten könne, davon aber nichts weiter verlehnen, verkaufen, versetzen oder sonst veräußern dürfe, außer zu seiner Auslösung, falls er einmal in Gefangenschaft geraten sollte.

Aus dieser Urkunde ist zu entnehmen, dass hundertfünfzig Jahre nach der Dorfgründung, nicht nur die Alberndorfer sondern bereits andere Besitzer hier aufscheinen.

Alberndorf ist in all den Jahren landesfürstlicher Besitz und seit dem 13. Jhdt. unter der Verwaltung der Burggrafen von Maidburg (Magdeburg) und Grafen zu Hardeck. In einer undatierten Urkunde zwischen 1308 und 1310 berichtet die herzogliche Kanzlei wie folgt: Herzog Friedrich der Schöne bekennt, das Graf Berthold zu Hardeck und dessen Hausfrau Grä-fin Wilbirg, das von ihm und dem Lande Österreich gehabte Gut, den Kirchhof, die Feste und den Markt zu Pulkau und alles was dazugehört und die Dörfer Senging. Leutzendorf, Alberndorf, Höflein und Schrems zurücknehme, und es ferner dem Grafen Berthold dem Jüngeren von Hardeck, seiner Frau Agnes und ihren beiden Erben leihe.

  

   

In einer Urkunde vom 7. Juli 1378 finden wir wieder einen Besitzerwechsel der Hardegger, in welcher sie einen Hof in Alberndorf mit 53 Jeuchart (Joch), darunter 2 Jeuchart bei der Mühle in Alberndorf, an Bauern verkaufen. In dieser Urkunde wird zum ersten mal eine Mühle in Alberndorf genannt. Graf Johann der Ältere von Hardegg stiftet am 26. Februar 1380 zu seinem Seelenheil und zu Ehren der Hl. Dreifaltigkeit, eine Anzahl von Messen, zu halten in der Klosterkirche zu Retz, wobei Alberndorf eine jährliche Rente von 3 Pfund und 24 Pfennigen an das Kloster zu zahlen hat. Durch die Hussiten geht diese Urkunde verloren, wird aber 1448 durch eine neue Stiftung bestätigt. Eine weitere Urkunde aus dem Jahre 1418 nennt Besitzungen der Hardegger in Alberndorf in den Rieden Albernthal, Tödtenhengst und Vogelsang, woraus sich das Alter unserer Riedenbezeichnungen ersehen lässt.

  

Am 26. Oktober 1435 überlassen die Hardegger, mit Bewilligung von Herzog Albrecht V., Alberndorfer Besitzungen an Meister Stephan Eckher und damit dem Convent der Johanniter in Mailberg. 1448 erfolgt eine neuerliche Veräußerung. Der Hof in der Stadt Retz mit seinen Zugehörigkeiten " ... mit sambt der zugehornung güllt zu Alberndorf ..." wird den Brüdern Oswald und Stephan Eitzinger überlassen, was am 12. Jänner 1449 vom Kaiser Friedrich IV. bestätigt wird. Von den Alberndorfern selbst existierte noch im vorigen Jhdt. in Wr. Neustadt ein Grabstein mit der unvollständigen Aufschrift: "An. Dom. 1475 Jar Suntag vor Martini ist gestorben der Edl. Hanns Alber...". Das Übrige war unleserlich. Vielleicht gehörte dieser Leichenstein einem Alberndorfer und wenn, dann wahrscheinlich dem letzten dieses Geschlechtes.

  

Dieser kurze Abriss der Besitzerverhältnisse lässt erkennen, wie mühsam und umfangreich eine geschlossene Übersicht aller Besitzverhältnisse wäre. So berichtet Dorsch in den Österreichischen Urbaren, dass bereits im 12. Jhdt. in der Gegend zwischen Retz und Markersdorf ansehnliche Weinpflanzungen bestehen. Wenn man sich vergegenwärtigt, dass der Weinbau durch die Jahrhunderte guten Gewinn bringt, so ist es nicht verwunderlich, dass die Rieden als Kapitalanlage und auch als Zahlungsmittel gesehen werden und daher oft ihre Besitzer wechseln. Wenn wir wieder auf die Besiedlung von 1100 zurückblicken, finden wir die Entstehung des Dorfes auf einer Pulkaubachinsel, wie es noch auf der Karte von 1772 erkennbar ist. Die Schlacht von Mailberg ist noch zu sehr in Erinnerung, so dass man auch die Natur mit in den Schutz des Dorfes einbezieht. Das Dorf selbst ist neben dem Bach noch mit einem Wehrzaun umgeben, wobei es nur zwei Ein- und Ausgänge gibt. Andere sind verboten. Alle nach außen grenzenden Besitzer haben auf ihrer Grundbreite den Zaun und den Bach zu erhalten. Auch darf kein "Stiegel" oder "Gattern" zum Übersteigen gemacht werden. In Friedenszeiten schützen die Zäune wenigstens vor Landstreichern und wilden Tieren. Der Name Friedzaun, wobei die Bedeutung auf Befriedung liegt, zeigt, dass im Dorfinneren ein hohes Maß an Sicherheit herrscht, den Rechtsanschauungen entsprechend. Daher wurde Friedensbruch im Dorf auch streng bestraft. Mit jedem gegen den Willen der Bewohner in das Dorf eindringenden Fremdling wird daher kurzer Prozess gemacht. Die Zäune sind zwar hoch und stark, übersteigen oder umwerfen ist daher kaum möglich und bei den Waffen dieser Zeit bieten sie auch einen gewissen Schutz. Wenn kleinere, unvollständig bewaffnete Feindgruppen angreifen, sind sie auch so gut wie sicher. Bei Angriffen einer größeren Anzahl von geschulten Kriegern ist der Ort jedoch verloren. Auch die Friedhöfe sind, wie der Name schon sagt, ebenfalls mit einem Zaun umgeben und genießen einen hohen Rechtsschutz. Sie sind Freistätten und Asyl, wo sich selbst Verbrecher eine Zeitlang geschützt aufhalten können. Diese lange gültigen Rechtsbegriffe sind im Sachsenspiegel, dem ältesten deutschen Rechtsbuch, welches zwischen den Jahren 1215 und 1235 entsteht, zusammengefasst. Außerdem haben die Bauern auch außerhalb des Dorfes Erdställe oder Wohnlöcher zum Schutz ihres Lebens angelegt, wo sie ihre tragbare Habe wie auch Lebensmittelvorräte bei kriegerischen Auseinandersetzungen verbergen. Diese Erdställe sind sicher als Vorläufer unserer heutigen Weinkeller anzusehen.

  

Die freien Bauern sinken jedoch bald in dieselbe gedrückte Stellung wie die Dienstleute herab, da sie infolge der häufigen Kriege und Unruhen stets die Opfer sind und die Aufwendungen der Gutsherrn zu tragen haben. Damit geraten sie oft in die Verschuldung des Adeligen, der ihnen schließlich den Grundbesitz abnimmt und sie so in die Unfreiheit drängt. In späteren Jahrhunderten bedienen sich die Adeligen auch der Juden, die den Geldverleih mit 73 Prozent in den Händen haben, um freieigenen Bauernbesitz lehenspflichtig zu machen. Die Rechtssprechung liegt nicht nur bei der Herrschaft, sondern auch aus dem Dorf werden Schöffen gewählt, die für die Urteilsfindung zuständig sind. Solange es keine Rechtsaufzeichnungen gibt, wird nach alten Gewohnheiten geurteilt. Nur bei schweren Delikten oder Uneinigkeiten tritt die Herrschaft als Rechtssprecher auf. Mit der Existenz von Gesetzesaufzeichnungen werden den Schöffen beim Bannteiding (Gerichtstag) Rechtsgelehrte der Herrschaft Althof Retz-Hardegg beigegeben. Der Bannteiding in Alberndorf hat eine Sonderstellung: Erstens, weil im Gegensatz zu den meisten anderen Dörfern der Gerichtstag nicht an ganz bestimmten Tagen abzuhalten ist, sondern jederzeit einberufen werden kann; Zweitens hat Alberndorf als einziger Ort nach einem Bannteiding das Recht einer dreitägigen Jagdfreiheit.

Da an diesen Tagen auch die Leistungen der Bauern an die Herrschaft abgehandelt werden, drängt Alberndorf sehr bald auf eine schriftliche Festhaltung dieser Leistungen, deren erste Aufzeichnungen bereits aus dem 14. Jhdt. stammen. Für ein Joch sind z.B. 30 Pfennig Steuer zu bezahlen. Diese festgesetzten Vorschriften werden vor jedem Bannteiding verlesen. Dadurch ist gleichzeitig auch ein gewisser Schutz gegenüber der Herrschaft gegeben. Zu diesem Akt ist natürlich der Rechtskundige der Herrschaft nötig. Die Teilnahme am Bannteiding ist daher für alle Dorfbewohner Verpflichtung. Ausbleiben wird mit Geldstrafen geahndet und ist nur entschuldbar, wenn Gottesgewalt vorliegt. Jeder Anwesende wird befragt, ob sein Hausnachbar anwesend ist. Mitbringen von Waffen und jede Störung ist bei Strafe verboten. Nur der Vertreter der Herrschaft und der Dorfrichter dürfen sitzen. Alle anderen, auch die vier aus dem Dorf gewählten Geschworenen, haben unbedeckten Hauptes zu stehen. Am Verhandlungstisch, dem Schrannen, sitzen der Vertreter der Herrschaft und der Ortsrichter, die vier Geschworenen stehen daneben, sowie zwei alte Bauern, die sogenannten Weisen, die die Aufgabe haben, die Verlesung durch den herrschaftlichen Rechtsgelehrten aus ihrer lang-jährigen Erfahrung auszubessern, wenn dieser unvollständige Texte wider gibt oder falsch zitiert. Sie haben auch das Recht zu sprechen und ihre Rechtsmeinung abzugeben. Die Gemeindevertreter müssen jedes Jahr ihre Würde zurücklegen und bei der Herrschaft erneut darum ansuchen, wie auch um bei einer Wiederwahl antreten zu dürfen. So hat die Obrigkeit immer willfährige Männer in der Gemeinde, die ihre Wünsche umsetzen, obwohl am Bannteiding selbst in der Regel ehrlich geurteilt wird, ob es nun Klagen und Beschwerden innerhalb der Gemeinde gibt oder sie gegen die Herrschaft gerichtet sind. Schuldeinklagen müssen aber drei Tage vor dem Gerichtstag eingebracht werden. Dieses Ortgericht dient aber auch dazu, landesfürstliche Erlasse und Gesetze zur Kenntnis zu bringen. Bis 1848 hat der Dorfrichter, die wichtigste und einflussreichste Person der Gemeinde, als deren Oberhaupt nicht nur für die Einhaltung von Recht und Gerechtigkeit zu sorgen, sondern auch die Aufbringung des Zehents und dessen Ablieferung zu betreiben. Nach Schluss der Verhandlung gehen die Männer mit dem herrschaftlichen Amtmann in das Wirtshaus. Ärmere, die sich dies nicht leisten können, haben zwei Pfennig zu bezahlen und dadurch die Freiheit, nach Hause zu gehen.

  


  

  

Inmitten der Schlachten

(Vom ersten großen Böhmeneinfall 1176 nach der Schlacht 

bei Mailberg bis zur Unterwerfung der Eitzinger 1486)

  

Trotz der ständigen Grenzstreitigkeiten und Grenzverletzungen der Böhmen mit den Österreichern im 12. Jhdt. ist Alberndorf davon kaum berührt. Vielleicht haben wir nur keine Aufzeichnungen, vielleicht ist es aber auch ein gewisses politisches Geschick der Adelberndorfer, bis dann 1176 König Sobieslav von Böhmen mit 60.000 Mann gegen Herzog Jasomirgott zieht, Znaim und Retz erobert und das Pulkautal verwüstet. Es dauert ein Jahr, bis Heinrich II. ein Heer beisammen hat und 1178 über Wullersdorf, den Griaweg, Markersdorf und Alberndorf nach Znaim zieht. Dass unser Dorf durch das Heer zu leiden hat bedarf wohl keiner näheren Schilderung. In Znaim stürzt der Herzog vom Pferd und bricht sich den Fuß. Am 13. Jänner, bevor der Feldzug zu Ende ist, stirbt er an den Folgen in Wien. Sein Sohn und Nachfolger Leopold V. erlangt Unterstützung durch den Kaiser Barbarossa, der die Streitigkeiten beendet und am Reichstag zu Eger 1179 die Grenzlinie endgültig festlegt, die in großen Zügen unserer heutigen Grenze gegen Tschechien entspricht.

  

Auch aus dem 13. Jhdt. ist uns nur sehr wenig überliefert. Die Bauern an der Grenze haben immer wieder durch die Einfälle aus dem Norden zu leiden. Auch der Willkür der Adeligen sind keine Grenzen gesetzt, da eine starke Hand fehlt. So ist es nicht verwunderlich, dass König Wenzel 1231 die Gelegenheit nützt und mit seinem Heer ins Weinviertel einfällt, Retz erobert und das Pulkautal verwüstet. 1278, bevor König Ottokar in der Schlacht bei Aspern sein Leben verliert, erobern die zu ihm ziehenden Polen vom 18. 7. bis 3. 8. Drosendorf, ziehen anschließend über die "Untere Hochstraße" durch das Pulkautal, wobei die Bevölkerung unglaubliches zu erdulden hat, nach Laa, wo sie am 5. 8. mit der Belagerung beginnen. 1242 sind es einmal nicht die Soldaten, die die Felder verwüsten, sondern Heuschreckenschwärme, welche die Ernte vernichten und eine Hungersnot auslösen. Die ärgste Hungersnot gibt es aber 1312, wo durch Kälteeinbrüche im Sommer und furchtbare Unwetter jegliche Frucht vernichtet wird, so dass viele Menschen Hungers sterben. Viele Felder können daher im nächsten Jahr nicht bestellt werden, da die Arbeitskräfte fehlen. So mancher Ritter ergreift das Räuberhandwerk um zu überleben. Das 14. Jhdt. ist eine einzige Folge von Belastungen. Zu den verwilderten Kriegshorden (Ritter und Söldner, die man im Augenblick nicht braucht), die die Bauern bedrängen, kommen Brände, Missernten und Heuschreckenschwärme, so dass Angst und Hunger zum Alltag wird. Die Zeit ab 1331 gehört zu den blutigsten, die unser Alberndorf gesehen hat. Die einzelnen Adeligen führen ohne die Zustimmung des Landesfürsten ihre privaten Händel mit dem Nachbarn aus. Daher kommt es auch zu ständigen Grenzkriegen mit Mord, Brand und Plünderungen zwischen den Kuenringern und den Johannitern Adeligen von Kunstadt, Neuhaus und vielen anderen, die hier ihr Süppchen kochen wollen. 

 

 

1331 führen die Böhmen einen Streifzug durch das Pulkautal und verüben viele Gräueltaten, wobei an die 400 Bauern hingemetzelt werden. Daraufhin schließt sich die adelige Ritterschaft der Region zusammen und vernichtet die Böhmen in einer Schlacht zwischen Haugsdorf und Obritz. Doch 1332 sind die Böhmen bereits wieder an der Pulkau, wo sie ein Blutbad anrichten, bevor sie bei Mailberg geschlagen werden, worauf sie die an sie von den Habsburgern verpfändeten Städte Weitra, Eggenburg, Rabensberg und Laa herausgeben müssen. Doch bereits 1335 kommen die Böhmen wieder ins Land und erobern Kadolz, Seefeld und Mailberg und plündern die Orte bis Haugsdorf. Nachdem die Böhmen im vergangenen Jahr verwüstend in unserem Gebiet hausten, kommen sie 1336 wieder, wo sie jedoch bei Mailberg neuerlich geschlagen werden. 1356 sind es aber österreichische Adelige, die sich Kriegsbeute in Böhmen erhoffen, worauf Markgraf Johann von Mähren sie vertreibt, ins Pulkautal eindringt, die Orte, darunter Alberndorf und Haugsdorf, plündert und brandschatzt. Am 24. April kommt es dann endlich zu einem Waffenstillstand und damit zum Abzug des Feindes.

  

Unter dem schwachen König Wenzel herrschen die böhmischen Adeligen wie Raubritter und dringen wie eine Landplage in Österreich ein, so dass es notwendig ist, die Grenze mit Soldaten zu sichern. Trotzdem dringen immer wieder einzelne Banden auch in Alberndorf ein und nehmen was ihnen in die Hände fällt. Jetzt werden auch die Bauern zum Wehrdienst herangezogen. Jeder zehnte Alberndorfer muss unter die Waffen und ist von den restlichen neun Bauern auszurüsten. Zu diesen vielen kriegerischen Leiden, die unser Dorf erdulden muss, kommt 1338 noch eine Heuschreckenplage, die drei Jahre andauert. Dazu Überschwemmungen und damit verbundene Ernteausfälle und Hungersnot.

Markgraf Karl von Mähren, der sich zu dieser Zeit in der Nähe unseres Ortes aufhält, berichtet, dass das mittlere Pulkautal von riesigen Heuschreckenschwärmen heimgesucht wird: Mit dem Sonnenaufgang weckt uns einer der Ritter mit dem Ruf: "Stehet auf oh Herr! Der Jüngste Tag ist da! Die ganze Welt ist voll Heuschrecken!" Wir stehen auf, steigen aufs Pferd und reiten mit großer Schnelligkeit über Alberndorf nach Pernersdorf. Die Länge der Wolke beträgt an die sieben Meilen. Die Breite vermögen wir nicht zu schätzen. Der Flug verursacht ein donnerähnliches Getöse und sie fliegen wie dichter Schnee, so dass die Sonne verfinstert ist. Ein unerträglicher Gestank geht von ihnen aus und sie sind auf ihrer Wanderung so vernichtend, dass das Land unter ihnen einer Wüste gleicht.

  

All diesen Unbillen nicht genug, bricht im August 1348 in Alberndorf die Pest aus und währt bis zum Herbst 1349. Der Tod fordert so viele Menschenleben, dass die Bauern in den Dörfern sehr dezimiert werden. Die Felder können daher nicht bearbeitet werden und viel Vieh läuft frei auf den Feldern herum. Man sollte glauben, das Dorf müsste einmal zur Ruhe kommen, doch Markwart Jodok von Mähren, der um die Jahrhundertwende den böhmischen König gefangen nimmt, verschärft die Situation noch mehr. Ein österreichisches Heer rückt gegen ihn vor, überschreitet bei Alberndorf die Grenze und bezieht bei Urbau ein Kriegslager. Markwart Jodok wieder lagert bei Znaim und versucht dies zu erobern, wo der Burghauptmann Hynek von Kunstad mit seiner Räuberbande herrscht. Jodok, der gegen zwei Seiten zu kämpfen hat, kann nicht verhindern, dass Hynek mit seiner Räuberbande die Gegend unsicher macht. Während die Österreicher und der Markwart sich in den Haaren liegen, gelingt es Hynek sogar, in den Jahren 1403 und 1404 seine Raubzüge bis nach Österreich auszudehnen, wobei Haugsdorf und Alberndorf zweimal in Flammen aufgehen. Erst als Herzog Albrecht IV. in Korneuburg vergiftet wird, kommt es zu einem Waffenstillstand mit Österreich. Damit hat Jodok den Rücken frei, kann Znaim erobern, womit für einige Monate in der Region Ruhe einkehrt.

  

Bereits 1405 fallen wieder böhmische Raubritter im Pulkautal ein, wieder müssen die Bauern diese Händel mit den österreichischen Adeligen ausbaden. 1407 sind viele Krieger entlassen, so dass es Johann von Lamber, genannt Sokol, leicht hat, ein Heer von Raubgesindel um sich zu scharen. Am 20. Mai erobert er durch einen Handstreich Laa und verwüstet und brandschatzt von hier aus das Pulkautal bis Zellerndorf. Wieder ist Alberndorf unter den Opfern. Die, im August durch Herzog Leopold versuchte Eroberung von Laa misslingt, worauf Sokol am 1. September in der Nähe von Alberndorf eine herzogliche Einheit besiegt und viele Soldaten gefangen nimmt. Kaum sind einige Jahre ohne wesentliche Zwischenfälle vergangen, errichten die Hussiten 1421 in der Nähe von Joslowitz einen Stützpunkt, von dem aus sie unser Tal heimsuchen. Im selben Jahr erlässt Herzog Albrecht V. eine Kriegsverordnung, wonach alle wehrfähigen Männer zwischen 16 und 70 Jahren zu Kriegsdiensten aufgeboten werden können. Die Männer aus Alberndorf und den umliegenden Dörfern werden ausgehoben und Ende Oktober der Hussitenherrschaft ein Ende gesetzt. Auf drei Jahre kehrt nun Frieden ins Tal ein. Viele der flüchtigen Eingezogenen kehren bei Einbruch der Kälte ins Dorf zurück, wofür sie allerdings Gefängnisstrafen zu verbüßen haben. Da die militärischen Ausgaben immer größeren Umfang annehmen, wird mit Verordnung vom 26. Nov. 1421 das erstemal eine Weingartensteuer eingehoben. Althof-Retz beruft noch im selben Jahr den Bannteiding in Alberndorf ein, um so rasch als möglich die neue Steuer einzuheben. Bereits im Februar kann der Dorfrichter die eingehobenen Gelder nach Althof-Retz abliefern.

  

1425 ist der Friede bereits wieder vorbei. Am 12. 11. sind die Hussiten mit über 100.000 Mann vor Retz. Dabei kommt ihr Anführer Swamberk ums Leben. Aus Rache werden nach der Eroberung der Stadt rund 6.000 Menschen, die sich hier aufhalten, erschlagen.

  

  

Mit Retz werden auch 30 Dörfer in der Umgebung geplündert und zerstört, darunter auch Alberndorf. Das Pulkautal muss zum zweitenmal die Schrecken dieser fanatischen Scharen über sich ergehen lassen. Am 26. März 1426 sind sie schon wieder in Österreich, wobei sie besiegt werden. Die Österreicher geben sich jedoch sofort der Plünderung hin, so dass sich die Hussiten sammeln können und die Österreicher voll-ständig aufreiben. 9.000 tote Österreicher bedecken den Kampfplatz. Danach versuchen sie wieder Retz zu erobern, was ihnen aber nicht gelingt, dafür verwüsten sie abermals das Pulkautal bis Mailberg und das Weinviertel bis nach Krems.

  

Die Aufgebotsanordnung Albrecht V. vom 28. April 1431, verpflichtet abermals die Bauernschaft für Kriegsdienste. Jeder zehnte aus der Bauernschaft hat Kriegsdienst zu leisten und die restlichen haben ihn auszurüsten mit: Armbrust, Spieß, Büchse, Eisenhut, Panzer, Blechhandschuh, Blei, einen Ladestock und 20 Zentner Verpflegung. Im selben Jahr kommt dann noch zur Weingartensteuer die Hussitensteuer dazu.

  

1432 dringen die Hussiten bis ins Marchfeld vor. Auf ihrem Rückmarsch über Immendorf und den Griaweg lagern sie in Alberndorf und Haugsdorf, bevor sie auf dem Weg nach Znaim von Leopold von Krayg besiegt werden. Nur schwer erholt sich dann das Tal von den fürchterlichen Verheerungen der letzten Jahre.

Kaum ist jedoch Ruhe eingekehrt versammelt der polnische Söldnerführer Pankraz böhmische, ungarische und deutsche Söldner um sich und plündert von 1444 bis 1450 zusammen mit österreichischen Raubrittern von der March aus den Norden Österreichs, durch das Pulkautal bis nach Zwettl ins Waldviertel. Diese jährliche Heimsuchung wird noch durch einen riesigen Brand ergänzt, der 1447 infolge der großen Dürre in den Bergfeldern ausbricht, sich die Hänge hinauffrisst, schließlich den Wald erreicht und einen großen Teil des Baumbestandes des Waldes auf dem Steinberg und auf dem Blickenberg vernichtet. 

  

Endlich sind die Räuberhorden bezwungen, bricht am 3. Juli 1459 der Krieg des Kaisers mit den Böhmen aus. Wieder marschieren böhmische Heere über die Grenze nach Süden und plündern unsere Orte. Den Kuenringern in Seefeld, wie auch den Eitzingern in Haugsdorf, gelingt es zwar, den Schaden zu begrenzen, doch nach dem Friedensschluss, am 2. Oktober auf der Donaubrücke in Wien, bricht das böhmische Heer nach Norden auf, marschiert über Wullersdorf und Immendorf nach Böhmen und plündert zum zweitenmal in diesem Jahr beim Rückzug unsere Dörfer.

  

  

Neun Jahre nach dem letzten Eindringen der Böhmen zieht am 3. Mai 1468 der von Friedrich IV. ins Land gerufene Ungarnkönig Mathias Corvinius durch das Pulkautal gegen die Böhmen. 1486, als Corvinius bereits seine Residenz nach Wien verlegt hat, hält der Norden noch immer zu den Fahnen Österreichs und verweigert sich dem Ungarnkönig; wie Allentsteig, Zwettl, Geras, Retz, Pernersdorf und Laa. Daraufhin zieht Mathias Corvinius im Sommer 1486 mit einem mächtigen Heer gegen den Norden. Nach der Eroberung von Laa am 30. Sept. geht es, unter Drangsalierungen der Bauern durch die Söldner, durch das Pulkautal, wo Pernersdorf erobert und die Burg der Eitzinger eingeebnet wird. Die ständigen Verwüstungen durch das Kriegsvolk ließen den Acker- und Weinbau, vor allem durch den Mangel an Arbeitskräften, dahinsiechen, so dass fast das ganze Jahrhundert hindurch die Hungersnot nicht abriss.

  


  

  

Die Türkenbelagerungen

(Die Zeit von der ersten Türkenbelagerung 1529 bis zur zweiten im Jahre 1683)

  

Das 16. Jhdt. geht in unserer Region als eines der friedlichsten ein. Lediglich, als im Jahre 1529 die Türken vor Wien stehen, kommen einige türkische Reiter scharen auch plündernd ins Pulkautal, wo sie unter anderem auch junge Mädchen in die Sklaverei entführen.  

 

  

Nachdem die Türkengefahr gebannt ist, kehrt für das restliche Jahrhundert Frieden ein. Durch die Großraumpolitik der Habsburger zieht der Krieg fortan aus unserem Tal. Vergessen kann man ihn jedoch nicht. Die Großmacht braucht mehr Soldaten als zuvor, weshalb der Bauer wieder herangezogen wird. Damit die Menschen aber nicht übermütig werden, bricht im Sommer 1541 im Pulkautal die Pest aus und verbreitet sich rasch über alle Dörfer. Zum Glück währt sie aber nicht lange und die Anzahl der Toten hält sich in Grenzen Die wirtschaftliche Lage hat sich nach den Unbillen des vergangenen Jahrhunderts so gebessert, dass sich hier im Weinbaugebiet eine besondere Sozialstruktur gebildet hat. Der wirtschaftliche Wohlstand hat sich so gehoben, dass man sich in den Kellern oder Gasthäusern zu fröhlichen Runden zusammenfindet. Mit Erlass von 1552 ist es daher an Sonn- und Feiertagen verboten, Gasthäuser und Keller vor der Hl. Messe zu besuchen.

  

Die Alberndorfer gehen zur Zeit nach Haugsdorf zur Kirche. Durch die günstige Konjunktur wegen des Weines beteiligen sich die Weinhauer auch nicht an den Bauernaufständen. Dazu kommt das gute Verhältnis der Kuenringer, Eitzinger, Wallner, Starhemberger, Johanniter und Melker zu den Bauern in Alberndorf. Die Hauer sind gesuchte Fachkräfte mit relativ hohen Löhnen, was sich auch auf die Bautätigkeit im Ort auswirkt. Die Weingärten sind eine Kapitalanlage, so dass nicht nur Adelige sondern auch das Bürgertum nach diesem Besitz strebt. Besonders im Jahre 1596 gibt es eine überaus reiche Weinernte, verbunden damit aber auch einen sehr günstigen Absatzmarkt, so dass die Preise enorm ansteigen, die wieder Höchstlohnsätze nach sich ziehen. Daher sieht sich Ferdinand I. gezwungen, ein Patent zu erlassen, in dem Höchstlöhne für Facharbeiter festgelegt werden. Da die Verordnung oft nicht eingehalten wird, werden endlich hohe Strafen für deren Überschreitung eingeführt. Auch die Adeligen der Burg Schleinz und Grafen von Ruckenstein haben in Alberndorf, wie aus einer Urkunde aus 1671 hervorgeht, Untertanen und Weingärten. Aus dem selben Jahr gibt es ein Dokument von Khevenhüllerschen Besitzungen, dessen Untertanen sich "Lempeln" nennen, woher auch die Flurbezeichnung "Lampeln" stammt.

  

Kaum ist das Jahrhundert des Friedens vorbei, stehen schon wieder Kriegswolken über dem Pulkautaler Himmel. Ungarische Aufständische, von den Türken unterstützt, überschreiten 1605 die österreichische Grenze und fallen über die tschechische Grenze ins Pulkautal ein, worauf in den Orten Haugsdorf, Alberndorf, Hadres und Seefeld die Kollonitzschen Reiter als Grenzschutz einquartiert werden. Sie bleiben über ein Jahr und richten soviel Unheil an, dass man hätte meinen können, der Feind selbst wäre im Quartier. Auch die Grenzstreitigkeiten unter den einzelnen Adeligen sind wieder ausgebrochen, welche viele Verwüstungen an die Grenze bringen. Vielfach wechseln Güter ihre Besitzer ohne entsprechende Aufzeichnungen. Letztlich werden zahlreiche Urkunden durch den Dreißig-jährigen Krieg von 1618 bis 1648 vernichtet, so dass aus dieser Zeit kaum Besitzverhältnisse dokumentiert werden können. Sicher ist aber, dass die Bewohner an der Grenze, infolge strategischer Planung, mit besonderen Privilegien ausgestattet sind.

  

Schon ein Jahr nach Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges ziehen feindliche Truppen durch das Tal. Viele Häuser werden ein Raub der Flammen. Bald sind die Dörfer von Böhmen bald von kaiserlichen Truppen besetzt und somit ausgebeutet. Mit den Soldaten kommt 1624 auch die Pest ins Dorf und fordert zahlreiche Tote. Trotz der ständigen Kriegswirren haben sich bis 1624 die Preise nicht wesentlich verändert. Daraus sieht man, dass die Besatzungen zwar die Bauern bedrängen und Kriegsopfer fordern, aber die landwirtschaftlichen Arbeiten und die Ernten nicht behindert werden. So kostet 1 Pfund Rindfleisch 4 Kreuzer wie früher, Schöpsernes 5 Kreuzer, Schweinernes 5 Kreuzer und Seife 15 Kreuzer. Der Hauerlohn für Männer kostet pro Tag 30 und für Frauen 20 Kreuzer. Die Leser hingegen nur 12 und die Buttenträger 15 Kreuzer, dazu aber ein Mittagsbrot. In den folgenden Jahren bricht die Fackel des Krieges mit voller Stärke über das Tal herein, so dass 1641 in Alberndorf 28 Häuser herrenlos sind. 40 Joch Ackerland und 53 Viertel Weingarten liegen brach, wie die Haugsdorfer Pfarrchronik berichtet. Über Preise und Arbeitslöhne wird nicht mehr berichtet, da zu diesem Zeitpunkt sicher der Großteil der Arbeit von Frauen zu verrichten ist, denn die Männer stehen unter Waffen. Trotzdem erfolgt 1642 eine letzte Rekrutierung, man ist versucht zu sagen, das "Letzte Aufgebot". Im Juni rekrutiert Wallenstein in Znaim Soldaten. Die Orte im Pulkautal haben für Verpflegung zu sorgen. Wachtmeister Johann Clement hat in Haugsdorf sein Quartier aufgeschlagen und beschlagnahmt von Ort zu Ort Proviant und alle noch vorhandenen Pferde, dabei werden die restlichen, noch vorhandenen Männer rekrutiert und nach Znaim abkommandiert.

  

Die Schwere des Krieges bekommt Alberndorf aber erst 1645 zu spüren. Nach der verlorenen Schlacht bei Jankau in Böhmen, fliehen die kaiserlichen Soldaten in geschlossenen Scharen nach Süden und plündern auch unseren Ort. Am 24. März kommen die nachfolgenden Schweden ins Pulkautal und besetzen die Dörfer. Die Bevölkerung wird zur Aufnahme von Besatzungssoldaten und zur Abgabe von Proviant und Kriegssteuer gezwungen. Die Soldaten wüten unter der Bevölkerung. An der Kreuzung zur Kellertrift brennt jede Nacht ein riesiges Lagerfeuer, wo die Besatzung ihre Feste feiert. Kein Wunder, dass durch Funkenflug die Dächer in Brand gesteckt werden und zahlreiche Häuser abbrennen. Es sind die ärgsten Ausschreitungen, die die Bevölkerung erlebt. Die Einwohner flüchten in die Wälder, um den Erpressungen, Misshandlungen oder dem Tod zu entgehen. Niemand, den die Schweden ergreifen können, wird verschont. Kein Wunder, dass ihr Andenken heute noch im Volk in schlechter Erinnerung ist. Im Oktober verlassen die Schweden das Land und Hauptmann Speth kommt in die Region und säubert die Gegend von den Lutheranern. Alberndorf ist, trotz Lutherahnischem Prediger in Haugsdorf, katholisch geblieben. Es werden in der Kapelle aber keine katholischen Gottesdienste abgehalten. Durch die ständigen Kriege hat auch die Moral sehr gelitten. Ein Bericht aus dem Jahre 1661 zeigt einen Erlass auf, wonach junge Leute nach dem Aveläuten nicht mehr spazieren gehen dürfen.

  

So wenige Dokumente aus dieser Zeit vorhanden sind, so gibt es doch einen Bericht aus dem Jahr 1640, der die Aufgaben eines Weingartenhüters beschreibt. Dieser hat einen Dieb dem Dorfrichter vorzuführen, der ihn zu einer Geldstrafe zu verurteilen, oder, bei größerem Missbrauch, der Herrschaft zu übergeben hat, wo Strafen bis zur Todesstrafe verhängt werden können. Die vom Dorfrichter verhängten Strafen, werden in der Regel am Bannteiding nochmals verhandelt und entweder bestätigt oder erhöht. Bei kleineren Diebstählen wird der Dieb an Ort und Stelle vom Hüter mit Stockschlägen bestraft. Der Hüter hat aber auch das Recht, die Bitte nach einer Traube zu erfüllen. Durch die starke Belastung mit den Kriegssteuern, die alle gleichmäßig trifft, ob eine Weingartenriede mehr oder weniger Ertrag bringen kann, gibt es bald Proteste wegen der ungleichen Belastungen. Noch während der Feind im Lande ist, kommt am 20. Juni 1646 das Patent heraus, in welchem die Weingärten im Viertel unter dem Manhartsberg in drei Güteklassen; 1. Gute Rieden; 2. Mittlere Rieden; und 3. Schlechtere Rieden, eingeteilt werden. Alberndorf fällt in die dritte Kategorie.

  

Kaum ist der Feind aus dem Land, beginnt man die Häuser wieder zu errichten. Dank der arbeitsamen Bevölkerung ist bald von den Kriegsspuren nicht mehr viel zu entdecken. Die guten Ernten und die Weinbauern tragen das ihre dazu bei. Da wird 1663 die Türkengefahr wieder akut. Alberndorf hat, wie die anderen Dörfer, Schanzarbeiter nach Retz zur Ausbesserung und Verstärkung der Stadtbefestigungen zu entsenden.

Es wäre verwunderlich, wenn nicht über das Volk, nach so langer Zeit ohne irgendwelche Unbillen, neues Unheil hereinbräche. 1678 kommt über Ungarn die Pest auch in unser Tal. Im Oktober bricht im Dorf die Pest aus und grassiert verheerend. 1679 rafft der Tod so viele Menschen dahin, dass ein großer Teil der Trauben nicht geerntet werden kann. Mit Einbruch der kalten Jahreszeit ist aber auch der "Schwarze Tod" vorbei.

  

Doch schon naht eine neue Gefahr. 1683 stehen die Türken vor Wien und im August kommen die Türken bei ihren Streifzügen bis ins Pulkautal. Die Bevölkerung sucht in den befestigten Dörfern Haugsdorf, Peigarten und Hadres Schutz, die ihre Orte mit Schanzen gegen die Türken versehen haben. Von Ende August bis Anfang September rückt König Sobieski mit seinem Heer über unser Tal zum Entsatz von Wien. Die Polen requirieren beim Hin- und Rückmarsch Lebensmittel und Futter, sowie Vieh und Wagen.

 

 

 


  

  

Von der Auflassung des Asylrechtes bis zur Aufklärung

   

Ende des 17. und Anfang des 18. Jhdts. ist infolge der Kriege das räuberische Unwesen im Viertel unter dem Manhartsberg zu einer richtigen Landplage geworden, unter der am meisten die Bauern zu leiden haben. Die Strolche sind gehasst aber nicht weniger gefürchtet. Werden sie von der Obrigkeit verfolgt, so gibt es kaum Hinweise aus der Bevölkerung. Denunzianten droht blutige Rache, dazu den Bauern die ein Haus haben, mindestens der "Rote Hahn" auf dem Dach. Endlich versucht man mit Patent vom 30. Oktober 1721, diesen Umtrieben zu begegnen. Zumindest setzt die Österreichische und Böhmische Hofkanzlei damit die Voraussetzung zur Aufräumung der Missstände. Die Freistätten in den Kirchen (z. B. Alberndorfer Kapelle), Friedhöfen und Klöstern werden aufgehoben. Damit haben die Unholde keine Heimstätten mehr und die Justiz die Möglichkeit, unbotsame Subjekte aus den Asylobjekten zu holen. Ein Exekutionschor wird aufgestellt und die Grenze nach Böhmen hermetisch abgeschlossen, so dass ein Entweichen nach Norden auch nicht mehr möglich ist. Auch in Alberndorf werden Hamiltonische Regimentsangehörige als Wachpatrouillen stationiert, dazu werden Männer aus der Bevölkerung zur Unterstützung der Exekutive rekrutiert. Alberndorf hat 5 Mann zur Bekämpfung des Zigeuner- und Räuberunwesens zu stellen. In der Regel ist es so, dass sich die Bauern oder ihre Söhne nicht der Rekrutierung stellen wollen, so bemüßigt man sich dazu die im Ort wohnenden Inleute. Wenn nun die auch nicht einrücken wollen, hat das Los zu entscheiden. Die von den fünf Eingezogenen abzustattende Fronarbeit ist ihnen nicht zu erlassen, sondern aufgeteilt von den Ortsbewohnern abzuleisten.

  

Jeder Verkehr zwischen den Orten, auch des Hinterlandes, kann nur mehr über Kontrollen von Soldaten oder des Bauernaufgebotes erfolgen. Bis Ende des Jahres ist die Gegend größtenteils von Gesindel gesäubert. Die fünf Burschen können daher den Winter wieder bei ihren Familien verbringen. Leider sind die juristischen Handlungen nicht besser als heute. So schreibt ein Zeitzeuge: "Man hat zwar Mann- und Weibspersonen in Landesgerichten eingeliefert, welche nach der Hand wieder auf freien Fuess gelassen worden... und solange diesem nicht vorgebogen wird, wird die ankehrende mühe und sorge guthen Teils vergebens seyn". Dementsprechend werden manche zwei- oder dreimal aufgegriffen, bis sie endlich aus dem Verkehr gezogen werden. Erst mit dem Patent Josef II. aus 1775, der gänzlichen Beseitigung des Asylrechtes, kann mit den Umtrieben endgültig aufgeräumt werden.

  

Die wirtschaftliche Situation der Weinregion war noch nie so gut wie jetzt. Der gute Absatz des Weines bedingt steigende Löhne für die Arbeit in den Weingärten, das wieder führt zu einer Zunahme der Bevölkerung und damit zum Anwachsen der Häuserzahl, vor allem der Kleinhäusler. Die Weinpreise ermöglichen auch die Erweiterung der Rebflächen, was wiederum vielen Menschen Arbeit und Einkommen schafft, womit die Gesindezahl der Bauern wächst und Inleuthäuser entstehen, wie z. B. die Hinterhäuser in der Herrengasse und neue Häuser in der Kirchengasse.

  

So werden 1701 die Aufrissen in Weingärten kultiviert. 1725 entstehen die Aussatzingen (Aussetzen), 1751 werden die Neurissen als Weingärten ausgesetzt (ehemalige Haiden werden umgebrochen und urbar gemacht und schließlich durch das Los verteilt). So sind unsere Flurnamen aus ihrer Entwicklung heraus entstanden wie: Brander - Durch Abbrennen von Strauch und Buschwerk gewonnenes Ackerland; Bruckfeld - Umgebrochenes Feld infolge der Brache, 1751 urkundlich erstmals erwähnt; Feldacker - 1430 Grundbesitz der Herrschaft, später in Lehen aufgeteilt; Haiden - Ursprünglich ein Grenzstreifen gegen Böhmen, später wird ein Teil davon aufgerissen und urbar gemacht; Neurissen - 1872 letzte Urbarmachung; Reinkohr - Ursprünglich eine Weide in einer Mulde; Sätzen (Satza) - Neu ausgepflanzte Weingärten; Schatz - bereits 1221 urkundlich erwähnt, Sembera meint, dass der Name von einem verschwundenen Ort stammt; Todtenmann - Dazu gibt es eine Volkserzählung, die den Namen der Auffindung eines Toten zugrundelegt, der Name selbst stammt aus der Zeit des 2. Jhdts.; Tettenhengsten (ursprgl. Tödtenhengsten) - Steile Kulturfläche, die eine Bearbeitung mit dem Pferd ausschließt; Kolchose - Ein ca. 45 ha großes, geschlossenes Weinbaugebiet, zu dem sich einige Bauern 1970 zusammenschließen. Durch den ständig zunehmenden Weinhandel werden auch die Straßen mehr benutzt, doch die zur Erhaltung eingehobenen Steuern fließen meist in andere Kanäle. Am 24. Mai 1724 wird daher ein Patent erlassen, welches in einem Circular dem Alberndorfer Richter zur Kenntnis gebracht wird, dass auf dem Alberndorfer Grenzübergang folgende Wegemaut einzuheben und für die Erhaltung der Straße zu verwenden ist: 

  

  • 2 Kreuzer für einen bespannten Wagen mit Pferd, Ochs oder sonstigem Zugtier 

  • 2 Kreuzer für ein Pferd, Maultier oder Hornvieh 

  • 3 Kreuzer für eine Fuhre Heu 

  • 1 Kreuzer je Schaf, Lamm, Schwein oder sonstiges geringes Vieh. 

  • Ausgenommen von der Verzollung ist der kaiserliche Hofstaat sowie das Militär. 

  • Mit Patent vom 24. Juli 1753 wird auch der Weinzoll auf 15 Kreuzer angehoben.

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    Wie wichtig der ungehinderte Straßenverkehr ist, zeigt die Anordnung mit allerhöchster Entschließung vom 10. Februar 1766, in welcher den Alberndorfern ein Teil der Reichsstraße zur Räumung und Freihaltung zugewiesen wird, nachdem ungewöhnlich starker Schneefall die Straße unpassierbar macht. Aus der Frömmigkeit der Bauern heraus und da die Kirchen relativ weit entfernt sind und auch zur Ermahnung entstehen an vielen Wegkreuzungen oder exponierten Stellen zahlreiche Bildstöcke, wie 1683 die Votivsäule an der Straßenbrücke zu Markersdorf, 1751 erfolgt die Einweihung der Statue des Hl. Nepomuk bei der Pulkaubachbrücke in die Kellertrift und 1794 lässt Stefan Engelsperger eine Gedenksäule in den Hofäckern errichten. Mit der Straßenerhaltung und -verbesserung wird auch das Postwesen reformiert. So wird 1750 in Jetzelsdorf eine eigene Poststation errichtet und Alberndorf, welches bis dahin zur Poststation Hollabrunn gehört, an Jetzelsdorf angeschlossen.

      

    Infolge des Erbfolgekrieges von 1741 bis 1748 überschreiten am 24. Februar 1742 die ersten Preußen die Grenze und rücken in die Orte ein, wo sie Quartier nehmen. Die einzelnen Dörfer werden zwar zu Abgaben gezwungen, aber im Heer herrscht Disziplin. Es kommt zu keinen Übergriffen an der Bevölkerung. Eineinhalb Wochen später, am 7. März, verlassen die Preußen wieder das Tal.

      

    Schon mit der Erstellung der Landtafelinstruktion vom 24. November 1758, merkt man auch bei den Bauern die Zeit der Aufklärung. Zum erstenmal werden Grundsteuerkataster auf der Grundlage des ländlichen Güldenbuches angelegt, das unserem heutigen Grundbuch mit der Parzellierung der Grundflächen ähnelt. Damit ist der Bauer gegenüber dem Grundherrn mit seinem Anwesen abgesichert und die, immer wieder erhobenen, Ansprüche verschiedener Gutsherrn auf Bauerngrund sind ausgeschlossen. Josef II. geht noch weiter. Er erlaubt den Weinbauern, mit Patent vom Februar 1789, ihren Wein selbst an das Publikum zu verkaufen und mit dem Steuerdekret vom 10. Februar 1789 schafft er de facto die Leibeigenschaft ab. Der Text in dieser Steuererklärung lautet wie folgt: "... Das Ziel des Staates muss es sein, ... dass sie ungehindert ihre Bürgerpflicht ausüben können. Dieses Ziel kann nie erreicht werden, wenn man die Bauern nicht von ihren Lasten befreit, oder sie ihnen erleichtert...". Die Leibeigenschaft selbst fällt jedoch erst im Jahre 1848.

      

    Um den Bauern aber auch die Hl. Messe näher zu bringen, wird 1785 auf Geheiß Josef II. die Kirche und der ebenerdige Pfarrhof errichtet. 1788 ist auch die Schule fertig. Alberndorf hatte vorher keine Trivialschule, dafür war Haugsdorf zuständig (näheres darüber in den dafür vorgesehenen Abschnitten).

     


      

      

    Aufbruch vom 19. ins 21. Jahrhundert

        

    Kaum sind einige Jahre des Friedens ins Land gezogen, marschieren vom 21. September bis 17. Oktober 1805 russische Truppen, von Mähren kommend, durch das Pulkautal in Richtung Krems, den Franzosen entgegen. Jedes Haus hat immer wieder Soldaten zur Übernachtung und Verpflegung aufzunehmen, was in vielen Fällen zu Übergriffen führt. Am 17. November besetzen die Franzosen bereits das Pulkautal. Die Keller und versperrten Türen werden aufgebrochen. Viel Wein geht zugrunde, da man, wie in einem Alberndorfer Keller, ein großes Fass mit einem Bajonett ansticht, einen Kübel mit Wein füllt und den Rest auslaufen lässt. Was einen Wert hat, wird fortgeführt. Der Großteil der Truppen zieht am 25. November aus Alberndorf ab. Der Rest jedoch erst am 27. Dezember, nach dem Friedensschluss von Pressburg. Alberndorf hat in diesem Krieg einen hohen Blutzoll zu bezahlen. Von den eingerückten Männern und Burschen überleben nur wenige das Schlachtfeld.

      

    Da für die Schanzarbeiten alles verfügbare Holz abzuliefern ist, entsteht im Winter 1805/1806 ein Mangel an Brennmaterial, was zu Holzdiebstählen im Wald führt, doch auch viele Obstbäume werden umgeschnitten und verheizt. Weil dies landesweit der Fall ist, wird vom Kreisamt Korneuburg am 2. April 1806 ein Circular veröffentlicht, welches die Gemeinden verpflichtet, eine gewisse Anzahl von Obstbäumen zu pflanzen. Um durch die vorgeschriebene Stückzahl nicht wertvolles Ackerland zu verschwenden, werden die Straßenränder dazu herangezogen.

      

    Noch ist allen die französische Besatzung in Erinnerung, schon nähert sich das französische Heer wieder dem Pulkautal. Zuvor hatten bereits alle Männer zwischen 18 und 45 Jahren, die bisher vom Wehrdienst befreit waren, zur Landwehr einzurücken. Der Dorfrichter erhielt jedoch von der Landesregierung die Weisung, jeder Familie, deren Mann eingerückt ist, täglich folgende Entschädigung zu bezahlen. Dem Weib des Kriegers drei Kreuzer und jedem seiner Kinder ebenfalls drei Kreuzer. Das Geld ist durch eine Kriegssteuer aus der Gemeinde aufzubringen.

      

    Am 9. Juli 1809 befindet sich das Hauptquartier der Österreicher noch in Guntersdorf. Auf den Nordhügeln des Pulkaubaches werden schon neue Frontlinien errichtet. Inzwischen tobt in Hollabrunn eine Schlacht, die in der Nacht auf den 10. Juli zu Ende geht. Noch am 9. wird der gesamte österreichische Tross nach Znaim verlegt, da die Franzosen bei Laa über die Thaya gehen und die Gefahr besteht, dass sie den Österreichern in den Rücken fallen. Ein Teil des 5. Armeekorps hält die Stellung nördlich der Pulkau, von Jetzelsdorf bis Obritz, bis zum Abend des 10 Juli, worauf sie sich in die Orte Kallendorf, Klein Tajax, Urbau und Neschetitz zurückziehen, um sich mit dem 2.Armeekorps zu vereinigen. Zum gleichen Zeitpunkt besetzen die Franzosen die Orte Jetzelsdorf, Haugsdorf, Alberndorf, Untermarkersdorf und Hadres. Damit ist ihr Vormarsch zum Stillstand gekommen, worauf am 11. Juli die Waffenstillstandsverhandlungen beginnen. Wieder wird alles, was die Besatzer habhaft werden können, gestohlen. Die Qualen und Demütigungen, welche besonders die Frauen erdulden müssen, kann man nicht beschreiben. Das Gros der Besatzer rückt zwar in den nächsten Tagen ab, aber zurückbleibende Truppen beherrschen die Dörfer bis 14. Oktober, dem Tag des Friedensschlusses von Znaim.

      

    Ein "Geschenk" lassen sie jedoch zurück, die Cholera, die zahlreiche Dorfbewohner dahinrafft. Eine Geisel, die in den Jahren 1831, 1832, 1834, 1836, 1855 und mit den Preußen 1866, wie auch 1872, wieder ihre Opfer fordert. Auch die Lagerfeuer, die die Franzosen überall im Dorf entzünden, richten immensen Schaden an, da durch den Funkenflug zahlreiche strohgedeckte Dächer Feuer fangen und so manches Haus bis auf die Grundmauern abbrennt. Diesem Umstand fallen in der Folge immer wieder Teile des Dorfes zum Opfer, wie zum Beispiel am 22. März 1822, als ein 11- jähriges Mädchen zündelt, wobei Feuer entsteht und zahlreiche Häuser abbrennen. Bereits am 9. April brennt es wieder, dabei werden 60 Häuser samt ihren Stallungen und Scheunen eingeäschert. Auch die Kirche und der Pfarrhof werden ein Raub der Flammen. Der daraus entstandene Schaden, nur für die Kirche, beläuft sich auf 108.000 Gulden. Am 11.April 1822 vernichtet ein Großbrand 64 Häuser und am 13. Juli desselben Jahres sind es 6 Häuser, wobei aber auch die Presshäuser der gesamten Kellertrift abbrennen. 1837 schlägt der Blitz im Haus Nr. 27 ein und wieder brennen 6 Häuser nieder. Am 17. Mai 1841 lodern gleichzeitig an drei Stellen des Dorfes die Flammen auf, so dass 70 Häuser vernichtet werden. 1857 gibt es einen bedeutenden Feldbrand, dem eine große Menge der Ernte zum Opfer fällt. Auch am 11. und 14. Mai brennt es wieder, wie auch am 16. Juni 1868, wobei bei letzterem Brand 35 Häuser dem Feuer zum Opfer fallen.

    Schweikhart schreibt zwar, dass 1830 bereits der größte Teil von Alberndorf mit Ziegeln gedeckt sei, dem kann aber wohl kaum Glauben geschenkt werden, sonst gäbe es in den darauffolgenden Jahren nicht diese vielen Brände mit den verheerenden Folgen. Schuld an diesen Bränden und deren Ausbreitung sind aber nicht nur die strohgedeckten Dächer, sondern vor allem das auf den Dachböden der Häuser und Stallungen gelagerte Heu, Stroh und Korn, das im Winter als guter Wärmeschutz dient, vor allem aber für die Stallhaltung eine Notwendigkeit darstellt.

    Als sich 1866 die Kunde verbreitet, dass sich die Preußen der österreichischen Grenze nähern, flüchten viel Bauern in die Wälder und ins Waldviertel, wo sie im Freien kampieren. Eingedenk der Besetzung durch die Franzosen, haben sie alles, was der Wagen fassen kann, mitgenommen.

       

    Am 14. Juli bezieht eine Abteilung des 10. K&K Husarenregiments Quartier in der Alberndorfer Schule. Die österreichische Kavallerie sichert die Gegend von Peigarten bis Seefeld zum Schutz der sich zurückziehenden Armee. Bereits am 15. Juli ziehen sich die Österreicher nach Guntersdorf zurück, die Preußen rücken noch am selben Tag nach und besetzen die Dörfer, wobei hohe Kriegssteuern zu entrichten sind. Die Preußen verhalten sich aber, im Gegensatz zu den Österreichern, diszipliniert und korrekt. Die Besetzung dauert nur kurz. Schon am 26. Juli dringen Radetzky-Husaren im Pulkautal ein, womit die Feinde nach Norden abziehen. Zurückgelassen haben die preußischen Truppen aber Cholera, Typhus und Ruhr. Die Ausplünderung der Dörfer durch die Preußen und auch der Österreicher, wie auch die im Frühjahr langanhaltende Frostperiode, die Korn und Wein vernichtet, verursachen eine Hungersnot, die weit in das nächste Jahr hinein reicht. Auf Nr. 19 wohnt der Wundarzt und Geburtshelfer Franz Korneisl, der in dieser Zeit der Epidemie fast unmenschliches leistet, sich aber selber auch ansteckt und 1867 stirbt. Die Bäuerinnen schenken ihm oft nicht ihr Vertrauen, sondern eher einem alten Weib, das "Ansprechen" kann, Tätigkeiten wie bei unseren heidnischen Vorfahren. Sie macht vor dem Kranken bestimmte Zeichen und nimmt an ihm besondere Handlungen vor, murmelt dabei eine bestimmte Anzahl von Gebeten oder verordnet, sie zu sprechen. Oft legt sie auch Spinnweben über die Wunden und wäscht dem Kranken den Mund mit Urin aus.

      

    Die Menschen kommen nicht zur Ruhe. Kaum sind diese Heimsuchungen vorüber, kommen in den nächsten Jahren Unwetter und Überschwemmungen. Letztendlich in den achtziger Jahren die Reblaus. Laut Amtsblatt vom 29. April 1890 ist eine Kommission zur Bekämpfung der Reblaus zu wählen, die in Alberndorf auch noch im selben Jahr zusammentritt, jedoch keine zielführenden Maßnahmen ergreift. 1890 wird in den Bergen auch das erste Auftreten der Peranospora festgestellt und 1891 bereits mit Kupfervitriol bekämpft. Da sich aber nur wenige Bauern daran beteiligen, kann sich diese Rebenkrankheit rasch ausbreiten. Erst 1898, als alle Weingärten davon betroffen sind, setzen gezielte Maßnahmen zur Bekämpfung ein. Doch erst 1901 wird die Reblausbekämpfung mittels Schwefelkohlenstoff allgemein durchgeführt. Auch Wetterhäuschen zum Hagelschießen werden in diesem Jahr zum erstenmal aufgestellt.

      

    Trotz des, von Josef II. eingeleiteten Umdenkprozesses, wird die Landesgerichtsbarkeit noch immer von der Herrschaft ausgeübt. Zwar gehen schon viele Impulse vom Kreisamt in Korneuburg aus, wie zum Beispiel: Die Verordnung vom 29. 12. 1804, mit welcher der Lehrling vor der Gesellenprüfung eine religiöse Prüfung vor dem Ortspfarrer abzulegen hat; das Strafschulgesetz vom 19. 5. 1824, mit welchem der Lehrer die Abwesenheit der Schüler aufzuzeichnen hat, was vom Pfarrer zu prüfen ist, wonach die Eltern für die Abwesenheit ihrer Kinder Strafe zu zahlen haben; die Festsetzung der Ausgabestelle von Pflegegeld für Findelkinder vom 31. 10. 1829 (für Alberndorf erfolgt dies in Hadres); oder die Einrichtung von Impf und Sanitätsbezirken, vom 12. 6. 1838, was auf dem Gesundheitssektor ein enormer Fortschritt ist. Die Einhaltung und Bestrafung für Übergriffe liegt aber weiter, über dem Ortsrichter, bei der Herrschaft Retz, die die Landes-, die Orts- und Conscriptions - Obrigkeit bis 1848 ausübt. Durch die Ereignisse von 1848 in Wien werden auch die Bauern verunsichert, so dass der Alberndorfer Ortsrichter am 24. Juni ein Schreiben an die Herrschaft richtet, dass er den eingehobenen Zehent, erst nach der entsprechenden Regelung im österreichischen Reichstag, abliefern werde. Bereits am 7. Juni erhält der Dorfrichter vom Kreisamt Korneuburg ein Circular mit dem Auftrag, dass die Wahlberechtigten der 1135 Seelen zählenden Gemeinde Alberndorf am 17. Juni in Laa die Wahlmänner für den Österreichischen Reichstag zu wählen haben. Tatsächlich fahren aber nur einige der Wahlberechtigten zur Stimmabgabe nach Laa.

      

    Am 7. September 1848 ist es endlich soweit. Kaiser Ferdinand I. von Österreich bestätigt mit einem Patent, den Beschluss des Österreichischen Reichstages: Aufhebung der Leibeigenschaft; Aufhebung von Robot; Sicherung des bäuerlichen Grundbesitzes gegenüber dem Adel.

    Der Ortsrichter heißt ab jetzt Bürgermeister und ist nicht mehr der Herrschaft verpflichtet. Die Gemeinderatswahlordnung erscheint am 9. 3. 1850 und noch im selben Jahr erfolgt die erste Bürgermeisterwahl in Alberndorf. Leider gibt es über die erste Gemeinderatswahl im Jahre 1850 weder im Niederösterreichischen Amtkalender noch in den Gemeinderatsprotokollen entsprechende Aufzeichnungen. Die erste Wahl, über die uns berichtet wird, ist 1865, in der Paul Ernst zum Bürgermeister gewählt wird, sowie vier Gemeinderäte: Josef Seidl, Vinzenz Weinwurm, Leopold Schneider und Johann Spanner, dazu 15 Mitglieder des Gemeindeausschusses: Gemeindesekretär, Schriftführer, Gemeindediener, Mesner, Totengräber, Ortspolizisten, Nachtwächter, Gemeindehirte, Stierhalter, Weingartenhüter, Briefträger, Schuldiener, Schulrat, Armenrat und Sanitätspolizei.

    Damit hat die Gemeinde aber auch für deren Kosten aufzukommen, wie für den Gemeindediener und Schriftführer - 25 Gulden; Schuldiener - 50 Gulden; Nachtwächter - 130 Gulden. Auch die anderen Ausschussmitglieder sind zu bezahlen. Dazu kommen noch die Kosten für die Armenbetreuung mit 400 Gulden, die Erhaltung der Schule, der Straßen und der Brücken, die Gemeindefeuer gegen Weingartenfröste, Rekrutentransporte, Schreibspesen, Reichs- und Landesgesetzblätter, Zimentierungskosten, Kosten für Schubhaft, Krankenhauskosten für Arme, Schulheizung, Gehalt des Bürgermeisters wie des Chordienstes in der Kirche usw. Aufgaben, die früher zum Teil der Herrschaft oblagen, werden jetzt von der Gemeinde übernommen, so werden nun auch die früher an die Herrschaft abzuführenden Abgaben von der Gemeinde eingehoben. Die sich daraus ergebende finanziell triste Situation verleitet 1851 auch einige Dorfbewohner zur Auswanderung. Der ungarische Magnat und Gutsbesitzer Erbeck lässt bekannt machen, dass er zwischen Donau und Theiß deutschen Siedlern zu geringem Preis Ackerland anbiete, um dort eine deutsche Siedlung zu errichten. Diesem Aufruf folgen mährische und auch österreichische Familien. Darunter sind auch vier Familien aus Alberndorf, nämlich Ignaz Schreiber mit vier Kindern, Ignaz Veit mit fünf Kindern und Jakob Hanold mit drei Kindern. Nachdem alle ihre Grundstücke verkauft haben, wie auch Michael Springer, überlegt sich dieser die Fahrt ins Ungewisse und bleibt zurück.

     

    Doch statt des gelobten Landes finden die Auswanderer eine ungebrochene Steppe, die erst urbar gemacht werden muss. Nach zwei Jahren harter Arbeit in der Pussta sind die Mittel aufgebraucht, so dass Ignaz Veit mit seinen Kindern in erbärmlichen Zustand wieder in die Heimat zurückkehrt. Die Ausharrenden wenden sich an den Kaiser, der ihnen bei Mezchegis Ackerland mit zehnjähriger Steuerfreiheit schenkt, wo diese dann den Ort "Neu Berg" gründen. Wie schwierig sich die neue Gemeindeverwaltung darstellt und wie unzufrieden die Bevölkerung mit der Handhabung der Gemeindeführung ist, zeigt sich, dass jedes Mal nach Ende einer Legislaturperiode ein neuer Bürgermeister gewählt wird, da man hofft, der Neugewählte werde es besser machen. Einen großen Rückschlag erfährt die Gemeinde auch durch die Einquartierungen und Kriegszahlungen im Preußenkrieg 1866 und der anschließenden Hungersnot, die die Gemeindekasse leer fegen und auf Jahre verschulden. Erst 1877, mit dem Bürgermeister Rudolf Ernst, der die Gemeindegeschäfte hervorragend führt und die Geschäftsgebarung wieder in Ordnung bringt, ist die Gemeinde über eine Legislaturperiode hinaus in einer Hand. 

     

    Der Bau der Eisenbahn von Zellerndorf nach Laa erfolgt von 1873 bis 1881, wobei der Bürgermeister erreicht, dass der Zug bei Bedarf in Alberndorf anhält. Eine Haltestelle erhält der Ort aber erst im Jahre 1907 nach einem Ansuchen bei den Staatseisenbahnen. Die dazugehörige Wartehalle wird aber erst 1909 errichtet. Der Bau der Bahn und die dabei eingesetzten Arbeiter aus dem Dorfverband tragen natürlich viel zur Konsolidierung des Gemeindebudgets bei. Damit beginnt auch ein neuer Aufschwung in der Gemeinde. Die Gemeindekasse ist voll, so dass man sich für den Gemeindediener eine Uniform leistet. Straßen, Brücken, Wege und Stege werden ausgebessert oder neu gebaut. Vor allem aber wird die alte Schule abgerissen und der Zeit entsprechend ein einstöckiges Schulgebäude errichtet. 

      

    1889 bis 1893 wird die Hutweide auf dem Heidberg mit Akazien (Robinien) bepflanzt, nachdem die Schafzucht immer mehr abgenommen hat. 1893 wird im Schatzfeld ein Brunnen gegraben, 1898 der Brunnen am Berg. 1919 werden beide Brunnen in Galgenbrunnen umgebaut. Bisher war es notwendig, dass man sich Plutzer mit Wasser mitgenommen hat - ab nun beherbergt er nur mehr den Haustrunk. In der Folge werden weitere Brunnen errichtet, und zwar 1905 ein Radbrunnen in der Trift und 1927 ein Brunnen am Friedhof, wobei der Lehrer Johann Seidl als Wünschelrutengänger die unterirdischen Quellen ausfindig macht. Nach dem 2. Weltkrieg ist es notwendig, die Brunnen im Friedhof, beim Bach und in der Trift zu reparieren, da während des Krieges kaum Erhaltungsarbeiten durchgeführt werden und die Besatzungssoldaten noch ein Übriges zum desolaten Zustand beitragen. Der Gemeindebrunnen wird 1953 mit einer elektrischen Pumpe ausgestattet. Der letzte Brunnen wird 1963 in der Kellertrift, beim Haus Nr. 199 errichtet.

    Um den Weingartenschädlingen zu begegnen wird 1884 eine amerikanische Rebschule errichtet. Damit ist im Ort der erste Zweckverband gegründet, dem weitere folgen. 1899 die Milchgenossenschaft mit einer Eisgrube zu Milchkühlung und 1902 der Bau einer eigenen Milchkammer am Anfang der Kellertrift, denn bisher musste man die Milch nach Haugsdorf liefern. 1898 war die Gründung der Wassergenossenschaft und 1910 erfolgt die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr. Auch die Armenfürsorge geht aus der Hand der Pfarre in die Obliegenheit der Gemeinde über. So werden zum Beispiel, im Dorfverband lebende Arme durch eine von Haus zu Haus-Verpflegung sozial unterstützt und versorgt. Daher erfolgt eine Neuaufnahme nur über eine Abstimmung im Gemeinderat, denn die Gemeinde ist für jeden im Dorfverband verantwortlich. Doch mit Gesetz vom 1. 2. 1895 geht diese Aufgabe, alte und gebrechliche Personen, wie auch Arbeitsunfähige und Witwen zu unterstützen, von der Gemeinde an den NÖ Landesarmenfonds über.

      


      

      

    Kriminalstatistik

       

    Nachdem 1848 die adelige Vorherrschaft wegfällt, legen die Bauern oft strengere Regeln in gesetzlichen Dingen an als zuvor, so dass die sozialen Unterschiede immer deutlicher zum Vorschein treten und oft zu großen Spannungen innerhalb des Dorfes führen. Neid und Habgier blühen. Dazu kommen die neuen wirtschaftlichen Möglichkeiten, die so mancher überschätzt und sich dadurch ins Unglück bringt. Vielfach löst schließlich der Wein die nötigen Hemmungen in der scheinbaren Aussichtslosigkeit in eine Verzweiflungstat. So erstach am 13. Jänner 1859 Ferdinand Veith in trunkenem Zustand seinen Sohn Josef, als er erfuhr, dass dieser ohne sein Wissen den Wein verkauft hat. Nach Ablauf einer dreijährigen Kerkerstrafe kommt er nach Alberndorf zurück, wohnt fortan in der Kammer eines Freundes, da sich seine Frau mit seinen beiden Söhnen von ihm getrennt hat. Eines Morgens wird er, von Blut triefend, erhängt in seiner Kammer aufgefunden. Kurz darauf verhaftet man seine beiden Söhne als Täter und verurteilt sie zu mehreren Monaten Kerker. 1864 treiben ausweglose Schulden Johann Proisl zum Freitod durch den Strang. Dann, zwei Jahre später, am 1.April 1866, führt die Habgier zu einem schrecklichen Verbrechen. Im Hohlweg des Gemärkes zwischen Alberndorf und Untermarkersdorf, am Fuße des Steinberges, wird ein Bäckerjunge ermordet aufgefunden. Die Nachforschungen ergeben, dass er mit dem achtzehnjährigen Ignaz Veit aus Alberndorf, zu Fuß aus Wien kommend, noch am Vormittag beim Bäcker in Immendorf Brot kaufte. Veit ist flüchtig, wird aber nach einigen Tagen in Wien aufgegriffen, wo er nach längerem Leugnen, die Tat gesteht. 18 Jahre schweren Kerker lautet das Urteil wegen Raubmordes. Nach Verbüßung seiner Strafe kommt er nach Alberndorf zurück, verheiratet sich und lebt ferner zurückgezogen in einer unansehnlichen Hütte außerhalb des Dorfes.

      

    Die Kirtage sind immer Zentralpunkte von Gewalttätigkeiten. Auslösender Moment ist in meisten Fällen der Alkohol. Auch am Kirtag des 9.August 1868 ist es wieder soweit; Lorenz Bauer kommt mit Burschen aus Haugsdorf in Streit, der in Tätigkeiten ausartet. Am Ende liegt Lorenz mit mehreren Messerstichen am Boden und stirbt am 11.August.

      

    Der Kirtag 1870 kostet dem J. Schlosser das Leben, nachdem er in betrunkenem Zustand von Burschen heimgebracht und im Ziegenstall abgelegt worden ist. Am nächsten Tag wird er tot aufgefunden, doch kann niemand als Täter ausgeforscht werden.

      

    Im Jänner 1871 wird an der achtzigjährigen Magdalena Puchwein ein Raub verübt. Die Täter dringen nachts in die Stube ein, halten sie fest und rauben ihre Ersparnisse unter dem Strohsack. Bei der Gegenwehr zerkratzt die alte Frau das Gesicht eines Räubers. Der Verdacht fällt auf ihren Hausherrn L. Gogl, welcher zufällig einen Kratzer im Gesicht aufweist. Außerdem stellt sich heraus, dass er, ohne Wissen der Frau Puchwein, im Besitz eines Sparkassenbuches mit einer Einlage von 700 Gulden ist. Gogl wird verhaftet und die Untersuchung eingeleitet. Nach einem Jahr kommt man dann den wirklichen Tätern auf die Spur. Es ist Steffan, der Sohn von Johann Schlosser und der Inwohner Leopold Rohrer, ein übel beleumundetes Subjekt. Ein in Wien lebender Freund von den beiden, dem sie 400 Gulden zur Aufbewahrung geben, um sie nach und nach abzuholen, zeigt sie an, nachdem er von dem Raub erfahren hat. Beide werden zu zwanzig Jahren Haft verurteilt, sterben aber bereits nach einigen Jahren in der Haftanstalt. Gogl, welcher wegen Betruges verurteilt wird, kehrt nach zwei Jahren Haft nach Alberndorf zurück. Lambert Glanz findet man am 13. Mai 1878 tot auf dem in Bau befindlichen Bahnkörper in der Nähe der Alberndorfer Mühle. Dem in Verdacht stehenden Ernst Weitschacher kann man diese Tat aber nicht nachweisen. Bald darauf rückt dieser freiwillig zum Dragoner-Regiment Nr. 13 ein und ertränkt sich noch im selben Jahr in der Salzach. Im Jahr 1880 stirbt Leopold Ochs, der wegen Raufhandels zu 6 Monaten Haft verurteilt ist, nachdem er bereits 4 Monate abgesessen hat, in der Strafanstalt von Göllersdorf. Josef Bauer erschlägt 1881, während eines Streites, den sechzigjährigen Wirtschaftsbesitzer Josef Wintermeier mit einem Torflügel. Da beide betrunken waren, fällt die Strafe mit 5 Jahren Haft sehr milde aus. Durch freiwillige Einzelhaft und wegen guter Führung wird Bauer bereits nach 3 Jahren entlassen, stirbt aber auf der Heimfahrt. Durch Überschätzung seiner Möglichkeiten gerät Johann Zottl zu einem übermäßigen Schuldenberg, aus dem er, am 30. August 1893, nur mehr den letzten Ausweg durch Erhängen in seinem Presshaus sieht. Im Juni 1896 verübt Konrad Weinwurm jun. dieselbe Tat am Dachboden des Presshauses seines Vaters, nachdem er seine Gastwirtschaft in Wien abgewirtschaftet hat. Damit geht eine Epoche der Kriminalität und Spekulationen zu Ende. In vielen Fällen kann aber der in Haugsdorf gegründete Landwirtschaftliche Bezirksverein hilfreich eingreifen und vor dem Schlimmsten bewahren.

      


       

      

    Die Zeit der Vereine und Genossenschaften

       

    Viel ist in dieser Zeit von der Gemeinde zu leisten, um der Armut und damit auch der Kriminalität zu begegnen. So wurde zum Beispiel bereits 1891 um 2.186 Gulden ein Armenhaus gebaut. Im selben Jahr werden 3 Kinder weggelegt und als Findelkinder an Bauern mit einem Monatsunterhalt von 5 Gulden zur Erziehung übergeben. Im darauffolgenden Jahr sieht sich die Gemeinde genötigt, im Gemeindehaus eine Arrestzelle wie auch ein Notspital zu errichten. Noch im Jahre 1900 macht der Nachtwächter seine Runden durch das Dorf, wobei im Sommer von 22 Uhr bis 2 Uhr und im Winter von 21 Uhr bis 2 Uhr sein Nachtwächterruf zu erfolgen hat. 1901 wird dem Nachtwächter auch das Polizeiamt übertragen und damit die Aufsicht über den Gemeindearrest. Noch 1911 werden im Ortsgebiet 4 zusätzliche Laternen aufgestellt, die der Gemeindediener als Laternenanzünder betreuen muss, in dem er diese Aufgabe von Oktober bis März zu erfüllen hat und in sehr finsteren Nächten, die Laternen die ganze Nacht zu brennen haben. 1903 wird der Krankenunterstützungs- und Leichenkostenverein gegründet, was für diese Zeit eine in die Zukunft weisende Tat darstellt. Auch die vielen neuen Institutionen der Gemeinde, in die viele Bürger eingebunden sind, bringen allmählich eine positive soziale Entwicklung. So entsteht 1898 die Wassergenossenschaft, die sich 1913 der Pulkautaler Wasserleitungsgesellschaft anschließt, aus der schließlich nichts wird, da die Bevölkerung noch nicht reif genug dafür ist. Für das allgemeine Wetterschießen wird auch in Alberndorf auf den Schatzbergen 1901 ein Pulverturm errichtet und zur Schädlingsbekämpfung in den Weingärten drei Schwefelkohlenstoffapparate angekauft. Mit der Errichtung des Treibhauses 1904 und den Weinveredelungen auf amerikanischen Unterlagen, hofft man, den Schädlingen erfolgreich zu begegnen.

      

    Auch dem Weingartenhüter in den Bergen, der bisher bei schlechtem Wetter in den verschiedenen privaten Weingartenhütten Unterschlupf suchen musste, wird 1907 im Tettenhengst eine Hüterhütte gebaut. 1925 erhält er eine gemauerte Weingartenhütte auf dem Berg. Eine besondere Kuriosität - ein Jahr vorher scheint in den Abrechnungen der Gemeinde noch ein bezahlter Gänsehirte auf, sowie zwei Gemeindeziegenböcke zur Deckung.

    1901 beschließt man, ein Zeughaus zu errichten und eine Feuerspritze anzukaufen. Letztendlich fehlt aber dazu das Geld, so dass erst 1910 von den späteren Bürgermeistern Josef Seidl, Franz Rain und Johann Spanner, sowie vom Tischlermeister Ignaz Zottl und dem Lehrer Johann Seidl, die Freiwillige Feuerwehr gegründet wird. Im Jahre 1911 wird in der Nähe der Milchgenossenschaft und der 1907 errichteten Brückenwaage, das Feuerwehrhaus gebaut. Das Material wird von der Gemeinde bezahlt und die Arbeiten von den Feuerwehrmännern verrichtet. Auch der Anschluss an den Feuerwehrverband und die damit verbundene gegenseitige Hilfe, erfolgt gleichzeitig. In dieser Zeit entsteht auch die Hagel- und Brandschadenversicherung, die Raiffeisen, die Winterschule, der Bauernbündler mit dem Bauernkalender und am 1. 1. 1914 tritt die Gemeinde dem Weinbauverein bei. Aus dem Kirchenchor wird ein Musikverein mit einer kleinen Kapelle, der sich, wie der Kegelverein, im Gasthaus Glanz konstituiert. 1913 eröffnet Kautz über der Pulkau einen Gasthausgarten, der mit einem Steg verbunden ist. 1931 pachtet Glanz von der Gemeinde einen Acker über der Pulkau auf 30 Jahre und errichtet hier ebenfalls einen Garten, den er mit Kastanienbäumen bepflanzt. Den Namen Weinwurm erhält das Lokal durch die Heirat der Tochter Maria mit dem Karl Weinwurm. Heute gelangt man über das zugeschüttete, ehemalige Bett der Pulkau in den Gastgarten mit den alten, schönen Kastanienbäumen.

      


       

      

    Der Erste Weltkrieg

       

    Der Kriegsausbruch wird, wie in vielen Gemeinden, mit Begeisterung aufgenommen und die ersten Freiwilligen in einer Feier verabschiedet. Noch im selben Jahr wird die Gemeinde verpflichtet, in der Schule für eventuelle Fälle ein Notspital einzurichten. 

      

    Schon im Winter 1914/1915 setzt die erste Ernüchterung ein, als zu Sammlungen für die Soldaten an der Front aufgerufen wird. Von der Gemeinde wird Wolle angekauft, die von den größeren Schülern und den Bäuerinnen verarbeitet wird. So entstehen: 20 Schneehauben, 20 Paar Socken, 20 Pulswärmer, 26 Paar Wadenstutzen und 28 Paar Handschuhe. Außerdem werden gesammelt: 1.825 Stück Bäckereien, 1.035 Stück Zigaretten, 270 Zigarren, 92 Stück Schokolade, 2 Säcke Nüsse, 3 Pakete Dörrobst, sowie Zucker, Kaffee, Tee, Rum, Seife und vieles andere. Für das Rote Kreuz und den Witwen- und Waisenfond wird Geld gesammelt, um das Leid der Hinterbliebenen zu lindern. Gegen Ende des Krieges sind es Brennnessel, die zur Erzeugung von Stoffen gesammelt werden, sowie Heilkräuter zur Tee- und Arzneibereitung. Die Lebensmittel sind bereits seit 1915 rationiert. Im Juli 1915 muss die Gemeinde Getreide, im Dezember Kartoffeln an die Sammelstelle in Hollabrunn abliefern und im November, wie bereits im Vorjahr, Wäsche für die Soldaten an der Front.

      

    Durch die ständige Kriegspropaganda wird das Volk immer wieder zu neuen Opfern angespornt. Im Mai 1916 zeichnet die Gemeinde die riesige Summe von 50.000 Kronen Kriegsanleihe. Auch im Dezember wird wieder zur Zeichnung aufgerufen, wie auch im Juni und November 1917. Je länger der Krieg währt, desto drückender wird die Not der Armen. Um der ärgsten Not zu entgehen werden nach der Ernte die Felder nach Ähren abgesucht. Bald, wo jede Hand als Arbeitskraft gebraucht wird, fragt niemand mehr nach Herkunft oder Besitz. Nun kommen auch Kriegsgefangene in das Dorf, um den Mangel an Arbeitskräften im Feld und in den Weingärten auszugleichen. Ab April 1918 muss sogar das Brot mit der Ausgabe von Brotmarken rationiert werden. Noch schlimmer wird es nach Kriegsende. Kaum ist der Krieg vorbei, dringen tschechische Verbände raubend in die Kellertrift, ja bis in das Dorf. Erst eine aufgestellte Dorfwache verhindert weitere Diebstähle und mit dem, im Jänner 1919 in der Schule stationierten, Volkswehrbataillon wird die Grenze gesichert. Ein nicht geringeres Übel sind die "Hamsterer", die enorme Preise bezahlen, wodurch die Lebensmittel für die heimische Bevölkerung unerschwinglich werden, so dass schließlich ein Rucksackverbot für die gesamte Region eingeführt wird.

      


       

      

    Die Zwischenkriegszeit

       

    Die wirtschaftlichen Schäden durch den Krieg sind unübersehbar und die Bauern werden sich davon auch im kommenden Jahrzehnt kaum erholen. Trotzdem sind die Leistungen der Gemeinde enorm. 1920 muss zwar ein Anschluss an das E-Werk Seefeld und die damit verbundenen Vorarbeiten durch den Gemeinderat aus Geldmangel abgelehnt und gleichzeitig ei ne Hundesteuer von 2 Kronen eingeführt werden, um die Anschaffung von Gedenktafeln für die Gefallenen zu decken, welche am 13. 8. 1921 an der Kirche eingeweiht werden.

      

    Anders ist es aber ein Jahr später. Nachdem in den umliegenden Gemeinden bereits die Elektrifizierung in Gang ist, beschließt das Dorf einstimmig, in einer Versammlung am 13. März 1921, im Gasthaus Kautz, die Elektrifizierung des Dorfes. Am 29. Mai wird die Haugsdorfer Elektrizitätsgesellschaft (HEG) mit diesen Arbeiten beauftragt, wobei die Gemeinde an Genossenschaftsanteilen 450.000 Kronen zu bezahlen hat. Da jedoch von der Gemeinde nur 200.000 Kronen aufgebracht werden können, werden vom Lehrer Johann Seidl 250.000 Kronen vorgeschossen. Noch bevor die Inflation einsetzt, können die Arbeiten abgeschlossen werden. 1930 ist der Stromverbrauch so gestiegen, dass für Alberndorf ein eigenes Transformatorhaus gebaut werden muss. Trotz der rasch beendeten Elektrifizierung, trifft die Gemeinde die 1922 beginnende Inflation hart. Die Ausgaben laufen den Einnahmen ständig davon. So erhöht sich z. B. die Ebergebühr von 1.500 Kronen am 2. Juli 1922 auf 2.500 Kronen am 6. August und am 13. Jänner 1923 sind es 25.000 Kronen. Die Sanitätsgebühren steigen vom 27. August 1922 bis zum Jahresende auf 150.000 Kronen. Nach der Einführung der Schillingwährung am 1. 1. 1925, fordert der Gemeinderat am 20. Oktober einen Kostenvoranschlag zur Elektrifizierung der Kellertrift, den die HEG mit 2.340 Schilling beziffert. Eine Summe, die unmöglich aufgebracht werden kann, so dass die Durchführung erst im Jahre 1947 erfolgt.

      

    Schon lange ist dem Lehrer der Jauchegraben, welcher an der Schule vorbeifließt und die Jauche, die sich nach jedem Regen vor der Schule zu einem Teich sammelt, ein Dorn im Auge. Immer wieder ersucht er, dass hier Abhilfe geschaffen wird, bis sich der Gemeinderat endlich mit der Frage der Kanalisation befasst. Der Antrag wird jedoch bis zum Zeitpunkt einer eventuellen Straßenpflasterung verschoben. Auch der 1936 eingebrachte Antrag auf Kanalisierung wird abgelehnt, aber eine Muldenpflasterung beschlossen. Wichtiger ist die Anschaffung einer Motorspritze für die Feuerwehr, die die alte Handspritze ablöst. Zur gleichen Zeit erfolgt der Ankauf des Hauses Nr. 128 als Gemeindehaus, welches 1930 gegen das Haus Nr. 97 getauscht wird. Die seit Monaten angestrebte öffentliche Fernsprechstelle, wird am 11. 9. 1926 im Gasthaus Kautz, mit einer Annahme- und Aufgabestelle für Telegramme eingerichtet. Lästig ist die ständige Zunahme von Fahrrädern, die immer die Gehsteige befahren und damit die Fußgänger gefährden, so dass die Gemeinde die Aufstellung von Verbotstafeln beschließt. Für den Bürgermeister ist es schwer, Ideen und Anregungen, die vielfach vom Lehrer Johann Seidl kommen, im Gemeinderat durchzusetzen. Erstens, weil in der Regel das Geld fehlt und zweitens, weil das entsprechende Verständnis nicht vorhanden ist. Trotzdem werden 1927 auf dessen Initiative die Sumpfgebiete im Schatz und in den Lissen, in denen oft jahrelang das Wasser gleich einem See steht, durch Drainagerungen trockengelegt und somit fruchtbarer Boden gewonnen. Im selben Jahr entsteht die Ortsgruppe des Landesverbandes der Weinvertreibenden. Da der Schulleiter Seidl in vielen Vereinen inkludiert ist, gelingt es ihm auch 1929, einen Heimkehrerverein, der in anderen Orten schon besteht, anzuregen und zu gründen. 

      

    Der Bau des Transformatorhauses, der den Gemeindehaushalt zusätzlich belastet, wie der Tausch des Gemeindehauses und der Versuch, eine eigene Gemeindekanzlei zu bauen, der abgelehnt wird, führen zu Turbulenzen in der Gemeinde und schließlich zur Auflösung des Gemeinderates. Darauf betraut die NÖ Landesregierung am 24. Jänner 1931, auf Grund des § 100 der Gemeindeordnung, den bisherigen Bürgermeister Franz Rain mit den Gemeindegeschäften. Ihm zur Seite die bisherigen Gemeinderäte Josef Seidl, Franz Lust, Johann Krammer, Adolf Wintermayer und Josef Fürnkranz. Sie haben die Aufgabe, am 22. März eine Neuwahl durchzuführen, in der der Landbund 7 Mandate, die Christlichsoziale Partei 6 Mandate und die Sozialdemokraten 2 Mandate erhalten. Franz Rain wird wieder Bürgermeister. Am 31. Juli kommt der Antrag zum Bau einer Gemeindekanzlei wieder zur Abstimmung und wird einstimmig angenommen. Im März 1933 wird das alte Gemeindehaus Nr. 97 abgetragen und der Neubau errichtet. Damit hat Alberndorf das erste, gemeindeeigene Amtshaus im Pulkautal, so dass man bei Besprechungen oder kleineren Versammlungen nicht mehr in das Gasthaus ausweichen muss. Bei der anschließenden Wahl der Genossenschaftsjagd, werden Adolf Wintermayer zum Obmann und Franz Krammer zum Vize (beides Landwirte) des Jagd- und Wildschadensschiedsgerichtes bestellt. Auch die Verhinderung von Frosteinbrüchen in den Weingärten wird jetzt neu geregelt. In den Weingärten werden acht Feuerplätze von der Gemeinde als Gemeinschaftsaktion angelegt und auch von der Gemeinde gewartet. Jeder Riedbesitzer hat Rauchmaterial zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig erfolgt auch die Instandsetzung des Treibhauses.

      

    Da immer wieder nicht nur Diebstähle in den Weingärten, sondern auch sonstige Kulturschäden angerichtet werden, ist der Feldhüter Johann Schwer berechtigt, von diesen Personen 20 Groschen an Gutmachung einzuheben. Größeren Schaden richten jedoch die Maikäfer an, die heuer in riesigen Mengen auftreten. Die Kinder erhalten 10 Groschen für das Einsammeln je Kilogramm Maikäfer, die hinter dem Gemeindehaus in einer Grube vernichtet werden. Nachdem es sehr viele Arbeitslose gibt, die ausgesteuert sind und keinerlei Unterstützung mehr erhalten, wird auch hier von der Gemeinde eine Hilfsaktion gegründet, um jenen, die bei den Bauern versuchen Arbeit zu finden, zu helfen. Die Wirtschaftsflaute ist aber so groß, dass kaum Spenden eingehen. Im Gemeindehaus, Nr. 5, wird aber ein Zimmer eingerichtet, um diesen Arbeitssuchenden wenigstens für eine Nacht ein Obdach zu geben. Diese wirtschaftliche Notlage in den 30-er Jahren lässt den Weinverkauf stagnieren. Die Verschuldung der Winzer erreicht bedenkliche Ausmaße. Der Versuch der Vaterländischen Front, im Zuge der politischen Auseinandersetzungen von 1934, auch hier einen Umzug zu organisieren, stößt bei diesen Verhältnissen auf keinerlei Verständnis. Lediglich, dem allgemeinen Trend folgend, werden auch in Alberndorf Kanzler Engelbert Dolfuß und Landeshauptmann Josef Reiter zu Ehrenbürgern erklärt. Ihnen folgen 1936 Kurt Schuschnigg und Ernst Rüdiger von Starhemberg. Mit der Übernahme der Gemeindegeschäfte durch die Nationalsozialisten werden ihnen diese Rechte aber wieder aberkannt.

      


        

      

    Die Nationalsozialisten und der Zweite Weltkrieg

      

    Am 12. März 1938 marschieren deutsche Truppen in Österreich ein, damit ist es endgültig aus mit der "Guten, alten Zeit", wo Wanderhandwerker bei der Säule vor der Schule ihre transportablen Werkstätten aufbauten und der Ruf durch das Dorf schallte :"Der Scherenschleifer ist da" (Rastelbinder, Häferlflicker, Kesselflicker oder Reiter- oder Siebmacher). Vorbei ist auch das Von Haus zu Haus ziehen des Besenbinders, Bandelkramers und Bürstenbinders. Vorbei auch das Lagern der Zigeuner hinter der Milchkammer, wobei ein Raunen durch das Dorf ging, "sperrt's zui, de Zigeiner san do". Wobei man ihnen doch so manche Reparatur anvertraute oder sich aus der Hand lesen ließ.

      

    Schon am 15. März haben ein paar Dorfburschen die SA-Uniformen an und organisieren einen Fackelzug. Bei der Volksabstimmung am 10.April, die in der Schule durchgeführt wird, muss der Stimmzettel auf einer Schulbank angekreuzt werden und der größte der Wahlleiter steht auf dem Podium der Schulklasse und beobachtet genau, wo jeder sein Kreuz auf dem Stimmzettel anbringt. Kein Wunder, dass es von 603 Stimmberechtigten genau so viele Ja-Stimmen gibt.

    Nach der Maul- und Klauenseuche, wo am Ortsaus- und -eingang Desinfektionsteppiche errichtet und ständig bewacht werden, erfolgt am 8. 10. wieder Einquartierung in der Schule. Das deutsche Militär hat die Aufgabe, die Grenze zu bewachen und den Einmarsch deutscher Truppen in Südmähren vorzubereiten. Am 10. November 1938, nach der Reichskristallnacht, wird das jüdische Ehepaar Frieda und Alois Seidl von SA-Burschen abgeholt und nach Wien gebracht. Die Seidl's haben zu dieser Zeit ein Gemischtwarengeschäft neben dem Bürgermeister Rain und sind im ganzen Dorf hochangesehen. Neben der Greißlerei betreiben sie noch einen Handel mit Tierfellen und -häuten. Niemand nimmt ihnen übel, dass sie einen anderen Glauben haben und daher nicht zur Kirche gehen. Sind sie doch Vielen auch Kreditgeber. Das Geld ist rar und man kann bei ihnen aufschreiben lassen, um später zu bezahlen. Erst nach dem Krieg erfährt man, dass sie in einem KZ umgekommen sind. Auf Grund der deutschen Gemeindeordnung heißt ab 1939 der Bürgermeister "Gemeindeverwalter" und die Gemeinderäte "Beiräte". Ihnen wird ein Kassenverwalter, der die Finanzgeschäfte zu führen hat, beigegeben, wie auch ein politischer Funktionär.

      

    Das Dorf wird total beherrscht. Alles, was geerntet wird, muss auf das Kilogramm genau gemeldet und davon ein entsprechender Anteil abgeliefert werden. Genauso ist es mit der Tierhaltung. "Schwarzschlachtungen" werden mit KZ-Strafe geahndet und doch kommt es vor, dass die Dorfgemeinschaft schweigt. Lediglich zu Kriegsbeginn dringt ein Fall an die Kreisbehörde. Dem Schulleiter und Gemeindesekretär Johann Seidl gelingt es aber, den Fall glaubhaft - als Rederei oder Verleumdung - darzustellen, er erhält aber dann trotzdem vom Hollabrunner Landrat einen strengen Verweis und eine Meldung an den Gemeindeverwalter. Die ebenfalls verständigte Schulaufsichtsbehörde droht, bei einem Wiederholungsfalle mit einer Versetzung an eine andere Schule.

      

    Im Sommer 1943 kommen die ersten Kriegsgefangenen in das Dorf. Ohne diese wäre es un-möglich, die Ernte einzubringen, da alle wehrfähigen Männer und Burschen zum Militär eingezogen sind. Die Gefangenen sind in den, in schlechtem Zustand befindlichen ehemaligen Inhäuslerhütten, hinter den Bauernhäusern der Herrengasse untergebracht. Sie sind fleißige Männer, die in den zugeteilten Bauernhäusern gute Aufnahme finden. Die Bäuerinnen fürchten aber, dass ein zu freundlicher Kontakt mit ihnen gemeldet werden könnte, was zu Repressalien der NSDAP führen würde. So wird auch den Kindern aus Furcht vor der NSDAP ein-geschärft, sich nicht mit den Gefangenen zu unterhalten. Die Erlösung für die Kriegsgefangenen kommt am 8. Mai 1945, wo sie in ihre Heimat zurückkehren können. Einige von den landwirtschaftlichen Helfern halten noch Jahre nach dem Krieg brieflichen Kontakt mit ihren ehemaligen Arbeitsgebern, mancher kommt sogar auch noch nach dem Krieg auf Besuch, was auf das, trotz aller Androhungen der NSDAP, gute Verhältnis zwischen ihnen und der Bevölkerung hinweist.

    Im Frühjahr 1945 gibt es wieder Einquartierungen durch das deutsche Heer. In der Schule sind die Offiziere untergebracht. Am Abend treffen sie sich in der Wohnung des Schulleiters und hören den Propagandasender der Russen, den zu hören, den ganzen Krieg hindurch verboten und mit der Todesstrafe belegt war. So erfährt man auch, dass die Front bei Laa am Zusammenbrechen ist. Am 7. Mai ziehen die deutschen Truppen nach Westen ab und mit ihnen flüchten einige Dorfbewohner ins Waldviertel. Zuvor wird noch von der SS die Pulkaubachbrücke gesprengt.

    Am 8. Mai mittags fahren die ersten russischen Autos durch das Dorf den deutschen Truppen nach. Die Dorfbewohner stehen auf der Straße und jubeln den durchziehenden Russen zu. Der neben der Schule wohnende alte Herr Glanz ist der erste, der an die Befreier einen Obolus zu zahlen hat. Ein vorbeifahrender Russe sieht an seiner winkenden Hand eine Armbanduhr, springt vom Wagen und die Uhr wechselt den Besitzer. In den kommenden Tagen wütet das nachkommende Heer im Dorf. Viele Frauen und Mädchen flüchten in die Weingärten oder in den Wald, um der Willkür der Russen zu entgehen. Alles was möglich ist, wird geplündert oder beschlagnahmt. So werden unter anderem 60 Pferde, 130 Schweine und 79 Rinder, wie auch 11 Fahrräder requiriert und weggeführt. 2. 824 Fässer Wein gehen zugrunde, so dass am 19. September eine Ortskellerwache aufgestellt wird, um die Diebstähle der Russen und Tschechen zu unterbinden.

    Die vertriebenen Südmährer sind in der Gemeinde notdürftig untergebracht. Sie helfen bei allen Feld- und Hausarbeiten. Nur mit ihrer Hilfe kann die Ernte eingebracht werden, da die meisten Männer noch in Gefangenschaft sind oder gar gefallen sind. Der Ort hat in diesem Krieg mit 70 Gefallenen einen hohen Blutzoll zu bezahlen. Am 8.April 1946 werden fast alle Südmährer, auf Anordnung der Besatzungsmacht, nach Haugsdorf gebracht, dort in Güterzüge verladen und nach Deutschland abgeschoben. Nach dem Krieg gibt es keine Bahn, keinen Autobus und keine Ortsbeleuchtung. Erst nach der ersten Wahl, am 25. Oktober 1945, kommt allmählich wieder eine Verbindung mit der Außenwelt zustande. Bei dieser Wahl werden für die ÖVP 260 Stimmen, für die SPÖ 205 Stimmen abgegeben. Nun werden auch die ehemaligen NSDAP-Mitglieder registriert. Ende Oktober und im November 1945 funktioniert der Bahnverkehr so halb und halb wieder, doch ab Dezember bis April 1946 müssen die Züge wegen Kohlenmangels wieder eingestellt werden. Daher ist auch die Versorgung des Dorfes mit Brennmaterial sehr mangelhaft. Auch elektrisches Licht gibt es wenig und sehr selten.

      

    Der erste Gemeinderatsbeschluss ist die Instandsetzung der Pulkaubachbrücke noch vor der Schneeschmelze, um ein Aufstauen des Wassers und damit eine Überflutung des Dorfes zu verhindern, denn die 1939 begonnene Pulkauregulierung kam nicht einmal bis Hadres.

      


      

       

    Vom armen Grenzdorf zum modernen Vorbild der Region

      

    Mit dem Jahr 1947 beginnt sich allmählich wieder alles zu normalisieren. Der erste Autobus des Herrn Wody verkehrt regelmäßig zwischen Wien und Kadolz. Die Kellertrift erhält eine Straßenbeleuchtung und viele Winzer nützen die Gelegenheit, um Strom in ihre Keller einleiten zu lassen. Bis zu diesem Zeitpunkt ging man mit der Kerze in den Keller, was manchem zur Zeit der Lese das Leben rettete, weil sie infolge der Gärgase verlöschte. Auch der Kirchturm erhält eine elektrische Kirchenuhr. Zum erstenmal, seit vielen Jahren, hört man wieder die Turmbläser zu Silvester.

      

    Es sind schwere Jahre. Endlich kann ein Stier erworben werden, worauf der Stall im Viehhüterhaus rasch fertiggestellt werden muss. Allmählich werden auch wieder Pferde angekauft, so dass die beiden Hufschmiede ausgelastet sind. Auch drei Schuster haben mit den Ausbesserungen genug Arbeit, denn neues Schuhwerk gibt es kaum. Um diese wirtschaftliche Not an der toten Grenze in Augenschein nehmen zu können, kommt am 9. Oktober 1949 Bundeskanzler Leopold Figl in Begleitung von Minister a.D., Julius Raab, um sich selbst davon ein Bild zu machen. Für das Dorf ist das ein besonderer Festtag. Die Musikkapelle, wie auch die einzelnen Vereine, empfangen die Gäste, die auch einige ärmere Wohnungen besuchen und Hilfe versprechen. Zehn Jahre nach Kriegsende hat sich auch hier - an der toten Grenze - einiges geändert. Der Pferdeschlitten im Winter ist aus dem Dorfbild verschwunden, die Motorisierung hat Einzug gehalten, der Traktor ersetzt die Pferdekraft und nur wenige Bauern besitzen noch ein Pferd. Einige gute Weinernten und vor allem der Tabakanbau bringen zusätzliches Einkommen und den Aufschwung, den die Region in dieser Zeit notwendig braucht.

       

    Leider ist Ende der 50er-Jahre durch den Blauschimmelbefall die Tabakproduktion vorbei. Trotzdem ist der Fortschritt nicht mehr aufzuhalten - die moderne Zeit ist auch hier eingezogen. Vor allem die Jugend setzt auf die Zukunft. Für sie steht unter anderem das Auto, das Motorrad, die Mode und die Freizeit im Vordergrund. In der Landwirtschaft hat der Großpflug und der Mähdrescher Einzug gehalten, so dass sich die Taglöhner neue Arbeitsplätze suchen müssen. Der Einsatz von Großmaschinen verursacht bei den zerstückelten Feldern oft Probleme. 1961 beschließt daher der Gemeinderat eine Feldkommassierung und Grundstückzusammenlegungen. Die Umsetzung lässt aber noch einige Jahre auf sich warten. Erst 1965 beginnen die Arbeiten zur Kommassierung, damit verbunden werden auch die Güterwege saniert und mit deren Asphaltierungen begonnen.

      

    In den Fünfzigerjahren beginnt sich das Dorf bereits zu verändern. Weingartenhüter werden keine mehr angestellt, dafür wird das Säuglingspaket und eine Spende für goldene Hochzeiten eingeführt. Der Gemeindebrunnen wird elektrisch betrieben und im Dorf eine öffentliche Fernsprechstelle installiert. An der Ecke Schmiedgasse steht das alte Schmiedhaus mit der Hausnummer 84.Auf diesem Haus bestand eine Maria-Theresien-Konzession, das heißt, die Ausübung jeglichen Geschäftes war hier gestattet. Einst war hier ein Gasthaus und vorher ein Gefängnis. Auch die alte Schmiede hat seit langem ausgedient, nun muss das Haus, aus verkehrstechnischen Gründen, der Spitzhacke weichen. Schon 1943 war die vor dem Haus stehende Immaculatasäule umgestürzt und da in der NS-Zeit dafür kein Interesse bestand, nie wieder errichtet worden. Für die Erhaltung alten Kulturgutes ist jedoch die Zeit noch immer um einige Jahrzehnte zu jung. Erst später wird man sich daran erinnern und wünschen, so manches wäre nicht geschehen, doch dann ist bereits vieles zerstört und verloren gegangen. Es geht ja auch noch der Ortstrommler durch das Dorf und verkündet, dass die Anwendung von E 605 auf den Feldern gekennzeichnet werden muss und erst am 1. 1. 1969, mit der Ausgabe der ersten Alberndorfer Nachrichten, hat auch der Trommler ausgedient.

      

    Eines der größten Feste feiert der Ort aber am 6. 10. 1955. Die im Krieg abgelieferten Glocken werden ersetzt. In einem riesigen Festzug werden die neuen Glocken zur Kirche gebracht. Die Spitze bildet eine Reitergruppe, gefolgt von der Jugend, der Feuerwehr, dem Heimkehrerverein und einer weißgekleideten Mädchenschaft. Dann folgt die Musik mit dem Glockenwagen und der Geistlichkeit. Dahinter folgen die Ehrengäste, die restlichen Vereine und das Volk. Vor der Kirche werden die Glocken von Hw. Abt, einst Pfarrer und Dechant der Gemeinde, Prälat P. Maurus Höfenmayer eingeweiht, der 1957 auch das neben der Kirche an Stelle des Schulgartens errichtete, eindrucksvolle Kriegerdenkmal einweiht. Die Festrede dazu hält der in Untermarkersdorf geborene General Dr. Fritz Franek.

      

    Es ist die Zeit, wo sich Alberndorf mit dem Europagedanken vertraut macht, so dass sich der Ort 1959 zum Europadorf erklärt und die Anliegen des Europarates vertritt, sich für die Menschenrechte öffentlich einsetzt und im Sinne der Europaidee in den kommenden Jahren Partnerschaften mit verschiedenen ausländischen Gemeinden eingeht. Viel Spott und Ironie gibt es, dass da ein kleiner Ort Europareif werden will. Doch 1974 verstummen die Kritiker nach der großen Auszeichnung durch den Europarat. Alberndorf wird vom Europarat die Europafahne verliehen. Eine Ehre, die in Österreich, neben der Bundeshauptstadt und einigen Landeshauptstädten, nun dem kleinen, 700 Einwohner zählenden Ort zuteil wird. Mit Bürgermeister Friedrich Zottl beginnt der Ort bewusst und konsequent eine zukunftsorientierte Dorfpolitik mit folgenden Punkten: 1. Die Wirtschaft kann nur mit Qualitätsprodukten aus der Stagnation heraus angekurbelt werden und nur mit der Möglichkeit von Betriebsausweitungen und Neuansiedlungen; 2. Die Landflucht muss nicht nur eingedämmt, sondern die Möglichkeit eines Bevölkerungszuwachses geschaffen werden; 3. ist es dazu notwendig, dass im Dorf auch die nötige Infrastruktur hergestellt wird; und 4. müssen auch junge Menschen die Möglichkeit erhalten, mit einer entsprechenden Bauförderung billigen Bau grund zu erwerben. Um all diese Vorhaben zu verwirklichen gründet Friedrich Zottl 1975 die Heimatliste, ein Sammelbecken für Mandatare aller politischen Richtungen - und die kommenden Erfolge geben ihm recht.

      

    So werden neben der Bachregulierung und dem Straßenbau vorerst verschiedene Vereine gegründet, um die ganze Dorfbevölkerung in die Arbeit an der Zukunft einzubinden (Güterwegegemeinschaft, Kolchose zur Weingartenmusteranlage, Fremdenverkehrs- und Wirtschaftsförderungsverein, Dorferneuerungs- und Dorfverschönerungsverein, Kulturverein, Festkomitee für Veranstaltungen usw.).

      

      

    Doch schon vorher versucht Alberndorf für das Pulkautal die Werbetrommel zu rühren. Das erste Pulkautaler Volksfest 1967, das 30.000 Menschen, vor allem auch Wiener, anlockt, ist nicht nur ein Rummelplatz, sondern präsentiert wie auf einer Messe die Wirtschaft und eröffnet durch eine Weinkost das Absatzgebiet. Es ist das erstemal, dass die Weinbauregion intensiv beworben wird, wobei Presse und Radio mitwirken. In der Folge wird dieses Volksfest mit Regionalwerbung jährlich zu Pfingsten wiederholt, wobei auch, wie bei sonstigen Festen und bei der Einführung des Alberndorfer Bauernmarktes, Presse, Radio und Fernsehen darüber berichten.

    Im Frühjahr 1969 sucht der Gemeinderat bei der NÖ Landesregierung um die Führung eines Gemeindewappens an, um mit einem eigenen Signum in der Öffentlichkeit auftreten zu können. Am 30. 3. wird dies auch wie folgt gewährt: Die NÖ Landesregierung verleiht der Gemeinde Alberndorf im Pulkautal, im Bezirk Hollabrunn, gem. § 4, Abs. 1, der NÖ Gemeindeordnung, LGBL Nr. 369/69, das nachstehend beschriebene Wappen: In blauem Feld über einem grünen Schildesfuß, der mit zwei gekreuzten goldenen Schlüsseln belegt ist, drei goldene Presssteine, zwei zu eins geschichtet, hinter denen eine goldene Weinrebe an einem ebensolchen Stock emporwächst und die in der rechten oberen Ecke von einer goldenen Weintraube, in der linken oberen Ecke von einer goldenen Ähre begleitet wird. Als Gemeindefarben sind "Blau-Gelb-Grün" genehmigt. Gleichzeitig wird der Ortsname in "Alberndorf im Pulkautal" geändert.

      

    Die Verschwisterung mit Vernouillet in Frankreich 1972 wie die Partnerschaft mit Hainstadt in Deutschland 1972 und der Freundschaftsbund 1973 mit Trumau in NÖ, sind ebenfalls eine wirksame Werbung für das Tal. Das größte Projekt ist jedoch der 1971/72 angelegte Badeteich, der nicht nur die Infrastruktur durch die Errichtung eines Erholungszentrums heben soll, sondern auch Fremden die Möglichkeit gibt Wochenendhäuser zu errichten, um Zuzug in der Region zu erhalten. Dazu werden Ackerflächen in den Rieden Hofäcker und Seefeld in Bauland umgewidmet. Die Planung und Parzellierung des Gebietes erfolgt durch die NIO-BAU zur Schaffung der Europasiedlung für junge Familien, wobei der Baugrund billig zur Verfügung gestellt wird und beim Bau finanzielle Hilfestellung erfolgt. Dies rundet die Zukunftsvision ab. Inzwischen erhält das Dorf selbst ein neues Aussehen. Die Dorfstraßen und Gehsteige werden asphaltiert, Blumenbeete angelegt, die Kanalisierung mit den Anschlüssen aller Objekte durchgeführt und eine Kläranlage gebaut, die 1971 in Betrieb geht. Das Telephonnetz wird mit den Anschlüssen der einzelnen Häuser ausgebaut. Die Stromleitungen werden teilweise in die Erde verlegt, der Bau einer Umfahrungsstraße zur Beruhigung des Dorfzentrums und der Bau der Wasserleitung mit Anschluss aller Gebäude begonnen, womit in den Bauernhäusern nicht nur die moderne Küche einkehrt, sondern auch das Bad eine Selbstverständlichkeit wird. Einführung der Müllabfuhr.

      

    Der Erntekindergarten wird 1973 in einen Landeskindergarten umgewandelt und ein Kinderspielplatz eingerichtet. Der Kulturverein sammelt alte landwirtschaftliche Geräte vor ihrer Vernichtung zur Errichtung eines Museums. Inzwischen wurde auch die Kommassierung und Grundzusammenlegung abgeschlossen. Nach all diesen Erfolgen zieht über das Dorf eine dunkle Wolke in Form der Gemeindezusammenlegungen herauf. Der Gemeinderat beschließt daher am 14. Juni eine freiwillige Zusammenlegung mit Untermarkersdorf, da dies bis Ende des Jahres große finanzielle Unterstützungen durch das Land den beiden Gemeinden bringen würde. Die Bevölkerung der Nachbargemeinde lehnt jedoch ab, weil sie selbstständige Gemeinde bleiben will. Nun tritt mit 1. 1. 1966 die neue Gemeindeordnung in Kraft, nach der kleine Gemeinden zu größeren Einheiten zusammengelegt werden. Für Alberndorf tritt nun zwar für einige Jahre Ruhe ein, bis die Zusammenlegung mit Haugsdorf im Jahre 1974 in eine konkrete Phase eintritt, obwohl sich der Alberndorfer Gemeinderat und die Bevölkerung gegen eine Zusammenlegung aussprechen.

      

    Mit 1. Jänner 1975 ist aber Alberndorf trotzdem keine selbständige Gemeinde und mit Beschluss der NÖ Landesregierung die Zusammenlegung mit Haugsdorf vollzogen. Nun beginnt der Kampf des ganzen Dorfes, mit Hilfe von Anwälten und den Gerichten, gegen dieses Urteil anzutreten. Ein langer, harter Weg ist zu gehen. Noch nie war der Ort so einig wie in dieser Zeit. Die Gemeinderatswahl 1975 ist bezeichnend für den Zusammenhalt der Dorfbewohner. Neben der ÖVP, SPÖ, FPÖ und KPÖ kandidiert auch die Pulkautaler Heimatliste unter ihrem Vorsitzenden OSR Friedrich Zottl, der ein wahrer Kämpfer für sein Dorf ist. Mit dem Slogan Selbständige Gemeinde Alberndorf erreicht die Heimatliste 100% der Mandate, was für Friedrich Zottl ein Auftrag ist. Zweieinhalb Jahre Kampf stehen vor ihm, der schließlich am 30. Juni 1977 mit dem Urteil des Höchstgerichtes endet: Alberndorf unter Bürgermeister Zottl ist wieder eine selbständige Gemeinde. Am 10. Juli feiert das ganze Dorf diese Selbständigkeit mit einem riesigen Fest vor dem Gemeindeamt, welches mit einem Fackelzug und einem Feuerwerk endet.

    Aber noch steht Alberndorf eine weitere große Prüfung bevor. Durch den Bau von Zwentendorf ist in Österreich eine heiße Debatte über die Zwischenlagerung von ausgebrannten Brennstäben entfacht. In diesem Für und Wider, beschließt im Jänner 1978 der Gemeinderat von Alberndorf, mit entsprechenden Stellen Gespräche zu führen, was es mit einer solchen Zwischenlagerung auf sich hat, wie dies vor sich gehe und welche Folgen dies haben könnte. Sollte eine positive Antwort erfolgen, könnte man das Gemeindegebiet zur Untersuchung, ob hier eine Zwischenlagerung möglich wäre, zur Verfügung stellen. Bei einem positiven Ergebnis müsste jedoch die ganze Region ihre Zustimmung erteilen.

    Nach diesem informativen Gespräch gibt Handelsminister Staribacher am nächsten Tag fälschlich bekannt, Alberndorf sei bereit, auf seinem Gemeindegebiet den Atommüll Zwischenzulagern. Am 27. Jänner setzt sofort gegen Alberndorf eine Hetzkampagne mit Protestversammlungen in der Region und überregionalen Demonstrationen ein. Erst ein aufklärender Artikel in einer Tageszeitung mit folgendem Inhalt glättet die Wogen: 15 Männer im Alberndorfer Gemeinderat beschließen einstimmig, ihr Bürgermeister mit einem Rechtsanwalt sollen sich über die Möglichkeiten einer zwischenzeitlichen Lagerung ausgebrannter Atombrennstäbe aus dem Kraftwerk Zwentendorf informieren. Nach diesem Treffen hat Handelsminister Staribacher, nach seinen Aussagen, dieses Treffen "unglücklich und falsch" formuliert, was in Rundfunk und Presse sofort aufgebauscht wird. Letztlich schreibt diese Tageszeitung: Viel schwerer als die Demonstrationen, die nach Alberndorf kommen, trifft die Gemeinde die Welle des Hasses aus der umliegenden Nachbarschaft. Dabei wurde nichts anderes versucht, als über ein Problem so zu reden, wie es in einer demokratischen Gesellschaft möglich sein sollte. Dann aber redet ein Minister zuviel, der Rundfunk zu schnell und einfache Bürger, wie jene aus Alberndorf, finden Morddrohungen anstatt Gesprächsbereitschaft über ein strittiges Thema, das niemals so strittig sein darf, dass man darüber nicht reden könnte. Der Fall Alberndorf ist ein Fall, wie er in Österreich nie wieder passieren sollte. Er ist ein Beispiel eines perfekten Rufmordes.

      

    Wochen später hat sich die Situation vollkommen geändert. Alberndorf und das Pulkautal sind durch diese Aktion in ganz Österreich bekannt geworden, wodurch sich auch wirtschaftlich neue Möglichkeiten für die Grenzregion ergeben. Daher folgen auch alle Gemeinden einer Einladung Alberndorfs und schließen sich am 29.April 1978 von Pulkau bis Mailberg unter dem Schlagwort Entfaltung Grenzland zum Klub Pulkautal, mit Sitz in Alberndorf, zur Wirtschaftsförderung und Fremdenverkehrswerbung zusammen. 1987 wird daraus der Verein zur Belebung des Arbeitsmarktes.

       

    1979 wird die geplante Europasiedlung allmählich Wirklichkeit. Für sechs Reihenhäuser erfolgt der Spatenstich. Bereits 1980 werden weitere 7 Reihenhäuser errichtet, womit die geringste Abwanderungsrate von 5,5% gegenüber 11,12% in der Region erreicht wird. Alberndorf ist in der Werbung für das Tal wieder weiter federführend. Das Volksfest, an dem der ORF den ganzen Tag anwesend ist, wird in der Sendung Rendezvous mit Österreich zur Werbekampagne für den Fremdenverkehr und für den heimischen Wein.

    1979 nehmen Vertreter der Gemeinde auch mit der Botschaft der Volksrepublik China Kontakt auf und laden sie zu einer Besichtigung einer österreichischen Bauerngemeinde ein. Es kommt naturgemäß zu einem Gedankenaustausch beider Kulturen. Am 24. Juni kommen wirklich zwei Vertreter der Botschaft nach Alberndorf - Herr Botschaftsrat NIEH-YING und Frau Botschaftsrat KU-YI-CHI besichtigen das Europadorf, das angeschlossene Weinbaugebiet, die sogenannte Kolchose und schließlich einige Weinkeller, wobei über Jahre hinaus wirtschaftliche und menschliche Kontakte geknüpft werden können.

    1988 kommen, im Sinne der Pflege von Kulturkontakten, die Künstlerin und Ärztin der chinesischen Botschaft Frau LI-SCHAU-WEN mit ihrem Gatten, und bleiben zwei Wochen über Weihnachten im Ort, um das weihnachtliche Dorfleben kennen zu lernen und über das chinesische Alltagsleben zu berichten.

      

    Im Juni 1979 werden vom Klub Pulkautal zwei Schuppen im Hofbereich des Pfarrhofes angemietet und zu einem Sozialzentrum ausgebaut. Einer der beiden Gebäude wird für zwei Keramiker zu einer Werkstätte umgebaut, aus dem zweiten entsteht ein Kurszentrum für Althaus-Sanierungstechnik, Abbeizkurse und Altmöbelrestaurierungen. Zugleich können hier arbeitslose Jugendliche beschäftigt, wie auch in allen baubiologisch erforschten Varianten des Lehmbaues ausgebildet werden. Diese Kenntnisse sind in der Region leider bereits verloren gegangen, so dass diese Bauvarianten sowohl auch beschäftigungs- wie auch bildungspolitische Inhalte und Impulse geben. Dies wurde auch vom Land als Arbeitsmarktförderung der Jugend eingestuft.

      

    Als Mitglied der Österreichischen Liga für Menschenrechte hat das Dorf in Zusammenarbeit mit dem UNO-Flüchtlingsfonds, unter Mithilfe der Ortsbevölkerung und verständnisvoller Unterstützung verschiedener Firmen, dem Mitunterzeichner der Charta 77, dem süd-mährischen Keramikkünstler Franz Maxera, das gemeindeeigene Haus Nr. 181 als Wohnung und Arbeitsstätte eingerichtet. Bundespräsident Kirchschläger erklärte daher am 26. Oktober 1979, das Haus Nr. 181 zum "Haus der Menschenrechte".

      

    Durch die Abnahme der Viehzucht und Viehhaltung muss das seit 1902 bestehende Milchhaus geschlossen werden. Die Kommassierung jedoch findet ihren Abschluss. 1983 lockt das Erntedankfest und das Martiniloben wieder viele Gäste in das Dorf, wobei der letzte Gemeindetrommler, Leopold Bauer noch einmal zu Ehren kommt. Noch vor Weihnachten 1983 gibt Alberndorf in Wien eine Pressekonferenz, zu der über 40 Journalisten kommen, denen die Probleme der Grenzlandregion geschildert werden, speziell die Situation im Pulkautal. Es wird zu kulturellen Ereignissen eingeladen, aber auch Werbung für Wein und Fremdenverkehr gemacht.

    In den folgenden Jahren entsteht auf dem Plattenberg die Hubertuskapelle und die Weingartenhütte wird restauriert zur Erinnerung an die Zeit des Weingartenhüters. Der See wird Privateigentum und der Gemeinderat beschließt die Parzellierung um den See, wobei eine Parzelle der Gemeinde zu übergeben ist, um der Ortsbevölkerung die Möglichkeit zum Baden zu bewahren. Der 1973 begonnene Flächenwidmungsplan wird fertiggestellt und zur Einsichtnahme aufgelegt. Die ehemaligen steilen Weingartenlagen werden mit Hilfe der Landesforstinspektion aufgeforstet. Die ersten Gespräche über die Umwidmung und Aufschließung der Kirchenäcker werden geführt, deren Umsetzung aber noch eine jahrzehntelange Diskussion folgen soll. Weitere sieben Reihenhäuser werden geplant und auf dem Haidberg entsteht durch das Bundesheer eine Aussichtswarte, um Gästen und Besuchern einen Ausblick über das Pulkautal zu bieten. Nachdem sich verschiedene Vereine etwas abgenützt haben, werden sie neu organisiert, wie der Fremdenverkehrsverein, der Dorferneuerungs- und Dorfverschönerungsverein und der Wirtschaftsförderungsverein. In diesem Zusammenhang wird ein Tennisclub gegründet. Die Dreifaltigkeitssäule in der Kellergasse, die 1945 von Besatzungssoldaten zerschossen wurde, wird restauriert und wieder aufgestellt.

      

    Vieles wurde in den letzten 30 Jahren geleistet. Doch wo viel gearbeitet wird, werden auch Fehler gemacht. Daher glaubt jede Fraktion, die Stunde für die eigene Partei sei gekommen. So kandidiert, wie 1985, auch 1990 jede Fraktion für sich. Die Heimatliste stellt sich mit einem Programm unter dem Titel "Alberndorf auf Zukunftskurs - Weichenstellung für die nächsten 10 Jahre", vor. Dabei wird mit einer Unzahl von Plänen der Bogen überspannt. 

      

    Hier ein Überblick über die Programmpunkte: 

    1. Güterwegebau (Lamplweg, Ebenweg, Grenzweg)

    2. Gehsteige (Europasiedlung, Bundesstraße, Kellergasse, Bahnstraße)

    3. Kanalisations-Erneuerung; 4. Neueinrichtung der Gemeindekanzlei

    5. Dorferneuerung (Grünanlagen, Bäume)

    6. NIOBAU (4 Reihenhäuser, 7 Wohnungen)

    8. Milchhaussanierung; 9. Museumsscheune (bauliche Erhaltung, Renovierung der Außenmauern)

    10. Gasheizung (Errichtung einer Reduktionsstation)

    11. Neue Anlage - Kreuzung/Bahn

    12. Sanierung der Fahrbahnenge bei Haus Nr. 109

    13. Errichtung von Radfahr- und Wanderwegen

    14. Vertiefung und Entschlammung des Berggrabens

    15. Radeinstellplätze für Radwanderer

    16. Begrünung und Umzäunung des Spielplatzes

    17. Arbeiten in Schule und Kindergarten in den Ferien

    18 Auflagen für Müll, Schutt und Luftreinhaltung laut Gesetz

    19. Kontakte zu Südmähren

    20. Sanierung der Friedhofsmauer

    21. Anschluss an die zu kommende Erdgasleitung

      

    Durch die Aufzählung der vielen Punkte entsteht eine Negativwerbung. Viele haben Angst vor den Zahlungen, die auf sie zukommen könnten. Dementsprechend geht die Gemeinderatswahl für die Heimatliste aus. Noch im selben Jahr schließt sich Alberndorf dem Gemeindeverband für die Abfallbeseitigung im Bezirk Hollabrunn an und schon 1991 erfolgt die Umwidmung der Kirchenäcker in Wohnbauland. Ein Jahr später werden in der Europasiedlung 4 Reihenhäuser fertig und mit dem Bau von 4 Sozialwohnungen begonnen. Man greift Punkte der Heimatliste auf und versucht sie zu verwirklichen. Für die bäuerliche Wirtschaft wird ein wesentlicher Akzent gesetzt. Zur Früherkennung von Pilzerkrankungen, vor allem im Weinbau, wird ein Messgerät angekauft, welches an einer sehr exponierten Stelle aufgestellt wird. Es liefert Daten über Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, Blattnässe (Tau) und Niederschläge, wobei bei Peranospora gute Erfolge und erhebliche Einsparungen an Spritzmitteln erzielt werden können, die finanziellen Ersparnissen gleichzusetzen sind, aber zugleich eine Umweltschutzmaßnahme darstellt. Was hier Umweltschutzmäßig zu verzeichnen ist, wird am Bach negativ verbrochen. Die, durch Baum- und Strauchwuchs zu einem fast natürlichen Bach gewordene, Pulkau wird kahl geschlagen und so wieder zu einem sterilen Gerinne, das der Umwelt mehr schadet als nützt.

      

    Inzwischen tobt in Kroatien ein unbarmherziger Krieg. Alberndorf nimmt aus dem Kriegsgebiet 14 Kinder mit ihrer Lehrerin auf, damit sie einige Wochen die Schrecken in ihrer Heimat vergessen können. Dass dies keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt ein Dankschreiben der Kroatischen Botschaft an die Gemeinde und an die Alberndorfer Bevölkerung.

      

    1995 führt Johann Neubauer, Vizebürgermeister unter Friedrich Zottl, die Heimatliste in den Wahlkampf und erringt wieder die absolute Mehrheit. Ein Zeichen mehr, dass das eigenwillige Völkchen der Alberndorfer mehr auf gemeinsame Arbeit, als auf politische Auseinandersetzungen setzt. Die Punkte von 1990 werden in Angriff genommen. Alberndorf schließt sich dem Pulkautaler Kellergassen-Radwanderweg an. Man kann von der Grenze bis zum Wald auf asphaltierten Wegen wandern und fahren. Erdgas hält Einzug in jedes Haus; Sanierung von Parkplätzen und Grünflächen; Sanierung der Friedhofsmauer, wobei das Haupttor nach einem Entwurf von Ralf Vock ausgeführt wird und die beiden Statuen am Eingang fachgerecht restauriert werden; Der Umbau des Kreuzungsbereiches bei der Bahnübersetzung mit einem Bushaltestellenbereich wird durchgeführt. Der Museumsstadel erhält durch Umbau die Funktion eines Veranstaltungszentrums.  Die umgewidmeten Gründe auf den Kirchenäckern werden verbaut, so dass hier eine eigene Siedlung entsteht.

      

    Alfred Eipeldauer schildert 1998 die Situation von Alberndorf nach einem Interview wie folgt: Seit 1995 verfügt die Heimatliste mit neun Mandaten über die Absolute Mehrheit. Bürgermeister Neubauer dazu wörtlich, "Wir versuchen immer einen Konsens zu finden. Mir ist lieber, wir diskutieren eine Stunde länger und finden dann doch zu einem Kompromiss. Was die Infrastruktur betrifft, hat Alberndorf eine gute Position. Die Nahversorgung für unsere derzeit ca. 800 Einwohner ist ausgezeichnet. Wir haben ein großes Kaufhaus und einige Gewerbebetriebe, die zusammen mehr als 100 Arbeitsplätze bieten, sowie zwei Gasthäuser. Unsere gute finanzielle Situation resultiert aus diesen Abgaben. Bei uns wurde halt rechtzeitig erkannt, dass man mit der Grenzöffnung auch Geschäfte machen kann. Auch die Ansiedlungspolitik trägt Früchte. In den letzten Jahren ist die Bevölkerung um fast 40 Prozent gewachsen. Wir haben eben rechtzeitig erkannt, dass es ohne Angebot von Bauland und Wohnungen nicht geht".

       

    Die Bürgermeister von Alberndorf im Pulkautal

    1866 - 1867 Johann SPANNER

    1935 - 1938 Josef SEIDL

    1868 - 1870 Georg SCHUSTER

    1938 Adam KOCH (12. III. - 17. III.)

    1871 - 1873 Franz KARL

    1938 - 1945 Franz RAIN

    1874 - 1876 Karl WEISS

    1945 - 1946 Adolf WINTERMAYER (SPÖ)

    1877 - 1882 Rudolf ERNST

    1946 - 1955 Josef SEIDL (ÖVP)

    1882 - 1885 Georg FLEXER

    1955 - 1958 Franz RAIN (ÖVP)

    1885 - 1888 Lorenz RIEGL

    1958 - 1960 Josef SEIDL (ÖVP)

    1888 - 1894 Michael JÄGER

    1960 - 1962 Anton ZÖCH (ÖVP)

    1894 - 1900 Georg FLEXER

    1962 - 1974 Friedrich ZOTTL (ÖVP)

    1900 - 1906 Leopold FÜRNKRANZ

    1974 - 1977 Ferdinand BÖCK (ÖVP)*

    1906 - 1012 Franz LUST

    1977 - 1990 Friedrich ZOTTL (HLA)**

    1912 - 1919 Karl GRAF

    1990 Franz SEIDL (ÖVP)

    1919 - 1921 Leopold SEIDL

    1990 - 1995 Heinrich STRAUSS (SPÖ)

    1921 - 1924 Leopold WEINWURM

    1995 - 2015 Johann NEUBAUER (HLA)**

    1930 - 1935 Franz RAIN

    2015 -          Christian Hartmann (ÖVP)

    * Alberndorf bei der Großgemeinde Haugsdorf

     

    ** Heimatliste Alberndorf   

          

        


     

     

    Der Pulkaubach

       

    Wenn man den Namen "pulka" aus dem Slawischen übersetzt, so bedeutet das Wort "der rasch Anschwellende", was unserem sonst friedlichen Bach voll entspricht. Diesem Umstand und der versumpften Niederungen halber, finden wir die Funde erster Besiedlung höher gelegen, so um den Friedhof. Erst die Gefahr vor den Feinden ließ unseren Ort auf einer Pulkauinsel entstehen. Damit beginnt aber auch der jahrhundertlange Kampf mit dem Wasser. Außer der Aufstellung der Statue des Hl. Nepomuk bei der Pulkaubachbrücke im Jahre 1751, sind kaum frühere Nachrichten über den Bach in Alberndorf auf uns gekommen. Die ersten genauen Berichte von Überschwemmungen und Naturkatastrophen haben wir erst aus dem 19. Jhdt. und da erfahren wir, dass alle paar Jahre Überschwemmungen und sonstige Unbillen den Ort heimsuchen. 1820 gibt es die erste Überschwemmung, von der berichtet wird, dass es entlang des Baches, in der Ebene, keinerlei Ernten gibt. Einen der größten Wasserschäden richtet jedoch ein ungewöhnlicher Wolkenbruch am 28. Mai 1850 an, der über der Haide niedergeht. Binnen kurzer Zeit verwandelt sich die Haide in einen See, in welchem über 30 Schafe den Tod finden. Die durch die Trift hereinstürzenden Fluten führen neben totem Niederwild auch einen Großteil der angebauten Feldfrüchte mit sich. 19 Keller stürzen in der Folge ein und es werden viele Eimer Wein vernichtet. 1853 gibt es die nächste Überschwemmung, so dass 1861 die Pulkau reguliert und teilweise begradigt wird. Doch bereits in früheren Jahrhunderten muss es Regulierungsarbeiten gegeben haben, denn in der Karte von 1772 gibt es noch den südlichen Arm des Baches um das Dorf, aber nicht mehr durchgehend, sondern bereits unterbrochen. Die Chronik berichtet auch von einer enormen Trockenheit aus dem Jahre 1853, durch welche der Bach vollständig austrocknet, was scheinbar noch nie geschehen war und seither auch nie mehr vorgekommen ist. Die Alberndorfer Mühle steht still und die Bauern müssen bis zu den Mühlen an die Donau fahren, um ihr Getreide mahlen zu lassen.

      

    1865 vernichtet ein Gewitter einen Teil der Ernte. Ebenso das Gewitter von 1870, das hat aber auch sein Gutes - es macht die Dorfstraße so grundlos, so dass sie nicht mehr befahrbar ist, worauf die Straße aufgeschüttet und geschottert wird. Entlang der Straße durch das Dorf wird ein Graben geschaffen, der in Hinkunft das Regenwasser aufnehmen und durch die Schmiedgasse in den alten Pulkauarm (Hintausgraben) ableiten soll. Schon zwei Jahre später setzt im Juli ein Hochwasser alle Niederungen unter Wasser und vernichtet wieder die Ernte. 1876 tritt die Pulkau durch Schmelzwasser aus den Ufern und überflutet nicht nur die Felder, sondern auch viele Häuser. Damit die Bewohner ja nicht zur Ruhe kommen, kommt vom19. bis 21. Mai die nächste Katastrophe - der Einbruch einer Kältewelle vernichtet nicht nur einen Teil der Weinernte, sondern auch Teile der Roggenfelder. 1889 gibt es nach einem Gewitter einen Dammbruch bei der Triftbrücke, der schließlich mit einem Weidengeflecht und Anschüttungen geschlossen werden kann. Viele Sorgen bereiten der Gemeinde immer wieder die Niederschläge in der Haide, die ständig den Fahrweg überfluten. Deshalb werden 1892 einige Gruben ausgehoben, die mittels Gräben das Niederschlagswasser aufnehmen sollen. Die ständigen Hochwasser und Überschwemmungen verursachen auch laufend Schäden an den Brücken und Stegen, so muss 1880 die Straßenbrücke südlich und die Feldwegbrücke nördlich der Bahnlinie über den Berggraben neu gebaut werden. 1883 wird die Bachbrücke in die Kellertrift neu errichtet und 1890 die Brücke über den Graben nach Untermarkersdorf bei der Schindergrube, 1892 der Luststeg, 1901 der Steg bei Haus Nr. 11 und 1935 der Steg beim Stefangassl. Erst 1901 wird, anstelle der Furt neben der Pferdeschwemme, eine Brücke in die Kellertrift gebaut. Im Jahr 1909 kommt statt der Holzbrücke über den Seegraben eine feste Brücke, da diese, nach Regengüssen über dem Wald, ständig beschädigt wird und dadurch ein Hindernis für die Landwirtschaft darstellt.

      

    Nachdem die Jagd im Gemeindegebiet Eigentum der Gemeinde ist, wird das, von Johann Konrad, Graf Hardegg, als Fideikomissgut eingeforderte Fischereirecht der Pulkau im Gemeindegebiet, durch einen Gemeinderatsbeschluss abgelehnt und als Gemeindeeigentum ausgewiesen. Auch die, von der Bezirkshauptmannschaft verlangte Abtragung der Wehr der Theresia Prinz wird von der Gemeinde abgelehnt, da dadurch die Gefahr einer Überschwemmung des Ortes bei Hochwasser wesentlich erhöht wäre. Eine Zustimmung könne nur dann erfolgen, wenn die Bezirkshauptmannschaft die eventuell dadurch entstehenden Schäden decke.

    Im Winter 1928/29 sinkt das Thermometer auf - 33° Celsius. Kein Wunder, dass im Frühjahr durch die Schneeschmelze ein Eisstoß in der Pulkau entsteht, der den Bach zum Überlaufen bringt und weite Teile links und rechts der Pulkau unter Wasser setzt. Tagelang stehen die Männer des Ortes rund um die Uhr im Einsatz, um die Eismassen aufzulösen und das Dorf zu schützen. Zehn Jahre lang scheint der Bach gezähmt zu sein, doch 1937 und 1938 zeigt er sich wieder von seiner schlechtesten Seite. Nach wochenlangen Regenfällen tritt er wieder aus seinen Ufern und überflutet weite Teile der Felder, ja sogar die Straßen und Höfe im Ort. In beiden Jahren stehen der Schulhof und die Dorfkreuzung zur Kellertrift knietief unter Wasser. Die Kinder der Mühle z. B., kommen im Sautrog zur Schule.

    Zuvor, im Jahre 1936, bringt ein Gewitter im Norden des Dorfes soviel Schlamm mit sich, dass die Pferdeschwemme im Mühlbach zugeschlämmt und nachher nicht mehr instandgesetzt werden kann. Nach dem Kriegsende kommen nicht nur Drangsale und Plünderungen über die Bevölkerung, auch der Bach zeigt wieder seine Schrecken. Um ein Aufstauen des Wassers zu verhindern, wird noch 1945 die von der SS gesprengte Brücke provisorisch repariert und die alten Brückenreste aus dem Bachbett entfernt. Erst 1953 wird sie durch eine Stahlkonstruktionsbrücke ersetzt, wobei 1.400 kg Zement und 6 m3 Steine verbaut werden. 1957 ist das Material noch nicht bezahlt, daher reklamiert die Gemeinde die zugesagte Bezahlung der Kosten bei der NÖ Landesregierung.

      

    1947/48 bricht abermals ein strenger Winter herein. Die Temperaturen sinken wieder unter -30° Celsius. Der Bach ist so zugeweht, dass er eine Ebene mit den Feldern bildet. Am 17. März 1948 setzt plötzliches Tauwetter ein. Die Pulkau tritt aus ihren Ufern und weite Teile des Tales sind überflutet. Am 21. März erreicht der Wasserstand seinen Höhepunkt. Fast alle Häuser stehen im Wasser, die Dorfstraße gleicht einem Fluss, kniehoch schießt das Wasser dahin. Viele, der noch aus Lehmziegeln (Quaderstock) bestehenden Häuser stürzen ein, wobei eine Menge Hausrat zugrunde geht. Auf den Feldern steht das Wasser bis zum Bahndamm und unterspült ihn, so dass der Zugsverkehr eingestellt werden muss. Vier Jahre später bricht der Damm an der Gemeindegrenze zu Haugsdorf und verwüstet die Mühläcker. Allmählich übernimmt die Gemeinde auch Bereiche in ihre Verantwortung, die bisher ausgeklammert waren. So gehen 1954 die Wasserabzugsgräben - Bruckfeldgraben, Vierhappelgraben und Mühlgraben - aus dem Bereich der Wassergenossenschaft in die Hände der Gemeinde über, wobei sofort deren Instandsetzung in Angriff genommen wird. Endlich ist es soweit. Die Planung der Pulkauregulierung ist mit 1956 abgeschlossen. Der Bach soll nach Norden verlegt werden, ungefähr in das ehemalige Bett des Mühlbaches, mit einer so tiefen Sohle, dass es niemehr eine Überschwemmung geben kann. Großer Jubel in der Bevölkerung, und niemand glaubt mehr an die Unberechenbarkeit des Baches. In der Nacht vom 2. zum 3. März entsteht durch rasch einsetzendes Tauwetter ein Eisstoß, der die Dämme zum Bersten bringt, wobei 200 Joch Ackerland überflutet werden. Die Dorfstraße bei der Kellertrift steht unter Wasser und in den Äckern der Mühlwiese misst der Wasserstand 2m. Zwei Tage arbeiten die Feuerwehrmänner des Ortes, denen schließlich Freiwillige Feuerwehren des Bezirkes zu Hilfe kommen, so dass am vierten Tag endlich die Eismassen aufgelöst werden können. Noch im April besteht der um das Dorf entstandene See, dessen Wasser sich nur allmählich in den Bach zurückzieht. Es dauert aber Jahre, bis die Bachregulierungsarbeiten Alberndorf erreichen. 1957 befinden sich die Aushubarbeiten zwischen Alberndorf und Untermarkersdorf. Das nächste Jahr vergeht mit Grundablösungen zur Bachverlegung. Erst 1960 erfolgen die Aushubarbeiten im Ortsbereich. Im November ist die Bachregulierung bis zum Zeughaus gediehen. Da sind die Geldmittel zu Ende. Der weitere Aushub bis Haugsdorf soll eingestellt werden. Den Gemeindevertretern gelingt es jedoch, bei Vorsprachen im Ministerium und bei der Landesregierung, dass die Grobarbeiten bis zur Haugsdorfer Marktgrenze fortgeführt werden. Die Bevölkerung atmet auf, denn im Frühjahr kann es keine Überflutung mehr geben. Alldem zum Trotz geht im Mai 1962 in den Bergen ein so furchtbares Gewitter nieder, dass die Wassermassen sturzflutartig gegen das Dorf strömen, den Bahndamm in einer Länge von 200m mit den Schienen wegschwemmen und das Dorf erneut, mit Schule und Kirche, unter Wasser setzen. Die Rettung ist der Rohaushub des Pulkaugerinnes, welches die Wassermassen aufnimmt und das ärgste Unglück verhindert. Wieder hat die Gemeinde dazugelernt und mit dem Bau eines Auffangbeckens wird auch hier für die Sicherheit des Ortes gesorgt. 1965 erfolgt der Abschluss der Pulkausanierung, lediglich wenige Restarbeiten werden 1966 noch durchgeführt, womit der Bach wahrscheinlich endlich bezwungen ist.

      

    Durch das Absinken des Grundwasserspiegels infolge der größeren Tiefe des Bachbettes, erhofft man auch Vorteile für die Landwirtschaft. Bald merkt man jedoch das Gegenteil. Das Land beginnt zu versteppen und so manche Pflanze stirbt aus. Die Alternativkulturen sind außerdem große Wasserräuber und verstärken den Trend. Erst spät merkt man die Nachteile durch die Saugwirkung eines geraden und sterilen Bachverlaufs und ist froh über die allmählich mit Sträuchern bewachsenen Ufer, die dem Gerinne den Anschein eines natürlichen Baches verleihen. Noch während man zu Beginn der Neunzigerjahre Überlegungen anstellt, den Bach aufzustauen, um die Versteppung aufzuhalten und Biotope anlegt, um die früher im Pulkautal heimischen Pflanzen wieder anzusiedeln, wird in unserem Ort die Pulkau wieder zu einem sterilen Gerinne abgeholzt. Gegen Ende dieses Jahrzehnts häufen sich die Niederschläge, damit hebt sich auch wieder der Grundwasserspiegel und die Probleme sind wieder in einige Ferne gerückt. Im Zuge der Pulkauregulierung war es auch notwendig, alle dem Bach zuführenden Gräben zu sanieren und im Zusammenhang mit der Grundzusammenlegung auch die Sanierung und Neuanlegung von Feld- und Güterwegen.

      


     

      

    Straßen, Gassen, Feld- und Güterwege

       

    Die älteste bekannte Straße ist, wie schon erwähnt, die Hochstraße, oder auch Mailbergerweg genannt, die durch Jahrhunderte die Verbindung zwischen den einzelnen Orten darstellt. Noch um das Jahr 1700 finden wir eine Straße von Haugsdorf nach Alberndorf, die jedoch über sumpfige Bachwiesen führt, den Berggraben in einer Furt überwindet und an der Rückseite der Herrengasse mündet und daher bei schlechtem Wetter nicht befahrbar ist. Zu diesen Zeiten musste man dann über den Mailbergerweg bis zum "Roten Kreuz" und dann in den Waldweg ausweichen.

       

     

      

    Wie katastrophal der Zustand der Straße damals gewesen sein muss, lässt das Patent vom 10. Mai 1724 erahnen, da vorher niemand für die Erhaltung der Straßen so richtig zuständig war. In diesem Patent wird zum erstenmal auf die Erhaltung der Straße bezug genommen, in welchem auch Alberndorf namentlich genannt ist. Hier sind genau die Mautgebühren angeführt, die nicht wie früher für irgendwelche Zwecke verwendet werden konnten, sondern ausschließlich nunmehr zur Erhaltung der Straßen dienen, so dass in der Josephinischen Karte von 1772, unsere heutige Landstraße von Haugsdorf nach Alberndorf aufscheint, die in der Zwischenzeit gebaut worden sein muss. Sie kommt an der gleichen Stelle wie heute aus Haugsdorf, mündet knapp nach der Ortschaft in den Mailbergerweg und verlässt diesen nach der Furt durch den Berggraben, sich nach Norden, nach Alberndorf wendend und mündet in der heutigen Bahnstraße. In der Karte von 1864 ist bereits die Bahntrasse eingezeichnet, die zwei Jahrzehnte später gebaut wird.

      

    Über die Erhaltung und Ausbesserungen der Dorfstraßen sind kaum Aufzeichnungen auf uns gekommen. Waren sie nicht mehr befahrbar, sind sie sicher im Rahmen der Dorfgemeinschaft ausgebessert und soweit instandgesetzt worden, dass sie wieder benutzbar waren, wie wir noch später sehen werden. Erst seit der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, mit der Führung von Gemeindeprotokollen und den damit verbundenen Gemeindeabrechnungen, wissen wir genauer darüber bescheid. Auf diese Weise erfahren wir, dass 1870 die Dorfstraße durch ein riesiges Gewitter grundlos und unbefahrbar ist, worauf sie aufgeschüttet und geschottert wird. 1880 muss die Brücke über den Bergraben erneuert werden, die erst vor einem Jahrzehnt die Furt leichter passierbar gemacht hat. Gleichzeitig erhält auch der Fahrweg nördlich der Bahn, die ehemalige Verbindung nach Haugsdorf, anstelle der Furt ebenfalls eine Brücke. 1890 wird die Brücke am Ortsende, Richtung Untermarkersdorf erneuert. Die Straßen zwischen den Dörfern sind jedoch meist in einem fürchterlichen Zustand. Erst mit der Gründung des Bezirksstraßenbauausschusses, am 17. November 1900, beginnt eine konsequente Straßenerhaltung. So erhält noch im selben Jahr die Schmiedgasse eine 2m breite Pflasterung.

      

    Damit hat sich die Arbeit des Ausschusses aber schon erschöpft. Nachdem jahrelang keine weiteren Aktivitäten gesetzt werden, mahnt 1906 Oberlehrer Habel zur Sanierung verschiedener Straßen, worauf im Sommer die Kellergasse geschottert wird. 1907 erfolgt die Schotterung vom Friedhof bis zum Feldberggraben und von der Trift bis zum Schatzberg. 1910 wird wieder die Dorfstraße und 1912 abermals die Kellergasse geschottert und gewalzt. Immer wieder ist es notwendig, neuen Schotter aufzubringen, wie 1925 und 1940 auf der Straße von der Kirche bis zum Friedhof. In der Kellertrift muss des öfteren Schotter aufgebracht werden, um die Fuhrwerke für den Weinverkauf nicht zu behindern. Parallel dazu werden auch die Feldwege saniert. Die Instandsetzung der Agrarwege ist jedoch nicht immer einfach, da sie meist in Privatbesitz sind und die Befahrung durch den Besitzer nur geduldet ist. Daher wird die Straße im Schatzfeld 1927 von der Gemeinde angekauft wie auch der Weg in den Leiten im Jahre 1936. 1938 wird der Reinkor- und der Bruckfeldweg in Gemeindebesitz übernommen. Der Weg am Berg kann erst 1950 von der Gemeinde übernommen werden, da die Besitzer bis dahin nicht dazu bereit sind.  Bald nach Oberlehrer Habels Ermahnung beginnt man auch mit der Pflasterung der Dorfstraße. Begonnen wird 1910 mit dem Teilstück vom Geschäft Hammerl bis zur Kellertrift. 1912 erfolgt der Abschnitt von der Kellertrift bis zur Schmiedgasse und 1913 der Rest bis zum Ortsende, Richtung Untermarkersdorf. 1926 ist mit der Sanierung der Strecke von der Bahnstraße bis zur Greißlerei Hammerl die Dorfstraße durchgehend gepflastert. Lediglich die Straßenbefestigung der Bahnstraße selbst erfolgt erst 1935, der Friedhofsweg aber erst 1953, wie auch der Kirchenplatz und die Straße vor der Schule, die mittels Schotter vom Kot befreit werden.

      

    Ein Jahr später, 1954, beginnt man im Dorf mit der modernen Befestigung des Straßenuntergrundes und der Aufbringung einer Asphaltdecke. 1963 sind die Straßenasphaltierungen im Ortsbereich und auch in der Kellergasse abgeschlossen. Im Zuge des Ausbaues der Bundesstraße wird 1964 auch mit den Bauarbeiten an der Hintausstraße als Ortsdurchfahrt begonnen und 1966 dem Verkehr übergeben. Damit erfährt der Ortskern eine Beruhigung, denn Haus Nr. 165 angekauft und abgetragen, um in der Kurve eine bessere Sicht und damit mehr Sicherheit zu erlangen. Durch die Kommassierung beginnt auch der Ausbau der Güterwege. Der erste Agrarweg, der asphaltiert wird, ist der Bruckfeldweg. Mit der Gründung der Güterwegegenossenschaft im Jahre 1966, in der alle Grundbesitzer eingeschlossen sind, erfolgt der allgemeine Ausbau und die Asphaltierung der Güterwege. Da die Finanzierung durch die Mitglieder erfolgt, können die Arbeiten zügig vorangetrieben werden. Trotzdem dauert die Sanierung bis in die Achtzigerjahre, wobei auch in Zukunft immer wieder Ausbesserungsarbeiten notwendig sein werden.

      

     

      


      

      

    Die Pfarre

       

    Die Kirche ist an der Stelle der alten Kapelle aufgebaut. Sie war ebenfalls dem Hl. Laurentius geweiht. Dies weist darauf hin, dass sie bereits im Mittelalter bestanden hat und von einem Alberndorfer Adelsgeschlecht errichtet wurde. 1108 ist der Ort jedenfalls der neu gegründeten Pfarre Wullersdorf unterstellt, unter dem Patronat des Stiftes Melk. Mit der Gründung der Pfarre Haugsdorf im Jahre 1319 wird die Pfarre von hier aus betreut, was mit dem Dekret vom 16. 7. 1323, vom Bischof Albrecht aus Passau bestätigt wird. Aus dem dreißigjährigen Krieg wird berichtet, dass am 15. Mai 1641 aus der Alberndorfer Kapelle ein goldener Kelch an die Schweden abzuliefern ist. 1751 wird unter großer Beteiligung der Bevölkerung vom Haugsdorfer Pfarrer die Statue des Hl. Nepomuk bei der Pulkaubachbrücke eingeweiht. Im Zuge der Klosterauflösungen und der Kirchenneugründungen unter Josef II., erhält das Stift Melk als Patronat der Pfarre Haugsdorf am 23 August 1783 durch die Staatsverwaltung den Auftrag, Alberndorf aus Haugsdorf auszupfarren und ein Mitglied des Ordens als Seelsorger hier anzustellen. Aus der Stiftsrente ist ihm sein Unterhalt zu reichen und über die neugegründete Pfarre das Patronatsrecht zu übernehmen. Die Ausführung erfährt jedoch einen Aufschub, da Abt Urban die Absicht hat, zwischen den beiden Orten Alberndorf und Untermarkersdorf, infolge der geringen Entfernung der beiden Dörfer, eine geräumige Kirche mit Pfarrhof und Schule einzurichten und dem Pfarrer einen Kooperator beizugeben.

      

    Alberndorf ist jedoch die größere Gemeinde und kann die gesetzlich bestimmte Seelenzahl nachweisen, so beharrt sie auf der kaiserlichen Verordnung und verlangt eine von Untermarkersdorf unabhängige Pfarre und Kirche, welchem Begehren schließlich entsprochen wird (daher stammt das geflügelte Wort "Die Alberndorfer tun nicht mit"). 1784 wird endlich mit dem Bau der Kirche auf dem Grund der aus dem Mittelalter stammenden Kapelle begonnen. 1786 ist der Bau fertig, obwohl über der Kirchentür die Jahreszahl 1784 in Stein gehauen ist. Am 24. April 1786 erfolgt die Lostrennung von Haugsdorf und einen Tag später, am 25. April, am Tag des Hl. Markus, wird Pfarrer P. Paulus Hegrad, der einstweilen im Haus Nr. 90 wohnt, in einer feierlichen Prozession aus seiner Wohnung in die Kirche geleitet, wo dann der erste Gottesdienst mit der Weihe auf den Hl. Laurentius stattfindet. 1788 wird die Wullersdorfer Filialkirche St. Peter am Stein, eine Wallfahrtskirche, welche auf einer Anhöhe zwischen Grund und Windpassing steht, auf Verordnung Josef II. gesperrt. Bereits am 12. Juli wird der Hochaltar und die Orgel der Wallfahrtskirche, mit Dekret der NÖ Landesregierung, der neugebauten Alberndorfer Kirche überantwortet. Die Kirche ist ursprünglich mit Ziegeln gepflastert und hat von Beginn an drei Glocken.

      

    Der erste Pfarrer ist Pater Hegrad und wirkt bis zu seinem Tod, am 22. Jänner 1808, in der Gemeinde. Er kommt mit dem Pfarrer in Untermarkersdorf überein, dass an Sonntagen in beiden Kirchen Frühmesse und das Hochamt abwechselnd gehalten werden, um die nahe der bringen. Dieses Übereinkommen besteht bis zum Jahre 1904, wo man dann von dieser Regelung abgeht. Beim Abbruch der St. Helena Kirche in Hadres, kauft 1794 Sebastian Ernst aus Alberndorf, die beiden Statuen des Hl. Sebastian und des Hl. Nepomuk für die Alberndorfer Kirche. Nach Unstimmigkeiten mit der Alberndorfer Gemeinde schenkt er sie jedoch der Kirche in Untermarkersdorf, wo sie heute noch an der Kirchenfassade angebracht sind. Der Pfarrhof, der zur selben Zeit erbaut wird, ist ebenerdig ausgeführt und bleibt es bis in die Gegenwart. Der kleine Garten des Pfarrhofes wird erstmals 1832 erweitert und auch ein Keller wird angekauft, da in einem Weinbaugebiet eine Pfarre ohne Weinkeller nicht vorstellbar ist. Nach dem Tod des Pfarrers Pater Hegrad, versucht nun der Abt Isidor von Melk, nachdem die Alberndorfer Pfarre verwaist ist und der Ort eine geringere Seelenanzahl aufweist, die Pfarre aufzulösen und das Dorf erneut mit der Pfarre Untermarkersdorf zu vereinen. Wieder wendet sich die Gemeinde an die Obrigkeit. Abermals bekommen sie recht und mit Bescheid vom 6. Oktober 1809 wird das Begehren des Abtes abgewiesen, worauf Pater Franz Schneider, der als ein Mann von Bescheidenheit, Frömmigkeit und mit großen Kenntnissen beschrieben wird, Pfarrer des Ortes wird.

      

    Beim großen Brand von 1822 geht auch die Kirche und der Pfarrhof in Flammen auf. Der Schaden ist riesig. Nicht nur der Turm und das Dach werden ein Raub der Flammen, sondern auch die Glocken. Das Altarbild des Hl. Laurentius auf dem Hochaltar wird durch die Flammen stark in Mitleidenschaft gezogen. 1839 wird es ausgebessert, doch erst 1843 wird es durch den "Mahler Hösel" restauriert und mit einem neuen vergoldeten Rahmen versehen. Bei der Wiederherstellung erhält nun die Kirche anstatt der verbrannten Dachschindeln ein Ziegeldach. Die Josephinische Malerei wird beim Ausmalen übertüncht, der Turm erhält neue Glocken, ein Sterbeglöckchen und eine eiserne Uhr, welche die Stunden schlägt. Erst neun Jahre später, 1831, werden die restlichen Feuerschäden beseitigt. Die Orgel wird repariert und vergrößert. 14 Ölbilder in Eichenrahmen als Kreuzwegstationen werden angekauft. Während der großen Choleraepidemie kommt Pater Gastmayer zur Unterstützung des Pfarrers Lambüchler in den Ort, der sich beim Krankenbesuch ansteckt und an Cholera stirbt. 1847 lässt die Gemeinde als Dank für seine aufopfernde Tätigkeit einen Gedenkstein in der Kirche einmauern. 109 Personen fallen der Seuche zum Opfer. Ein Jahr vorher spendet ein Unbekannter einen Glasluster. Die Kerzen werden aber nur an hohen Feiertagen angezündet, da sie sehr teuer sind. Es ist die Zeit des Pfarrers Pater Hermann Neidlinger, eines Bauernsohnes, dem neben der Seelsorge, der Betreuung seiner Gemeinde und des Gottesdienstes, auch die Wirtschaft des Ortes am Herzen liegt. Nicht nur, dass er selbst zum Pflug greift und bei der Ernte mithilft, kauft er von Josef Schönhofer die hinter dem Pfarrhof befindliche Wiese zur Vergrößerung des Pfarrgartens, vor allem aber, um die Stallungen erweitern zu können und den Viehbestand zu erhöhen. Aus den Ernteerlösen wird die Kirche innen blau ausgemalt und auf dem Dach Reparaturen durchgeführt. Mit Pfarrer Pater Roman Mödlagl ändert sich das Verhältnis zwischen der Bevölkerung und der Pfarre. Mödlagl, dem das Gebet wichtiger erscheint als die Arbeit, findet kaum Kontakt zu den Menschen. Dazu findet er im Pfarrhaus und in der Kirche ständig Missstände, für die er die verschuldete Gemeinde verantwortlich macht. Mit dem Bürgermeister Rudolf Ernst erreicht 1877 das Verhältnis Pfarre - Gemeinde seinen Tiefpunkt. Ernst, der den Bau der Bahnlinie zur Sanierung der Gemeinde nützt und den, infolge der immer mehr steigenden Schülerzahl längst fälligen Schulneubau ermöglicht, hat weder das Geld noch das Verständnis für einen Neubau und so wurde das Gebäude repariert. Der Pfarrer fühlt sich aber noch mehr von der Gemeinde ausgeschlossen, so dass er von der Kanzel seinen Unmut wie seinen Ärger über die Gläubigen ausschüttet. Dies wieder führt dazu, dass so mancher die Kirche meidet. 1880 beschwert er sich im Pfarrprotokoll über die Teilnahmslosigkeit der Bevölkerung an kirchlichen Festen wie folgt: "Die hiesige Bevölkerung hat nur Sinn für Kellerfeste mit ihren obligaten Räuschen". Allein aus diesen Zeilen ersieht man, wie unglücklich er sich in der Gemeinde fühlt. Er kritisiert auch den Schulleiter, dass dieser die Worte der lateinischen Lieder nicht richtig wiedergebe und meint, ein Lehrer müsste doch wenigstens lesen können, wenn er schon nicht des Lateins mächtig sei.

      

    1881 ist der Zwist zwischen Pfarre und Bevölkerung so groß, dass der Bürgermeister vorerst keine Baubewilligung für den, bei einer Baubereisung erteilten Auftrag zum Bau einer Küche, eines Kuhstalles und einer Futterkammer gibt, die schließlich aber doch von der Gemeinde mitfinanziert werden. Selbst bei der Collaudierung der neugebauten Schule wird der Pfarrer weder verständigt noch eingeladen. Die Differenzen gehen soweit, dass 1882 zu Ostern und zu Fronleichnam niemand bereit ist, den Himmel zu tragen.

    Erst das Hochwasser von 1888 bringt wieder den Zusammenschluss von Pfarre und Bevölkerung. Das Wasser kommt über die Bahnstraße und überflutet die Kirche, den Pfarrhof und die ganze Neustift. Am 11. März war der Höhepunkt erreicht. Pfarrer Mödlagl wird von der Bevölkerung im Sautrog in Sicherheit gebracht. Von der Hilfsbereitschaft überwältigt, dankt und bittet er die Gemeinde wie auch die Gläubigen, bei den Aufräumungsarbeiten mitzuhelfen. Noch im selben Jahr setzt eine gründliche Erneuerung des Gotteshauses ein, das diesen Namen schon nicht mehr verdient hat. Der Turm wird um 1,73m erhöht, mit einem neuen Dachstuhl versehen, der mit verzinntem, schwarz gestrichenen Eisenblech gedeckt ist, sowie ein neues Turmkreuz aufgesetzt. Der mit Ziegeln gepflasterte Kirchenraum erhält einen Steinboden und der teilweise bereits angemorschte Fußboden der Kirchenstühle wird erneuert. Um die Kirche wird ein Gehsteig aus Klinkersteinen gelegt, das Innere der Kirche ausgemalt und an Stelle des alten Hochaltars, der in sich zusammenzufallen droht, wird ein neuer errichtet. das Altarbild "St. Laurenz mit dem Roste", dessen Kopf kaum noch zu erkennen ist, wird vom Hochw. Pater Pachdesel restauriert. Im Dezember sind die Arbeiten abgeschlossen. 1889 erhält die Kirche noch eine neue Orgel mit 8 Registern, die vom Notar Dr. Reichard um 900 Gulden aus Ybbs angekauft wird. Den fehlenden Betrag auf die Kaufsumme legt das Stift Melk dazu.

      

    1890 werden die Mauern des Friedhofes ausgebessert und das, aus 1787 stammende, künstlerische Eingangsportal seitens der Gemeinde restauriert. Nach Abschluss der Arbeiten stirbt Mödlagl versöhnt mit der Gemeinde und wird in Alberndorf, in einer Gruft zur ewigen Ruhe bestattet. Der von ihm geplante Ausbau seiner Kirche erfolgt im kommenden Jahr. Sie erhält den Zubau einer Kapelle, eines Oratoriums, einen Aufgang zum Chor von außen und den Umbau der Chorstiege. Sein Nachfolger P. Georg Haslberger schreibt folgendes in die Pfarrchronik: "Die Alberndorfer sind besser als ihr Ruf. Sie sind arbeitsam und sparsam, dabei aber auch opferwillig für das Haus Gottes. Sie sind gläubig und fleißig im Besuch des Gottesdienstes; freilich, Ausnahmen gibt es wie überall. Die raue Außenseite muss als Ausfluss ihrer schweren Tätigkeit angesehen und respektiert werden, birgt sie doch einen guten Kern. Ein alter Grundsatz ist: wie man in den Wald hineinruft, so echot es wider. Nach gutem Zureden versetzen sie auch das Heilige Grab, das Fastenbild und den Taufstein in die Kapelle. Eine Kanzel zum Predigen wird im Freien aufgestellt, so daß das Kirchlein von Alberndorf nun in einer Weise geordnet ist, wie wohl selten in einer Kirche für alle Bedürfnisse so gesorgt ist, wie in ihm".

      

    Pfarrer Lambert Kummer führt 1893 die Maiandacht ein und zwar am Samstag um 7 Uhr aus Wien. Kardinal Fürsterzbischof Anton Gruscha kommt in das Dorf. Er wird von einer Reitergruppe festlich empfangen und in die Kirche geleitet, wo ein Festgottesdienst unter großer Beteiligung der Bevölkerung aus der ganzen Gegend abgehalten wird. Anschließend ist er im Pfarrhof zu Gast, von wo er am späten Nachmittag von den Schulkindern und der Bevölkerung verabschiedet wird.

    Am 26. Juli 1896 feiert Johann Weiß aus Alberndorf seine Primiz. Ein seltenes Fest für den Ort. Ihm folgen noch einige Söhne des Dorfes in das Priesteramt. 1904 zelebriert P. Roman Anton Glanz seine Primiz in der Kirche und besucht noch als Erzb.-Kons.-Rat jeden Sommer seine Heimatgemeinde. Am 24. Juli 1938 erteilt Karl Riepl den Alberndorfern seinen Primizsegen. Er wurde am 5. Jänner 1913 hier geboren und am 10. Juli 1938 im Dom zu St. Stephan zum Priester geweiht.

    1896 ist es auch notwendig, den Friedhof zu vergrößern und die Nummerierung der Gräber erfolgt 1903. Im ersten Weltkrieg wird infolge höchster Sparsamkeit, wegen des Verbrauches von Fettstoffen, zu Allerheiligen wie auch am Allerseelentag jedwede Beleuchtung der Gräber behördlich verboten. Da es immer wieder Klagen über fehlendes Wasser zum Blumengießen gibt, wird am Friedhof ein Brunnen gegraben. Im letzten Dezennium des 20. Jahrhunderts wird die Friedhofsmauer erneuert und ein neues Eingangstor eingebaut.

      

    Pater Beda Atzlhuber kommt 1903 als Pfarrer in die Gemeinde und nach seinem ersten Rundgang schreibt er ins Pfarrprotokoll: "Den Eindruck den der Ort, das kleine Kirchlein, das Pfarrhaus mit den schönen, reich an Gemüse und Kartoffeln bepflanzten Garten, auf den Schreiber macht, ist denkbar günstig und er hofft, eine lange Reihe von Jahren mit Gottes Hilfe hier wirken zu dürfen". Der Geistliche hat sich kaum eingerichtet, springt am 15. Mai, während des Evangeliums-Läutens die große Glocke, die aus dem Jahr 1822 stammt. Erst im Herbst, am 30. Oktober, kommt die neue Glocke mit 250 kg. Laut Meinung der Bevölkerung hat sie aber nicht den schönen Klang wie die alte Glocke. Lorenz Zöch, ein gebbürtiger Alberndorfer aus der Zöchschmiede, lebt in Wien und verbringt seine Freizeit bei seinen Verwandten in Alberndorf. 1905 spendet er eine neue Kirchturmuhr, nachdem die alte Uhr schon viele Jahre still steht und nicht mehr zu reparieren ist. Aus Dank wird er zum Ehrenbürger von Alberndorf ernannt. 1904 errichtet der K.K. Militär-Veteranen-Verein am Ortseingang, in der Herrengasse auf dem Gartengrundstück der Frau Schneider, eine Veteranenkapelle. Am 29 Mai 1904 marschiert der Verein mit den Nachbarvereinen, den Dorfbewohnern und der Musik von der Kirche zur neuerrichteten Kapelle, deren Einweihung Pfarrer Atzlhuber vornimmt. Bevor Pater Atzlhuber 1910 die Pfarre wieder verlassen muss, kann er noch die Bildsäule der Schmerzhaften Mutter Gottes auf der Dorfstraße vor der Schule einweihen, welche Franz Zöch, Bauer Nr. 83, in seinem und seiner verstorbenen Gattin Aloisia Namen, um 500 Kronen errichten lässt. In den nächsten Jahren wird die Kirche innen und außen renoviert, was sich bis auf die kleinsten Gegenstände erstreckt, so dass sie wieder wie neu erscheint. Zu Kriegsbeginn kommt Pater Maurus Höfenmayer als Pfarrer in das Dorf und wird 28 Jahre die Freuden und Leiden seiner Schäfchen teilen. Schon 1917 kommen die ersten dunklen Wolken über die Pfarre. Die Kirchenglocken müssen für Kriegszwecke abgeliefert werden. Bald darauf werden die zinnernen Orgelpfeifen abmontiert und fortgeführt.

      

    Bereits 1921 wird durch eine Mostsammlung eine 125kg und eine 75kg schwere Glocke wieder angeschafft. Nach fleißigen Spenden der Gläubigen, kann 1925 die dritte, 253kg schwere Bronzeglocke gekauft werden. Ein lautes Halleluja erklingt in der Kirche aber erst wieder 1936, wo die fehlenden Orgelpfeifen ersetzt werden können. Wie aktiv das Pfarrleben sein kann, zeigt sich an der Teilnahme der Jugend in Alberndorf. Das Dorf besitzt einen Katholischen Burschenverein, der 1926 seine Stärke mit einer Fahnenweihe demonstriert und 1930 wird der Christlich Mädchenbund gegründet. Durch die beste Zusammenarbeit beider Gruppen, erfolgt im März desselben Jahres der Bau des Katholischen Vereinsheimes, welches am 21. September eingeweiht wird. Durch die Jugendarbeit, vor allem durch deren Missionsarbeit angeregt, spendet im darauffolgenden Jahr der Tischlermeister Ignaz Zottl ein neues Missionskreuz, das an der südlichen Seite der Kirche angebracht wird. Auch das am Christkönigsfest 1934 zum erstenmal abgehaltene Erntedankfest mit Prozession, Weihe der Erntegaben und Erntedankpredigt, ist der positiven Jugendarbeit zuzuschreiben. Trotzdem klagt der Priester, dass immer mehr Männer den Gottesdiensten fernbleiben und durch Arbeit den Sonntag entheiligen.

    Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges muss der Hw. Herr Dechant zum zweitenmal erleben, dass man ihm die Glocken für Kriegszwecke vom Turm nimmt. Als Ersatz erhält die Pfarre eine kleine Stahlglocke. 1943 kann, trotz Krieg, die Orgel einer gründlichen Reparatur unterzogen werden. Wie gut das Material für die Reparatur ist, ersieht man, dass sie 1947 bereits wieder einer neuerlichen Reparatur bedarf. 1957 wird sie, der Zeit folgend, mit einem elektrischen Gebläse ausgestattet, was den Schulleiter zu der Bemerkung veranlasst: "Technik, oh Graus! Welch ein Lärm in der Kirche!".

    Auch die gesamte elektrische Leitung in Kirche und Sakristei wird noch während des Krieges unter Putz gelegt. Im Jahr 1943 erhält die Kirche ein neues Hochaltarbild - Hl. Laurentius in der Verherrlichung (das Bild wurde 1942 gemalt und stellt den Heiligen über Alberndorf schwebend dar) - welches vorläufig nur provisorisch in der Kirche montiert wird. 1951 erhält es als Hochaltarbild einen goldenen Rahmen, doch 1978 wird das alte Altarbild -Hl. Laurentius mit dem Rost - um 10.000 Schilling restauriert und wieder am Hochaltar montiert. Das neue Laurentiusbild wird in der Pfarre aufbewahrt. 1947 erfolgt auch die Modernisierung der Kirchturmuhr. Die alte Uhr, die nur an zwei Seiten ein Zifferblatt hat, wird durch eine elektrisch betriebene Uhr mit vier Zifferblättern ersetzt.

    Lange muss die Kirche auf die Erneuerung ihrer im Krieg geraubten Glocken warten. Zehn Jahre nach Kriegsende können vier neue Glocken gekauft werden. Die St. Leopoldsglocke mit 84cm und 319kg, die Marienglocke mit 70cm und 214kg, die Heldenglocke mit 63cm und 126kg und die St. Hubertusglocke mit 53cm und 53kg. Am 30. Oktober werden sie, unter der Beteiligung des ganzen Dorfes, mit einer Reitergruppe an der Spitze, begleitet von sämtlichen Vereinen, dem Gemeinderat und hoher Geistlichkeit, im Dorf abgeholt und zur Kirche geleitet, wo sie vom Abt des Stiftes Melk und ehemaligen Seelsorger der Gemeinde, Hw. Maurus Höfenmayer geweiht werden.

      

    1959 wird Abt Maurus Höfenmayer Ehrenbürger von Alberndorf. Wieder einmal ist die Kirche voll, als Pfarrer Wetter sein 25-jähriges Priesterjubiläum feiert. Es ist die Zeit, da Lauheit in der Kirche einkehrt. Stehen die Männer vor dem Krieg noch vor der Kirchentür und verfolgen von hier aus die Messe, so kommen sie jetzt nur noch an hohen Feiertagen oder bei Dorffesten, die mit einer Messe eingeleitet werden, in die Kirche.

      

    Schon 1942 ist es nicht mehr möglich, die Pfarre mit einem Pater des Stiftes Melk zu besetzen. Pater Paulus Haas aus Seitenstetten übernimmt die Pfarre. Ihm folgt dann 1946 Pfarrer Andreas Wetter, ein Weltpriester, der nach dem Tod von Pfarrer Auer aus Untermarkersdorf auch diese Pfarre zu betreuen hat. Damit aber ist das feuchte Pfarrhaus in Alberndorf verwaist, denn Wetter zieht in das einstöckige Pfarramt der Nachbargemeinde, das in Hinkunft Sitz der Geistlichkeit sein wird. 1976 ist es dem Stift Melk wieder möglich, einen Benediktinerpater, nämlich Pater Godhalm Gleiß, zur Betreuung der beiden Pfarren einzusetzen. Auch er wählt Untermarkersdorf zu seinem Wohnsitz. 1990, als er nach Wullersdorf abberufen wird, ist die Lage noch dramatischer. Der Göttweiger Pater Martin Botz muss zu seinen Pfarren Pfaffendorf, Karlsdorf, Pernersdorf, Peigarten und Jetzelsdorf nun auch noch die Pfarre Alberndorf übernehmen.

      

    Gott sei Dank gibt es trotz allem immer noch Menschen, die sich für die Kirche engagieren. Viele Dinge, die früher Aufgabe des Priesters waren, werden nun vom Pfarrgemeinderat und fleißigen Helfern übernommen. 1968 erfolgt die Außenrenovierung der Kirche und des Pfarrhofes wie auch die Anschaffung einer neuen Turmuhr, 1975 dann eine vollständige Kirchenrenovierung. Viele ungezählte freiwillige Arbeitsstunden werden geleistet. 1977 erhält die Glockenstube eine Stahldecke und vier elektrische Läutmaschinen für die Glocken. 1978 erfolgt abermals eine Renovierung der Kirche, welche Abt Burghard Ellegast am 26. November einweiht. 1979 geht der Einbau der Kirchenheizung vonstatten und der Pfarrhof wie die Nebengebäude werden sozialen Zwecken zugeführt. Von 1981 bis 1984 wird der Pfarrhof renoviert und trockengelegt und die letzten Arbeiten zur 200-Jahrfeier der Pfarre vorgenommen. Zu diesem großen Ereignis stehen folgende Zeilen im Rundschreiben der Alberndorfer Gemeinde: Zu den Jubiläumsfeiern erstrahlen Kirche und Pfarrhof in neuem Glanz! Die Alberndorfer feiern am 26.August 1984 in angepasster Weise dieses Jubiläum. Nach der Festmesse, die Abt Ellegast zelebriert, geht es ins Festzelt und dort ist für den ganzen Tag ein Festprogramm festgelegt. Schon am Vormittag gibt es auf dem Kirchenplatz bei freiem Eintritt eine pfarrinterne Diaschau mit Rückblick auf 200 Jahre Alberndorfer Geschichte. Die Bevölkerung hat sich schon lange auf diese 200-Jahr-Feier vorbereitet, wobei Frau Oberlehrer Johanna Hofstetter, die nicht nur einen wesentlichen Anteil an der Festschrift hat und schon mehr als ein Jahrzehnt die Arbeiten koordinierte sowie ihr ganzes Dasein für Kirche und Pfarre als Lebenswerk betrachtete, der Stephansorden dafür verliehen wird, den sie von Abt Ellegast überreicht erhält. Am 11.August 1985 wird die von der Jägerschaft am Plattenberg errichtete Hubertuskapelle unter reger Beteiligung des Volkes vom Geistlichen Rat Alois Brunner eingeweiht. Die Festrede hält Europarat-Generalsekretär Dr. Franz Karasek.

        

    Die Alberndorfer Pfarrer

     

    1786 - 1808

    P. Paulus HEGRAD 

    (*)

    1892 - 1898 P. Lambert KUMMER 

    (*)

    1809 - 1811

    P. Franz SCHNEIDER 

    (*)

    1898 - 1903 P. Dominik ROSUM 

    (*)

    1811

    P. Karl BIERBAUER 

    (*)

    1903 - 1910 P. Beda ATZLHUBER 

    (*)

    1811 - 1830

    P. Engelbert HAGMAYR 

    (*)

    1910 - 1914 P. Ernest AUER

    (*)

    1830 - 1835

    P. Ludwig STEINBÖCK 

    (*)

    1914 - 1942 P. Maurus HÖFENMAYER 

    (*)

    1835 - 1838

    P. Edmund LAMBÜCHLER 

    (*)

    1842 - 1946 P. Paulus HAAS 

    (+)

    1838 - 1845

    P. Moritz TREBITZKY

    (*)

    1946 - 1976 Hw.Andreas WETTER 

    (#)

    1845 - 1858

    P. Hermann NEIDLINGER 

    (*)

    1976 - 1990 P. Godhalm GLEISS 

    (*)

    1858 - 1867

    P.Adolf DANZER 

    (*)

    1990 - 1998 P. Martin BOTZ 

    (o)

    1867 - 1890

    P. Roman MÖDLAGL

    (*)

    1998 - 2010 G. Rat Robert NEUMANN 

    (#)

    1890 - 1892

    P. Georg HASELBERGER 

    (*)

    2010 - 2015 P. Jan JURUS

         

    2015 -         P. Placidus LEEB / Vikar Mag.Christoph PFANN

     
       

    (*) = Padres des Stiftes Melk     (+) = Pater des Stiftes Seitenstetten     (#) = Weltpriester     (o) = Pater des Stiftes Göttweig

     

        


      

      

    Die Schule

       

    Mit der Gründung der Pfarre wird in Alberndorf auch eine Schule eingerichtet. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen die Kinder nach Haugsdorf zum Unterricht gehen, da Alberndorf keine Trivialschule hat und der Pfarre mit der Schulaufsicht betraut und daher für die geistige Bildung verantwortlich ist. Da eine Schule erst gebaut werden muss und auch kein Lehrer vorhanden ist, muss der "Schulgehilfe" Franz Brunner, von 1883 bis 1885 die Kinder in drei verschiedenen Klassen unterrichten. 1785 ist das ebenerdige Schulhaus mit einer Lehrerwohnung fertig und der Ort erhält mit Johann Michael Ernst den ersten Lehrer. Von 1786 bis 1832 steigt die Einwohnerzahl um ein Drittel, wodurch sich auch die Schülerzahl stark vermehrt, so dass 1831 die Klasse geteilt werden muss. Bei der Schulvisitation durch den Hw. Herrn Dechant aus Schrattenthal findet dieser 75 Kinder in der ersten und 98 Schüler in der zweiten Klasse. Beide Klassen werden vom Lehrer Josef Spitzer unterrichtet der 1836 an Cholera stirbt. 1870 fordert Pfarrer Mödlagl als Schulaufsichtsbehörde den Bau einer dreiklassigen Schule, da die Schülerzahl bereits auf 192 angewachsen ist, doch der Gemeinderat stimmt dagegen. Ein Jahr später tritt die neue Schulordnung in Kraft. Damit geht die Schulaufsicht aus den geistlichen Händen in die Kompetenz der Gemeinde über. Der erste Ortsschulrat wird gewählt, wobei Johann Spanner als Obmann hervorgeht. Durch eine Spende von 361 Bänden entsteht 1873 die erste Schulbibliothek. Das Schuljahr beginnt am 1. November und endet mit 31. Oktober. Das heißt, es gibt zwar Weihnachts-, Oster- und Ernteferien, doch Sommerferien sind nicht bekannt. Mit Verordnung vom 15. Juli 1877 des K.K Bezirksschulrates beginnt das Schuljahr am 1. April. Die Schülerzahl hat sich inzwischen auf 212 erhöht und die Kinder werden noch immer von einem Lehrer in zwei Klassen unterrichtet. Dafür wird mit 1. Oktober erstmals eine Lehrerin für einen Industrieunterricht angestellt - heute würden wir dazu Handarbeits- und Kochunterricht sagen. Diese erste Lehrerin ist Frau Sofie Smekal, die aber bereits 1879 von der Lehrerin Maria Druchsa abgelöst wird. Endlich zieht Vernunft in den Gemeinderat ein. Am 1. Mai 1879 wird Adolf Habel als zweiter Lehrer, mit einem Jahresgehalt von 800 Gulden, provisorisch angestellt. Zugleich ist er aber dazu verurteilt, hinten im Hof des Gasthauses Josef Schnidritsch zu unterrichten. Die Gemeinde hat sich hartnäckig gewehrt, das Schulgebäude zu vergrößern und deshalb den Tanzsaal angemietet.

      

    Noch zwei Jahre müssen vergehen, bis der Gemeinderat am 25. März 1881 den Beschluss fasst, einen neuen Schulbau zu errichten. Mit dem Voranschlag von 9.022 Gulden ist ein einstöckiges Schulgebäude geplant, in dessen erstem Stockwerk drei Klassen entstehen sollen und zu ebener Erde zwei Wohnungen für das Lehrpersonal. Am 19. April beginnen die Abbrucharbeiten der alten Schule und bereits am 24. April findet die Grundsteinlegung statt. In der Zwischenzeit erfolgt der Unterricht der beiden Klassen im Gasthaus des Eduard Glanz auf Nr. 28.Am 1.August wird als dritter Lehrer Josef Sailer angestellt, so dass bei der feierlichen Einweihung der Schule am 22. Oktober, bei der das ganze Dorf teilnimmt, alle drei Klassen betreut werden können. Zu den Feierlichkeiten sind der Statthaltereirat, der K.K. Bezirksschulinspektor wie auch der K.K. Bezirksarzt angereist, die neben den zahlreichen Ehrengästen eindrucksvolle Reden halten.

    1883 endet das Schuljahr mit 17. März und beginnt wieder am 28. März. Damit gibt es zum erstenmal Ferien zum Schuljahresende. 1887 werden die Ferien bis 10.April ausgeweitet. Die nächste Änderung erfolgt 1896. Das Ende des Schuljahres wird nun auf den 15. Juli verlegt mit vierwöchigen Ferien, so dass mit 13. August das neue Schuljahr beginnt. 1906 ist man sich noch immer nicht einig über Beginn und Ende des Schuljahres, womit das Schuljahrsende abermals auf den 31. März verlegt wird und mit 1.April beginnt. Damit sind die Ferien wieder gestrichen. Erst mit Erlass des K.K.  Landesschulrates vom 12. Jänner 1913, wird der Beginn des Schuljahres endgültig auf 1. September festgelegt.

      

    Sieben Jahre sind seit dem Schulbau vergangen und schon sind Renovierungsarbeiten notwendig. Dieser Anlass wird dazu benützt, ein Lehrmittelzimmer herzurichten, das mit dem Geschenk eines ausgestopften Birkhahnes als erstes Objekt allmählich ausgebaut wird. Auch eine Waschküche wird an die Schule angebaut. Da der Schulhof nach einem Regen immer einem Sumpf gleicht wird der Vorplatz mit Schattauer- Ziegeln gepflastert. 1908 wird ein Schulgarten angelegt, wo der Lehrer die Kinder im Gemüseanbau wie auch in der Kunst des Veredelns unterrichtet. Viel Ärger verursacht das Peitschenknallen vor der Schule, da mancher Bauer damit sein Kind zum Fenster locken will und dabei den Unterricht stört. Die Gemeinde stellt daher eine Peitschenknallverbotstafel vor der Schule auf - mit der Androhung von 2 Kronen Strafe.

      

    Trotz strengen Verordnungen betreffend ansteckender Krankheiten zu Beginn des Jhdts. brechen immer wieder Epidemien aus wie die Masernepidemie 1884/85. Im Herbst 1894 muss die Schule wegen Diphtherie 14 Tage geschlossen werden. Auch nach der Wiedereröffnung der Schule, nach Reinigung und Desinfektion, kommen nur 24, später 32 Kinder zum Unterricht, da anscheinend wieder Masern im Dorf grassieren. Auch 1900 brechen wieder Diphtherie und Scharlach aus, so dass die Schule abermals vom 26. 8. bis 26. 9 gesperrt bleibt. Der langjährige Förderer der Alberndorfer Schule, Wilhelm Puchwein, stirbt am 18. 2. 1914 in Wien und setzt die Schule zu seinem Erben ein. Damit ist die Schule erstmals in der Lage, Turngeräte anzuschaffen, die im Schulhof aufgestellt werden. Die Schülerzahl ist wieder gestiegen. 232 Schüler werden in drei Klassen unterrichtet, das heißt fast 80 Schüler in einer Klasse. In der ersten Klasse die beiden ersten Schuljahre, in der zweiten das dritte und vierte Schuljahr und in der dritten Klasse die restlichen vier Jahre. Für heute kaum vorstellbare Leistungen, die die Lehrer zu erbringen haben. Dazu kommen die vielen Sammelaktionen im ersten Weltkrieg, die von den Schülern unter Aufsicht der Lehrer zu erbringen sind.

    Je länger der Krieg dauert, desto schwieriger ist die Versorgungslage. Im Winter 1917/18 muss daher der Unterricht wegen Kohlenmangels vier Wochen unterbrochen werden. In den folgenden zwei Jahren sogar vom 30. Oktober bis 5. Jänner. Noch im selben Jahr wird die Schule ab 4. September vierklassig geführt. Die vierte Klasse wird 1923 wieder aufgelassen, da die Schülerzahl, sicher eine Auswirkung des Krieges, auf 164 Kinder zurückgeht. Mit der Elektrifizierung des Dorfes erhält auch 1922 die Schule einen Stromanschluss.

      

    In den kommenden Jahren, unter dem Schulleiter Johann Seidl, setzt eine rege Tätigkeit für die Schule ein. Mit Schulbeginn 1921 kauft die Gemeinde wieder Lehrmittel für die Schule ein, die alle Kinder, unbesehen der Herkunft, erhalten, aber Eigentum der Schule bleiben. 1923 wird ein Kohlenhaus gebaut und der Turnhof mit einer Mauer umgeben. Ein Lichtbildapparat wird angeschafft, womit nicht nur in der Schule, sondern auch für die Bevölkerung Lichtbildabende abgehalten werden. 1924 erhält die Schule eine Toilettenanlage, welche an die Schule angebaut wird. Ab dem neuen Schuljahr werden Theaterstücke einstudiert, die im Winter im Gasthaus Glanz als Schüleraufführungen im Dorf gut ankommen. Die Einnahmen dienen zum Ankauf von Wandbildern für den Unterricht. "Große Zeiten" werfen ihre Schatten voraus! 1936 hat die dritte Klasse vormilitärische Übungen zu absolvieren, die schließlich von Oberleutnant Seyfert aus der Kremser Kaserne inspiziert werden. Der Lehrer Johann Hofstätter muss 1939 zum Militär einrücken, so dass aus der dreiklassigen Schule wieder eine zweiklassige wird. An der Schule gibt es nur mehr 128 Kinder. Um die Schule von den Lehrerwohnungen zu trennen, lässt Johann Seidl 1941 vom Schulhof eine Tür zum Stiegenhaus durchbrechen, damit ist die Integration der Lehrerwohnungen zu den Unterrichtsräumen beendet.

      

    1942 müssen die Kinder der vierten bis achten Schulstufe nach Haugsdorf zur Schule gehen. In Alberndorf wird die Schule aus Lehrermangel einklassig geführt, doch schon ein Jahr später wird der Schule eine Lehrerin zugewiesen, womit wieder zweiklassig unterrichtet werden kann. Viele Turn- und Zeichenstunden fallen in der nächsten Zeit dem Heilkräutersammeln zum Opfer. Mit Anfang Dezember 1944 muss der Unterricht aus Brennstoffmangel eingestellt werden. Dann beschlagnahmt das deutsche Heer die Schule und nach dem 8. Mai 1945 ziehen die Russen hier ein, so dass erst im Herbst der Schulbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Die Schule wird zweiklassig geführt, doch mit der Ausweisung des südmährischen Lehrers wird sie ab 6. Mai 1946 wieder einklassig.

      

    Auch im Winter von 1946 auf 1947 muss der Unterricht vom Dezember bis März aus Brennstoffmangel eingestellt werden. Mit Schulbeginn 1947 ist die Schule zweiklassig, doch im Winter ist nur eine Klasse aus Kohlenmangel beheizt, so dass abwechselnd unterrichtet wird, eine Klasse vormittags, die andere am Nachmittag. Ab diesem Schuljahr erhalten die Schüler die Schulbücher und Lehrmittel abermals von der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Im Sommer 1948 wird die Schule umgebaut und mit Schulbeginn erfolgt der Unterricht in vier Klassen. 1950 beschließt der Gemeinderat auf Drängen des Schulleiters, auf dem Grund des Gemeindehauses einen Schulneubau zu errichten, da die Sanierung der alten Schule, laut Vertreter der Landesregierung, nicht sinnvoll erscheint. Gleichzeitig wird auch die Behebung der Schäden in der Schule beschlossen, die im Herbst durchgeführt wird und schließlich zu einer Generalsanierung wird, wodurch ein Neubau nicht mehr zur Diskussion steht. Die Sanierung der Schule hat Schulleiter Friedrich Zottl damit erreicht, was ohne den Beschluss eines Schulneubaues sicher nicht so schnell durchzusetzen gewesen wäre. Im selben Jahr werden wieder Kindertheater eingeführt, deren Einnahmen der Ausstattung der Klassen zugeführt werden. 1950 wird die Schule wieder dreiklassig, da es nur mehr 107 Schüler gibt. Im freigewordenen Klassenzimmer entsteht eine Schulküche. 1952 sind es nur mehr 87 Kinder und 1953 nur 84 Kinder die die Schule besuchen, so dass auch der Koch- und Hauswirtschaftsunterricht eingestellt werden muss. Auch der Schulbetrieb wird auf zwei Klassen reduziert. Jahrelang liegt der Schulleiter der Gemeinde in den Ohren, einen Sportplatz zu errichten. Im Herbst 1953 erhält ihn endlich die Schule. Der seit Jahren für diese Zwecke gewidmete Platz hinter dem Milchhaus wird hergerichtet und mit Turngeräten ausgestattet. Bisher diente der mit Unkraut und Disteln bewachsene Platz vornehmlich als Lagerplatz für Zimmerleute und Wanderhändler, sowie für Schutt und Stalldünger.

      

    Das neue Jahr bringt einige Änderungen. Der Schülerbeschreibungsbogen wird eingeführt, was zwar für die Lehrer mehr Arbeit bedeutet, aber sicher eine vorteilhafte Einrichtung ist. Das erstemal nach dem Krieg gibt es wieder einen Erntekindergarten. Eine besondere Neuerung ist der Ankauf von Filmgeräten, wie Schmalfilmapparat und Diaprojektor, die vor allem auch für Bildungsarbeiten der Bevölkerung im Winter eingesetzt werden. Beinahe jede Woche findet ein Vortrag statt, zu welchem bis zu 60 Teilnehmer erscheinen. Dies ist deshalb leicht durchzuführen, da die Schule eine dritte Lehrkraft erhält, womit die dritte Klasse wieder eröffnet werden kann. Der Erlös der Veranstaltungen wird für die Ausstattung der Schule verwendet. Leider wird die neue Lehrkraft 1955 wieder abgezogen und die Schule hat wieder nur zwei Klassen. 1957 sind nur mehr 57 Kinder im Ort, die in der Volksschule unterrichtet werden, wobei noch immer das 5. bis 8. Schuljahr für neun Kinder besteht, die die Überstellung in die Hauptschule nicht schaffen. Mit Verordnung von 1962 ist aber das 5. bis 8. Schuljahr endlich aufzulassen, so dass diese Schüler auch in Haugsdorf unterrichtet werden. Das leerstehende Klassenzimmer ist Dir. Zottl schon lange ein Dorn im Auge. Nun kann er die Gemeinderäte dazu überreden, das Geld zum Umbau in einen Turnraum zur Verfügung zu stellen. Damit ist die Modernisierung der Schule eingeleitet, die jedoch erst 1968 so richtig zum Tragen kommt. Immer wieder sind neue Akzente zu setzen, so dass sich die Arbeiten über Jahre hinwegziehen, weshalb Zottl 1977, als er wieder Bürgermeister wird, die Schulleitung nicht aus den Händen gibt und erst 1979 die Leitung an Frau Hermine Baumgartner abgibt.

      

    Durch den zunehmenden Verkehr, auch hier im Grenzgebiet, wird 1981 eine Verkehrserziehung für Schulkinder eingerichtet. Ausgebildete Gendarmeriebeamte übernehmen den Unterricht, der 1986 zur Fahrradprüfung ausgebaut und eine fixe Einrichtung wird.  Seit Jahren führen die Ministranten im Advent ein Hirtenspiel auf. 1988 übernehmen die Lehrkräfte der Schule die Aufgabe der Einstudierung der Weihnachtsspiele, welch die Schüler bei den Weihnachtsfeiern der Senioren mit viel Erfolg aufführen. Zu Weihnachten 1991 geht ein langgehegter Wunsch der Schule in Erfüllung. Die Schule erhält ein Fernsehgerät und einen Videorecorder als Geschenk. Damit sind die Lehrkräfte in die Lage versetzt, modernste Lehrmethoden auszuschöpfen.

        

    Die Schulleiter der Alberndorfer Schule

     

    1785 - 1815 Johann Michael ERNST

    1907 - 1920 Adolf HABEL

    1815 - 1829 Franz HERLICKA

    1920 - 1946 Johann SEIDL

    1829 - 1836 Josef SPITZER

    1946 - 1948 L. M. RAPF

    1836 - 1872 Franz SEIDL

    1948 - 1979 Friedrich ZOTTL

    1872 - 1873 N. RAUSCH

    1979 - 1984 Hermine BAUMGARTNER

    1873 - 1885 Johann KLECKMAYER

    1984 - 1990 Eva JELINEK

    1885 Adolf HABEL

    1990 - 1993 Ingrid LEHNER

     

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